Der kleine und der große Pan
Ich will in diesem Artikel nur auf eine Frage eingehen. Es ist ein klärenswerter Punkt finde ich, um den herum Wirr Warr leicht entsteht. Wenn du willst, kannst du daran anknüpfen - korrogierend, ergänzend, differenzierend - wie du willst. Die Frage in Kurzfassung: Wie lerne ich die vielen verschiedenen Ideen, die mich ausmachen, verstehen?
von Angela Jekosch
Pan 1 , schon mal weil er im Tarottrumpf XV auftaucht und damit für jeden der zu Tiphareth will, relevant ist, ist eine Idee, mit der du höchstwahrscheinlich deine eigenen Erfahrungen machst. Einer allein, mit anderen Worten, kann es nicht angemessen darstellen.
Gut, ein paar Erläuterungen sind vielleicht schon zur Frage noch angebracht, ehe ich ein paar Vorschläge zu möglichen Antworten mache:
Pan - hat mindestens drei verschiedene interessante Aspekte:
- Er ist der Gott des animalischen Triebes und Dranges, Gott der Ekstase und fruchtbaren Zeugung. In seinem Gefolge befindet sich auch Priapos, der als wandelnder Phallus gestaltet ist.
- Panik und panischer Schrecken ist mit seiner Gestalt verknüpft, In Panik z.B. stürzt er die Nymphen, die er mit seinem Begehren erschreckt/ überrascht. Heimsuchung
- Pan“ hat auch die Bedeutung von „allumfassend“: alles, das gesamte Universum umfassend. Jede Begrenzung und Einschränkung ist ihm zuwider. Er will nicht weniger als alles.
Jeder einzelne dieser Aspekte ist Dir vermutlich mehr oder weniger vertraut.
Das besondere an Pan ist, daß Ideen so extrem verschiedener Art in einem Wesen koordiniert / verwoben sind. Griechische Götter in Tiergestalt 2 gab es viele, in ägyptischen Pantheon sogar fast ausschließlich. Aber das triebgesteuerte Tier schlechthin und zugleich „Alles“ - das ist eine Spannweite, die zumindest interessant ist. So ist mit dieser - komplexen - Idee des Pan die Frage nach dem Animalischen, Triebhaften des Menschen von altersher archetypisch gestellt.
Den Spannung erzeugenden Widerspruch sehe ich zwischen:
- dem blinden Impuls, unbedingten sexuellen Begehren; Er ist der Primat, der seine Bedürfnisse, Triebe, Leidenschaften sofort befriedigt haben will und alle Begrenzungen, die ihn daran hindern, zu zerstören versucht. Die Wirkung auf andere mag erschreckend sein. Und so ist Pan bekannt als ein Einzelgänger. 3
- Den Willen zu ekstatischer Vereinigung mit „Allem“; das göttliche, nicht mehr menschlich beschränkte, sondern androgyne Wesen, das zu ekstatischer Vereinigung mit „Allem“ fähig ist, das Wesen, zu dem auch Menschen in der Astralwelt werden. Alles andere als ein Einzelgänger - vielmehr ein höchst kommunikatives Wesen.
Das Gemeinsame ist unübersehbar: ungebremster Antrieb zu Vereinigung und damit die Auflösung von Grenzen.
Die Differenz aber liegt ebenso klar auf der Hand. Und deshalb halte ich es für wichtig, a) und b) genau zu unterscheiden, statt zu vermischen. Der göttliche Impuls/ Willen ist zwar - verschleiert - im blinden Trieb enthalten.
Aber: In Materie, Besitz, Territorium, Zeit verhaftet (XV unterhalb des Schleiers des Paroketh) kannst Du es knicken, einen göttlich- allumfassenden Impuls zu realisieren. Was bleibt, ist ein blinder Antrieb, der etwas (Alles) unbedingt will, das er hier auf der Erde - materiell - nicht erreichen kann.
Faktisch also wirken unsere - Antriebe, Begehren erstmal als Automatismen, die uns hier - mit der Tendenz zu Süchten zu werden - binden, statt uns zu zeigen, wie wir uns von dieser Bindung und Beschränkung lösen können. Weil: Sie wirken blind (richtungslos, erschreckend kurzfristig) und dadurch selbstzerstörerisch.
Deshalb meine oben schon gestellte Frage, zu deren Beantwortung ich erstmal nur einige wenige Anhaltspunkte formulieren will: Wie lerne ich die vielen verschiedenen Ideen, die mich ausmachen, verstehen?
