Rennes-le–Château und der Ursprung der Esoterik

Lebte Gott in Frankreich?

Rennes-le-Château ist ein kleines Dorf an den Pyrenäen-Ausläufern im Süden Frankreichs mit etwa dreihundert Seelen. Es liegt in der Region Languedoc, im Département Aude. Die Umgebung von Rennes-le-château ist voll mit steinernen Zeugen einer Geschichte die in der Steinzeit anfing und deren Spur von Kelten und Römern genauso wie von Westgoten, fränkischen Heeren, spanischen wie arabischen Eroberern sowie durch die Religionskriege im 13. Jhd. geprägt wurde. Katharer Burgen sind dort ebenso zu finden wie alte Festungen des Templer-Ordens.

von Marcus Mons

Das Ende des Absolutismus ist anhand der Ruinen zahlreicher alter Schlösser sichtbar. Berühmt in unseren Tagen wurde Rennes-le-chateau zum Ende des 19.Jhd. durch den Pfarrer Abbé Saunière, der dort einen riesigen Schatz fand und verwirrende Spuren hinterliess. Sein Leben war genauso geheimnisvoll wie sein Tod und seit den 1950er Jahren widmeten sich mehr als 500 Autoren dem Geheimnis von Rennes-le-Château. Gerade erschien ein weiteres Buch mit dem Titel: „Die Geheimen Manuskripte, Schätze und Botschaften der Templer aus Rennes-le-Château“, von Monika Hauf (Bohmeier Verlag, ISBN 3-89094-313-6) in dem die Autorin viele Thesen ihrer Vorgänger prüft und neu bewertet und zu neuen Schlüssen kommt. Anlass genug für die AHA die Geschichte dieses magischen Ortes zu rekapitulieren. Marcus Mons besuchte vor zwei Jahren Rennes-le-Château :

EIN GEBIRGE VOLLER GEHEIMNISSE

Rennes-le-Château gilt für viele als das geographische oder durchaus „geomantische“ Herz der westlichen Esoterik schlechthin. Beschäftigt man sich näher mit den Zusammenhängen, stellt man fest, dass sich das Geheimnis über einen Zeitraum von rund 2000 Jahren erstreckt und seine Anfänge bei der Zerstörung Jerusalems im römisch-jüdischen Krieg und der Plünderung des salomonischen Tempels durch die Legionäre des Titus 70 n.d.Z. liegen. Was aber hat ein kleines, 400 Einwohner zählendes südfranzösisches Dörflein, mit Jerusalem zu tun? Begeben wir uns zu dem Ausgangspunkt der Geschichte, die das Dorf in unserem Jahrhundert einem grösseren Publikum bekannt machte.

1969 erschien in Frankreich eines der ersten Bücher über Rennes-le-Château, das mehr oder weniger genau, mit seltsam auffälligen oder auch verdeckten Hinweisen die Geschichte eines Dorfpfarrers erzählt, der eine Art Schatz findet... (Gerard de Sede „le trésor maudit“, Paris 1969)

Was hat sich tatsächlich zugetragen? Seit den Recherchen des Autorenteams Linclon, Baighent, Leigh und ihrem Bestseller „der heilige Gral und seine Erben“ (Bergisch Gladbach, 1984) ist die Geschichte des Dorfpfarrers Bérenger Saunière, der Ende des 19. Jhd. in die damals zweihundert Seelen Gemeinde Rennes-le-Châteu berufen wurde um dort sein Amt anzutreten, grössten Teils belegt und nachvollziehbar. Durch antirepublikanische Predigten, zog sich der hochintelligente 33 Jahre alte Priester und glühende Monarchist das Missfallen seiner Oberen des Priester- Seminars zu, wo er doch längst prädestiniert schien zu einer weit grösseren Laufbahn. So wurde er ein Dorfpfarrer, fünfzig Kilometer von Carcassone entfernt, was damals etwa einer Verbannung gleichkam. Doch Saunière beklagte sich nicht, schien zufrieden mit dem Posten, zumal er ein Dorf weiter aufgewachsen war und die Gegend demnach sehr gut kannte. Er jagte und fischte, wie er es als Junge getan hatte, las viel, lernte Griechisch, verbesserte sein Latein und begann Hebräisch zu studieren. Er machte so das beste aus seinem eher ärmlichen Einkommen und besuchte auch häufig seinen Freund, den Abbé Henri Boudet, einen Curé aus dem Nachbardorf, „Rennes-les-Bains“. Mit dessen Hilfe vertiefte er sich in die abenteuerliche Geschichte der Region, deren stumme Zeugen ihn ständig umgaben.

