Leseprobe/ Auszug aus dem E-Book "Satanismus"
Vorwort. Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Das Fremde, Unbekannte ängstigt uns. Böse sind stets nur die Anderen; je andersartiger, desto schreckhaft-aggressiver unsre Reaktion auf jeden vermeintlichen Angriff auf uns und unsre Wertsysteme. Ein Feindbild zu haben, stärkt die eigene Gemeinschaft, bündelt Kraft und kann als externer Ablenkungsattraktor nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Wer sind diese anderen Grenzgänger und Außenseiter, unter welchen Begrifflichkeiten verbirgt sich unser nebulöser Feind, der die Sicherheit bedrohen will und dem unser ganzer Ingrimm gelten muss? Zu jeder Epoche gab es stets das andere und böse Schurkenvolk, die deviante, subversive Untergrundkultur.
Sie hießen Christen, Juden, Muselmanen, Kommunisten, Hexen, Satanisten. Und da ist er schon, der derzeitige Spitzenplatz der düsteren Top Ten der Ismen und Isten: der Satanist mit seinem finstren Satanismus, der Feind aus biblischen Zeiten, der ewige Störenfried und Nörgler, der Schlächter unsrer Kinder und Schänder geheiligter Stätten, Verführer und Herr von Lügen und Fliegen. Aber was genau ist eigentlich der "Satanismus"?
Was ist Satanismus?
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Die bunte Welt der Boulevardpresse gibt die Schwimmrichtung vor, der Mainstream fischt die Sensationschlagworte und -bilder auf und das Volk paddelt dankbar mit. Es wird berichtet über geheimnisvolle Exorzismen im Vatikanstaat, über "Satansmörder" (armer Satan), rituelle Menschenschlachtung, Missbrauch und Folter, Knechtung und Ausnutzung der scheinbar labil Gefärdeten; alles Dinge, die dem frommen Christenmenschen niemals in den Sinn kämen und daher extern gefunden werden müssen.
Allein in den Staaten der unmöglichen Begrenzungen werden nach absolut integeren Aussagen und Schätzungen jährlich Kinder zu Zehntausenden dem trauten Heim entführt und fallen obszönen Ritualgemeinschaften zum Opfer (und der FBI Special Agent Kenneth Lanning, dessen Untersuchung - "The Lanning Report" - dies als Phantasterei überspannter Geister offenbarte, wurde hernach natürlich eigener satanischer Umtriebe und Ansichten überführt; gestehe, Hexe, oder du wirst brennen).
Da ist es einerlei, ob Gothic, Metaller, Egoshooter-Maniac, Psychopath, Edelsteinheiler, Reikimeister, Grenzwissenschaftler, Origamivirtuose oder Okkultist; es ist alles gleich und einerlei. Ist derjenige ein Satanist, der von sich sagt, er wäre einer? Wer bestehende Werte und Ordnungen verwirft und untergräbt? Jemand, der unterschwelligen Rückwärtsbotschaften verfallen ist? Der jugendliche Punk in Rebellion gegen das Establishment? Vielleicht. Vielleicht auch nicht oder mehr als dies oder alles zusammen.
Wir wollen nun ein wenig den Nebelschleier fortziehen vom Fratzenantlitz des Gehörnten. Aber nicht zu viel - die Detailarbeit darf jeder gern selbst erbringen. Satanismus ist nicht schwarz - er ist bunt. Bunt und vielfältig in Gestalt und Form. Und so kommen in diesem ersten Sonderheft zum Thema selbst ernannte Satanisten verschiedener Couleur ebenso zu Worte wie Theologen, passionierte Religionswissenschaftler, gänzlich Außenstehende und okkultes Volk. Und wer glaubt, nach der Lektüre ein klares und lineares Bild des Wortes "Satanismus" erkennen zu können, der hat etwas an der Sache vermutlich nicht verstanden oder wurde vom Bocksbeinigen höchstselbst erleuchtet - Verzeihung, erfinstert.
Aus Platzgründen konnte der Artikel »Satanismus und der Pfad zur Linken Hand« von Ulrich A. Goetz leider nicht seinen Weg in dieses Heft finden:( Wir hätten das Sonderheft von Anfang an als Buch konzipieren sollen... Der Artikel entgeht euch aber nicht, er wird in der 5er Ausgabe nachgereicht.
Mit diabolischem Gruß und dunklem Segen,
Daimon Sinister
(Auszug, im Buch S.1)




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