Um die Ideen, denen ich folge, zu verstehen - klar, muß ich sie erstmal möglichst genau und differenziert kennen. Beobachten. Kennenlernen. Experimentieren. Denn, wie gesagt, es sind meine. Sie haben Ähnlichkeiten mit denen anderer Wesen, aber in dieser Struktur sind sie nur für mich charakteristisch. Diese Struktur kann ich erforschen, und ich kann lernen, sie umzuordnen, zu verstärken, weiter zu differenzieren und zu verfeinern. 4
Und eben diese Fähigkeit, die eigene Antriebsstruktur zu beobachten und zu gestalten, ist es, was uns Menschen von den anderen Tieren unterscheidet. Und von Wille können wir vielleicht dann sprechen, wenn Triebe, Begehren oder allgemeiner Antriebe - auf der Basis dieser von Menchen entwickelten Fähigkeit, reflexiv geworden ist, d.h. wenn der Antrieb (vielleicht sogar leidenschaftliches Begehren) entwickelt ist, die eigenen Antriebe zu beobachten und selbst zu gestalten.
Tiere können und wollen das (noch) nicht und sind insofern Gefangene ihrer eigenen Triebstruktur. Menschen sind das zwar faktisch zumeist auch. Aber das ist, anders als bei Tieren, ihre eigene Entscheidung. 5. Sie könnten auch anders.
Den Unterschied zwischen Pan und Pan und inwiefern der reflexionsfähige Mensch eine Brücke des kleinen zum großen Pan ist, hab ich damit erstmal umrissen. Vielleicht können wir in der nächsten Fassung dieses Artikels anschaulicher darstellen, wie dieses Umordnen, Differenzieren, Verfeinern und - nicht zu vergessen - Deuten/ Übersetzen der eigenen Antriebsstruktur zu bewerkstelligen ist.
Zwei Beispiele noch als Anregung:
- Essen, Trinken oder auch Sex. Ohne Frage: Kann ich nicht einfach weglassen. Es sind existentielle Bedürfnisse, deren Dringlichkeit ich täglich mehr oder weniger gegenwärtig habe. Ich muß sie befriedigen. Und zugleich kann ich sie, wenn ich sie verstehen will, verfeinern - mit dem Ziel, ihre Essenz herauszufinden. Immer mit der Frage suchend: Wozu außer zur Ernährung oder Fortpflanzung meines biologischen Körpers tue ich das? Da heißt es einfach immer genauer und aufmerksamer beobachten lernen.
- Sucht, abhängig sein von Außenreizen. Wie geschickt und erfinderisch Menschen sind, wenn es darum geht, den begehrten Außenreiz zu ergattern, weiß man. Süchte sind, so meine Hypothese, der du natürlich widersprechen kannst, immer Ersatz von, aber damit auch ein Indiz für ein anderes „Bedürfnis“, das dem Süchtigen entweder unerfüllbar oder sogar gänzlich ungreifbar (namenslos) erscheint. Ersatz für ein „Bedürfnis“, für dessen Befriedigung eine ähnlich geschickte und erfinderische Strategie erforderlich wäre. Nur übersetzen musst du es erstmal.
Fußnoten:
1. Pan - Brainstorm: Wildnis, Chaos, Schreck, Panik, ungezügelte Leidenschaft? Pantheismus, Tiergott, Bocksgestalt, Teufel, allumfassend, Die Hymne an Pan, Der Tarottrumpf XV, Panflöte, Alles, Ekstase, wilde Bocksprünge, Bachantinnen, über Grenzen springen, Sex, gemeinsames Tanzen, Templer, Baphomet, Verehrung des Bockshörnigen, behend, Risiko, immer höher steigen, sehr schnell sein, Bock von Mendes, Sodomie, ohne Angst zu haben, Peter Pan, Panikorchester von Udo Lindenberg, Pan-America
Pan = Zahlwert 130 = Element, Ginseng, Heimsuchung, Illuminat, Kali, Kehle, Keule, Labor, lächeln, Launen, Limes, Loki, Lücke, Mammon, Mief, Pein, Segnung, Tätigkeit, umleiten
2. Minotaurus, Dionysos, Priapos, Satyrn, Sphinx, Cheiron, Zeus als Tier (Schwan)
3. Die Überlieferung nennt Hermes als Vater des Pan. Beide stammen sie vom selben Ort in Arkadien: die Kyllene, mit 2374 m der höchste Gipfel einer Bergkette, ist beider Geburtsstätte.
Erst die homerische Dichtung kennt Hermes als den Gott der Wege, des Augenblicks, der List und des Truges. Dichtung und Kunst haben die phallischen Seiten dieses Gottes ganz zurücktreten lassen und sich an den Gott der Wege gehalten.
Pan, sein Sohn, hingegen, hat seine Gestalt und Züge behalten, er bleib bocksköpfig, bocksbeinig und behaart. Es sind die Züge der Tiere, die er beschützt. Immer allein durch die Wildnis streifend bleibt er ein phallischer Gott, der die Nymphen des Mittags in panischen Schrecken versetzt mit seiner Lüsternheit.
4. aber nicht völlig zerstören um dann eine „ideale“ an die leere Stelle zu setzten.
5. Zumeißt nutzten sie diese ihre Fähigkeit primär erstmal nur dazu, ihr Gefängnis zu vergolden und noch viel sicherer zu machen.

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