Wenige Kilometer südöstlich von Rennes-le-Château erhebt sich ein weiterer Gipfel le Bézu, auf dem sich die mittelalterlichen Ruinen eines Ordenshauses der Tempelritter befinden. Eineinhalb Kilometer östlich von Rennnes-le-Château finden sich auf einem weiteren Berg die Ruinen des Château-Blanchefort, dem Ahnensitz Bertrand de Blancheforts, dem vierten Grossmeister des berühmten Templerordens zur Mitte des 12. Jhds.

Pfarrer Saunière hatte zunächst viel alltäglichere Dinge zu bewältigen als sich um historische Studien zu kümmern. Das Pfarrhaus, ebenso seine Kirche, waren verfallen. Das alte Gebäude steht auf einem Fundament aus der Zeit der Karolinger, die es auf einem Tempel der West-Goten errichteten. Das Gotteshaus wurde offiziell 1059 geweiht und Mitte des 18. Jhd. das letzte Mal restauriert. Der Zustand des Daches wurde langsam zu einer echten Gefahr für seine Sauniéres Schäfchen. Seit Jahren bemühte er sich mit einigen seiner Vorgesetzten um staatliche Hilfe - vergeblich. Und so legte Pfarrer Saunière selbst Hand an und zwar seltsamer Weise zunächst am Altar der Kirche und nicht an den zugigen Fenstern und dem Dach.

Der verborgene Strom Arkadiens

Alte Bewohner des Dorfes erzählten mir, die Leute munkelten damals schon davon, dass Abbé Saunière nach etwas suchen würde, zumal er ziemlich rabiat und pietätlos an alten Gräbern rumbuddelte, „um Ordnung zu schaffen“. Einer so gebildeten Respektperson jedoch, gestand man schon auch ein wenig exzentrisches Verhalten zu. Die Bewohner von Rennes-le-Château wussten durchaus, dass sie ein historisches Fleckchen bewohnten, an dem sich die Geschichte Frankreichs immer wieder zeigt. Keltische Menihre, römische Wälle, arabische, jüdische, römische, fränkisch-merowingische Münzen, westgotische Verzierungen auf Gräbern, und jede Menge mittelalterliches Bauwerk bestimmen die Umgebung heute noch. Das für unsere Geschichte wichtigste Relikt ist ein verschlüsseltes Pergament aus Evangelientexten und eine Genealogie der Grafen der Gegend. Abbé Saunière fand diese Dokumente „beim Renovieren“ in den Altarsockeln eingerollt.

Diese Dokumente liess am Vorabend der französischen Revolution 1781 die Gräfin von Rennes-le-Château, die Noble Dame D‘Hautepoul de Blanchefort kurz vor ihrem Tod in panischer Angst vor dem nicht zu Unrecht erwarteten Chaos durch ihren Beichtvater verstecken. Sie teilte ihm noch ein seit Generationen weitergegebenes Familiengeheimnis mit, das den Pfarrer den Erzählungen nach zutiefst „verstörte“ und welches er verschlüsselt auf der Grabplatte der Edelfrau anbringen liess.

Arkadien, die mythische Heimat des Pan wird in der Literatur mit dem Goldenen Zeitalter identifiziert. In Arkadien war Unsterblichkeit eine Tugend. Es gibt esoterische Traditionen nach denen der arkadische Strom bis heute nicht versiegt ist, im Verborgenen weiterfließt und sich verzweigt.

Liest man die teilweise griechischen Buchstaben als Laute und setzt sie entsprechend ins Lateinische um, erhält man unter anderem die Worte ET IN ARCADIA EGO (Je nach zeitlicher Konjugation des fehlenden Verbum : AUCH ICH WAR EINST IN ARKADIEN / SO BIN ICH NUN IN ARKADIEN)
Entschlüsselt man die Texte des ersten Evangelienpergaments, welches Saunière fand, entsteht folgender Satz: A DAGOBERT II ROI ET A SION EST CE TRESOR ET IL EST LA MORT (wörtl. „Dieser Schatz gehört Dagobert II. und Sion und er ist der Tod.“) Im zweiten wesentlich längeren Text wurden viele Buchstaben verwendet, die völlig überflüssig sind. Reduziert man sie in mehreren Schritten auf hundertzwanzig, und entschlüsselt dann den Text mit Hilfe eines super komplizierten Codes, so ergibt sich folgende Nachricht : BERGERE PAS DE TENTATION QUE POUSSIN TENIERS GARDENT LA CLEF PAX DCLXXXI PAR LA CROIX ET CE CHEVAL DE DIEU JÀCHÈVE CE DAEMON DE GARDIEN A MIDI POMMES BLEUES. (wörtl. Schäferin keine Versuchung, dass Poussin Teniers den Schlüssel besitzen Friede 681. Beim Kreuz und diesem Pferd Gottes beende (zerstöre) ich diesen Dämon von Wächter zu Mittag. Blaue Äpfel.)

Die Namen Poussin und Teniers sind die Namen von zwei Malern. Ersterem verdanken wir ein Gemälde mit dem Titel „Die Hirten von Arkadien“, welches ausgerechnet in Arques entstanden sein soll, einem Ort ganz in der Nähe von Rennes-le-Château. Man sieht darauf drei in antike Gewänder gekleidete Hirten und eine Frau, die eine Inschrift auf einem Sarkophag entziffern : „ET IN ARCADIA EGO“ was in kirchenlateinischer Manier bedeutet : „Auch ich war einst in Arkadien“

EIN PFARRER AUF ABWEGEN

Das alles fand Saunière 1896. Fest steht aber, dass Saunière - alles belegt anhand der fein säuberlich geordneten Papiere in dem kleinen Museum, das sich heute neben seinem ehemaligen Wohnhaus befindet - bereits 1891/92 Reisen nach Paris unternahm. Diese Reisen wiederholten sich zu oft für die Einkommenshöhe eines Pfarrers einer Gemeinde wie der von Rennes-le-Château.(Papiere des Museums in Rennes-le-Château belegen, dass Saunière in diesem Jahr zehn mal soviel ausgab wie er verdiente.) Er verwendete seinen plötzlichen Reichtum durchaus für soziale Belange. Er liess eine neue Strasse im Dorf bauen, und zehn Jahre später hatte Saunière das ganze Kirchengebäude von Grund auf renoviert - und das sehr seltsam...

Die steinernen Wände verschwanden hinter einer doppelten Gipsschicht welche als Grundlage für kitschigste, Bonbon grelle Malereien und Stukkaturen dienen. Über dem Türsturz des Kircheneingangs liess Saunière den Satz eingravieren, „TERRIBILIS EST LOCUS ISTE“ (dt: dieser Ort ist schrecklich).

Eine gnostisch-katholische Kirche?

Die exzentrischen Ausschmückungen der Kirche sind vielfältig.
Wenn man die Kirche betreten hat, muss man erst mal den genauso schrecklich wie lächerlich aussehenden Dämon Asmodeus („Hüter aller Schätze“ und nach einer jüdischen Legende treibende Kraft beim Bau des Salomonischen Tempels in Jerusalem) verdauen. Asmodeus - hier dargestellt wie der christliche „Leibhaftige“ - trägt ein Taufbecken auf welchem vier Engel stehen, die ihn so in die Knie zwingen.
Es gibt dort einen Kreuzweg, der einen echten Katholiken mehr als verwirren müsste: So sieht die Grablegung Jesu (Kreuzweg-Station XIV), die hier bei Mondschein - also bei Nacht – stattfindet, so aus, als würde der „Leichnam“ Jesu aus der Gruft des Josef von Arimatia hinaus-, anstatt hineingetragen werden. Dies widerspricht dem Dogma der Widerauferstehung Jesu von den Toten! Und ist ein Hinweis darauf, daß Jesu die Kreuzigung schwer verletzt überlebt hat. Diese Theorie findet sich in zahlreichen gnostischen Systemen und ist im Koran explizit nachlesbar.

Links und rechts vom Altar ist Jesus als Zwillingspaar dargestellt. Die Zwillinge sitzen jeweils auf dem Arm von Maria und Josef und blicken freundlich in die Gemeinde. Der Name des „Lieblingsjüngers“ Jesu „Thomas“ ist eigentlich gar kein Name, sondern heißt althebräisch „Zwilling“.

Oder ist es nur ein Hinweis darauf, dass Jesus einen Bruder hatte, eine Familie, einen Stammbaum, der sich fortpflanzen sollte...? Auf dem Altar der Kirche ist ein Gemälde angebracht, auf dem die betende Magdalena vor einem knospenden Spross kniet, dessen höchster Zweig zu einem Kreuz zusammenwächst. Neben ihr liegt ein menschlicher Schädel. Der Bildhintergrund zeigt eindeutig den Mont Bézu mit der oben erwähnten alten Templerburg der Blancheforts.

Es hat den Anschein, als wolle Saunière noch Generationen mit detektivischen Hinweisen beschäftigen.
Monika Hauf legt in ihrem neuen Buch zum Falle Rennes-le-chtâeau „Die geheimen Botschaften,, Manuskripte und Schätze der Templer in Rennes-le- Château“, nahe, dass Sauniere bald der Grössenwahn packte: Er kaufte Grundstücke, allerdings auf den Namen seiner Haushälterin Marie Denernaud, und liess ab 1900 in fünfjähriger Bauzeit eine Villa im Renaissance Stil und eine Bibliothek in einem freistehenden Turm, gotischen Stils, ( „Tour Magdala“) errichten. Er empfing Gäste zu grossen Festen, darunter die Opern Diva Emma Calvé, eine über Europa hinaus bekannte Sängerin. Von dieser munkelte man in Paris, dass, sie die Geliebte des attraktiven, jungen Pfarrers „und regelrecht besessen von dem Abbé“ sei.
.
Saunières Gäste waren jedenfalls begeistert. Er hatte um seine Villa einen Park mit Springbrunnen angelegt, in Volieren zwitscherten exotische Vögel, es gab Obstbäume in Glashäusern. Zwei kleine Affen rundeten das paradiesische Bild ab. Saunières gut aussehende Haushälterin bestellte ab 1900 ihre Garderobe nur noch in Paris.

Als ich mir den Rest des erhaltenen Parks, die gut erhaltene Villa „Bethania“ und besonders die Bibliothek mit ihrem Turm ansah, und mir die Spektakel vor meinem geistigen Auge vorstellte, die Saunières Gäste dort veranstalteten, vermischte sich das alles zu einer bizarren Vision. Ich war schon schwer beeindruckt durch die klaren kabbalistischen Hinweise an Saunières Turm „Magdala“ ( 22 Zinnen, 10 Sprossen zur Turmtreppe, 220 Kacheln des Turmbodens).

All das erinnerte mich an Bilder, die aus dem Rosenkreuzer-Roman „Zanoni“ von Bulwer-Lytton und den dramatischen Höhepunkten der „Chymischen Hochzeit“ (Rosenkreuzer Manifest vermutl.18.Jhd.) stammen könnten; genauso erhaben und ernst, wie in ihrer inszenierten Weise dekadent. Als Höhepunkt der „Party“ des Abbé konnte ich mir durchaus die „schwarze Messe“ vorstellen, wie sie im Roman „La Bas“ von Joris-Karl Huysmans (Décadence-Autor des Fin de siècle) geschildert ist. (Und Huysmans liess sich ja bekanntlich von der „okkulten Entourage“ um die Calvé zu seiner Literatur inspirieren, es ist keineswegs abwegig, dass er an Saunières Treffen teilnahm).

ELIPHAS LEVI UND DER GOLDEN DAWN

Wie erwähnt, verkehrte Sauniere in Paris mit so illustren Gestalten wie Emma Calvé, die in ihrer Zeit genauso berühmt war, wie später eine Maria Callas und in engem Kontakt stand mit den esoterischen Kreisen der sog. „Okkulten Erneuerung“ in Paris.

Leute wie Claude Debussy, Stéphane Mallarmé oder der symbolistische Dichter Paul Verlaine und Arthur Rimbaud bis hin zu dem jungen Marcel Proust diskutierten fasziniert die Schriften von Eliphas Lévi. Weiter gedacht und gelebt wurden die Schriften Lévis nach dessen Tod von seinen Schülern. Namen wie Stanislas de Guaita oder Dr.Gerald Encausse besser bekannt unter dem Namen „Papus“ der besonders durch sein Buch über die Kabbala (dt. bei Fourier, heute immer noch so was wie ein Klassiker) und eine Abhandlung über den Tarot bekannt wurde. Die kabbalistischen Spuren Lévis und Papus lassen sich deutlich in den Tarot-Exegesen des englischen Ordens Golden Dawn verfolgen. Seine Protagonisten hielten sich sehr häufig in Paris auf und gründeten dort Tochter-Logen, wie den „TEMPLE D`ISIS ET URANIA“. Der englische Magier und der Golden Dawn Mitgründer Mc. Gregor Mathers bekam in diesen Kreisen seine ersten „okkulten Lektionen“ bevor er in die Geschichte der modernen Esoterik eingehen sollte. In Frankreich „entdeckte“ er auch den Abramelin Text in der Bibliothèque de l`Arsenal, welchen er allerdings keineswegs aus dem hebräischen, sondern aus dem französischen übersetzte, und der unter den französischen Okkultisten schon seit Anfang des 19. Jhd. als Basiswerk seine verdiente Anerkennung fand.

DER URSPRUNG DES BLAUEN BLUTES
DIE HOCHZEIT JESU – DER ARKADISCHE STROM FLIESST WEITER

Die Genealogien, die vom Beichtvater der Noble Dame D’Hautepoul de Blanchefort versteckt wurden und die Saunière fand, belegen, dass die fränkische Dynastie der Merowinger nicht ausstarb nachdem sie von den karolinischen Hausmeiern verdrängt wurde, sondern dass ihr Geschlecht im Verborgenen in der Gegend von Renne-le-Château weiterlebte. Seit der Taufe des Königs Chlodwig im 6.Jhd. n.d.Z in Reims und der so erfolgten Christianisierung des Frankenreiches hält sich das Gerücht über die mythischen Ursprünge der Merowinger. Man geht dabei soweit, zu behaupten, ihr Stamm komme aus der Linie des ersten jüdischen Königs David. Dann wäre Jesus der laut dem Matthäusevangelium aus der gleichen Linie stammt selbstverständlich ein Vorfahre der Merowinger. Ein Mythos, mit dem sich bereits der römische Kaiser Konstantin ca. 350 n.d.Z. ein wenig unglücklich zu schmücken versuchte. Immerhin bezeichnete er sich als den „13. Apostel“. (Interessanter Weise verlieh der Papst Chlodwig den Titel eines „neuen Konstantin“ nach dessen Taufe).

Nach dem Familiengeheimnis der Edlen von Rennes-le-Château lebte „der eiserne Spross“ der Merowinger in einigen euorpäischen Adelsfamilien weiter. Neben anderen soll sich der fränkische König Gottfried von Bouillon dieser Ehre durchaus bewusst gewesen sein. Godefroy de Boullion eroberte mit dem ersten Kreuzzug Jerusalem und gründete das „Fränkische Königreich Jerusalem“ in Palästina. Seine Motive für diesen Krieg würden so selbstverständlich viel einleuchtender dastehen, als das etwas dünne Argument von der „Befreiung des hl. Grabes“.

Hätten so die fränkischen Könige mit der Besetzung Jerusalems(1096 n.d.Z.) zur Zeit der Kreuzzüge in gewisser Weise doch nur das Land zurückerobert, was ihrem Geschlecht seit Jahrhunderten zustand? Letztendlich handelten und wandelten sie in den Fußstapfen ihres Ahnen Jesus, der bekanntlich an seiner Mission scheiterte König der Juden zu werden.

Betrachtet man sich die historische Situation zur Zeit Jesu, klingt das alles gar nicht mehr so abwegig. Palästina war römisch besetzt, das jüdische Staatsgebilde heillos zerstritten. Ein Teil der Bevölkerung arrangierte sich mit den römischen Besatzern, eine nicht kleine Minderheit, die Zeloten führten eine Art Guerilla-Krieg gegen die Römer. Es ist heute erwiesen, das die Kreuzigung die Strafe war für politisch motivierte Verbrechen gegen das römische Gesetz.

Die Bevölkerung Palästinas (Judäa) hatte ihre eigenen Gerichte und Gotteslästerung und was dergleichen an Vorwürfen gegen Jesus in der Bibel vorgebracht wird, wurde von jüdischen Gerichten mit Steinigung bestraft. Jesus wurde demnach von der römischen Gerichtsbarkeit zum Tode am Kreuz verurteilt und auch nicht von ungefähr mit einer Kohorte röm. Soldaten im Garten Getsemane festgenommen. Eine Kohorte ist eine Truppe von 500 Mann! Ist das nicht ein wenig übertrieben für einen Mann, der Frieden predigt und behauptet der Sohn Gottes zu sein? Als das paulinische Christentum römische Staatsreligion wurde, konnte es schwerlich zugeben, dass Jesus Christus durch die römischen Machthaber verurteilt wurde, das wäre glatter Gottesmord gewesen. Hier bot sich die jüdische Bevölkerung als willkommener Sündenbock an. Eine Methode, deren Auswirkungen besonders im zu Ende gegangenen Jahrtausend zu grauenhaften Ereignissen beitrug.

Wie sehr sich der historische Jesus von dem Jesus in der paulinischen Überlieferung unterschied, wird deutlich anhand der Evangelientexte die nicht im Kanon der katholischen Bibel aufgenommen sind. In den 40erJahren wurden in Nag-Hammadi Evangelientexte gefunden, die sich als erheblich älter datieren ließen als die des Kanons. Nur um die Diskrepanz zu zeigen sei hier das sog. Phillip-Evangelium zitiert, wo Jesus sagt:
„Diejenigen, die sagen: zuerst stirbt man, dann ersteht man auf, irren. Wenn man nicht zuerst, noch bei Lebzeiten, die Auferstehung erfährt, wird man im Tode nichts gewinnen.“
Diese Haltung repräsentiert die Essenz der äussersten Häresie und stellte (und stellt) die Macht und Autorität der umfassendsten und erfolgreichsten religiösen Organisation der zivilisierten Menscheit in Frage: die der römisch-katholischen Kirche.

Die Templer und das heilige Blut

Der zu seiner Zeit bereits sagenumwobene Templerorden, bald in vielen höfischen Epen (wie im Parzival von Wolfram v. Eschenbach) als „Gralshüter“ dargestellt, residierte auf den Ruinen des alten „Salomonischen Tempels“. Bestünden die fränkischen Könige Jerusalems tatsächlich auf ihrem Erbrecht, ihrer „Blutlinie“ bis hin zu Jesus, könnte die Aufgabe des Templerordens ursprünglich eine ganz andere gewesen sein, als die gemeinhin historisch akzeptierte: Nämlich diese Blutlinie (das Heilige Blut des arkadischen Stroms) zu schützen!

Zunächst wurde der Orden von neun Rittern gegründet um die Pilger ins „hl. Land zu schützen“, was die Templer aber tatsächlich nie primär taten. Die „Tempel – Ritter“ waren erstmal eine taktisch brillant-fanatische Kampfelite, die mit Schenkungen fast aller christlichen Machthaber überhäuft, nach rund 50 Jahren zu einem steinreichen, „proto multinationalem Bankhaus“, sowie zu einer politisch unglaublich mächtigen Organisation wurden . Vieles weist auf einen „Geheimauftrag“ hin, gerade die Grals-Epen wie „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach oder „Perceval“ des Chrétien de Troyes. Waren sie „Eingeweihte“ deren Aufgabe darin bestand die „heilige Blutlinie“ Jesu - eben das königliche Blut, frz. le sang réal anstelle von le saint graal, phonetisch kaum ein Unterschied - zu schützen? Sollten sie sogar genaueres darüber herauszufinden? Die ersten Jahre nachdem der junge Orden 1118 n.d.Z. vom hl. Bertrand de Clairvaux seine Ordensregel bekam, gruben die Ritter eifrig unter den Ruinen und im Tempelberg herum, der ihnen ihren Namen gab, als würden sie nach etwas suchen – Archäologie im ersten Jahrtausend....? Vielleicht fanden sie ja etwas? Historisch reiben sich die Archäologen heute noch die Hände bei der Vorstellung, dort im Tempelberg graben zu dürfen, was aufgrund der heutigen politisch-religiösen Situation in Israel/Palästina nicht möglich ist. Spekulationen über die Funde der Templer reichen ja bekanntlich bis zur Bundeslade, die eventuell tatsächlich zumindest zu Teilen Nachweise über die Nachkommenschaft Davids und Salomons geben könnte. Da Jesus auch in talmudischen und diversen anderen jüdischen Schriften erwähnt wird, besteht durchaus die Möglichkeit auch etwas über seine Herkunft und Nachkommenschaft aus bisher nicht-veröffentlichem historischem Material zu finden. Denkbar wäre auch ein Hinweis auf sein Grab und da Jesus in den jüdischen Schriften nicht wieder auferstanden ist, können da durchaus sterbliche Überreste zu finden sein.

Es braucht nicht viel Phantasie um sich vorzustellen, dass ein Beweis für die Nachkommenschaft oder den Familienstand Jesu, sowie Hinweise auf seine Herkunft und Genealogie, die Sicht auf alle der drei damaligen wie heutigen Standpunkte der Religionen der Juden, Christen und Mohammedaner, ziemlich verändern könnte. Was wäre dann z.B. mit der Auferstehung von den Toten, wenn Jesu Gebeine gefunden worden sind, die ja für viele jüdische und gnostische Sekten wichtige Reliquien waren? So unter vielen anderen spätantiken Sekten, die aus den Kriegswirren in Palästina zu Tausenden nach Gallien flohen, auch für die gnostischen Vorgänger der Katharer im Süden Frankreichs. Es sei nochmals darauf hingewiesen, dass seit dem Fall Jerusalems im jüdischen Krieg (70n.d.Z.) zahlreiche Juden ins damalige Gallien flohen und dass vor und während der Kreuzzüge selbstverständlich ein reger Schiffsverkehr zwischen Frankreich (Marseille) und Jerusalem herrschte. Auch die Familie von Jesus hätte allen Grund gehabt aus Palästina zu fliehen. An der französische Südküste trifft man heute noch von Marseille bis zur Carmargue ( in Les Stes. Marie de la Mer) auf einen seltsamen Marien Kult, dessen Gundlage der Mythos ist, Maria und Maria-Magdalena seien hier nach der Kreuzigug ihres Sohnes (und Ehemannes?) lebendig oder tot an Land angekommen. Die Madonna, die bei den verschiedenen Prozessionen durch die Strassen getragen wird ist häufig dunkel (oder „schwarz“) im Gesicht und an den Händen, was bei einer Frau aus dem nahen Osten nichts so besonderes ist.

Begeben wir uns also wieder nach Frankreich , in den Süden des Landes ins „Languedoc“ dorthin, wo auch unser kleines Dörfchen Rennes-le-château liegt.

DIE KATHARER
Tötet sie alle! Gott wird die seinen schon zu sich rufen..

Auch unser Abbé Sauniére interessierte sich brennend für die geheimnisvollen Katharer. – Aus rein historischen Gründen?

Fortsetzung folgt