Interview mit Voenix
Weltenesche – Eschenwelten
(Interview leicht gekürzt); von Steffen Siegert (STS)
Dieses Interview entsprang der Beschäftigung mit Voenix´ Buch „Weltenesche-Eschenwelten“, das wir hier ebenso wie den Autor und Künstler selbst etwas vorstellen wollen. So findet ihr hier neben der „Weltenesche Yggdrasil“ und einer Kurzbeschreibung der neun Welten, einem Auszug aus dem Walküren-Abschnitt des Buches. Weiterhin ausgewählte Legesysteme. Im Interview geht es natürlich um Biographisches, außerdem sprechen wir über das Gottesbild von Voenix. Zusätzlich könnt ihr auch aus einem Leserbrief von Iris Siewert – einem Voenix-Fan, der mit dem zum Buch passenden Kartendeck arbeitet, lesen.
STS: Voenix, das Cover dieser AHA-Ausgabe zieren Deine Walküren. Mit Deinem Werk „Weltenesche-Eschenwelten“ bietest Du den Lesern einen ausführlichen Einblick in den mythischen Götterpantheon unserer Vorfahren. Wer sich für die germanischen Götter interessiert, kann dort nicht nur zahlreiche Zuordnungen wie Bäume, Pflanzen, Götter anderer Kulturen, Entsprechungen von Runen, Tarot oder Astrologie finden, sondern ebenso zu jeder Gottheit ganzseitige s/w-Illustrationen aus Deiner Hand, außerdem neun verschiedene Legesysteme, ein wunderbares mythologisches Sachregister u.v.a.m. Nun ist die „Weltenesche“ einige Monate auf dem Markt. Wie läuft´s? Sind Dir Deine Walküren, Deine Schicksalsgöttinnen des Glückes hold?
Voenix: Für dieses, auf den ersten Blick, doch recht unspektakuläre Thema, ist die Resonanz ganz zufriedenstellend. Obwohl das Buch in seiner aufwendigen Aufmachung (Goldprägedruck, farbiges Poster auf der Umschlaginnenseite...) nicht gerade in der unteren Preisklasse anzusiedeln ist, scheint diese Entscheidung die richtige gewesen zu sein. Der Eso-Markt erlebt diese Jahre ja eine ganze Schwemme an extrem preiswerten Publikationen, weshalb sich etwas teurere Bücher kleinerer Verlage immer schwerer tun. Aber alles in allem bin ich sehr froh, daß dieses Werk auf diese Weise erscheinen durfte, denn was gibt es schlimmeres als ein Buch, aus dem dir nach relativ kurzer Zeit die Seiten entgegenfallen, weil es einfach schlecht gebunden ist. Wenn es weiter so läuft, können wir im Herbst eine zweite Auflage starten, das Gleiche gilt für die dazugehörigen Orakelkarten.
STS: Germanische Götter – laß uns über Dein Götterbild sprechen. Verstehe ich Dich richtig, Du meinst, Götter sind „Energiemuster“ auf der Basis der kosmischen Energie, die durch gebündelte, zielgerichtete Vorstellungskraft von Menschen „aufgeladen“ werden. Durch dieses „Aufladen“ erfahren diese Energiemuster eine größere energetische Ausdehnung. Dadurch wird es möglich, daß sie sich im (Unter)-Bewußtsein einzelner Menschen oder ganzer Völker verdichten und manifestieren?
Voenix: Hast du schön zitiert. Natürlich mag mancher mit dieser Erklärung nicht ganz einverstanden sein oder eine völlig andere bevorzugen, doch lege ich im Vorwort ja größten Wert darauf, daß alles in diesem Buch Zusammengetragene und Aufgeführte keinen Anspruch auf Absolutheit erhebt, sondern vielmehr dem Versuch dient, Vergangenes und heute nur noch schwer Vorstellbares greifbarer und nachvollziehbarer werden zu lassen. Somit auch den Impuls liefern möchte, sich zu diesen Thematiken eigene Gedanken zu machen und diesen nachzugehen.
STS: Im Vorwort schreibst Du: „Natürlich wäre es naiv und geradezu lächerlich zu meinen, das Wesen ehemaliger Gottheiten und deren Energien ( wie wir ihnen z.B. in Thor, Tyr, Freyr oder den Berserkern begegnen) nachvollziehen zu können.“ An anderer Stelle (Klappentext) heißt es, daß die alten Götter nicht mehr als ausgelagerte übermächtige Wesen, „sondern als zeitlose Archetypen, deren Wirken wir im Alltag in mannigfaltiger Erscheinungsform wahrnehmen und ebenso in uns selbst beobachten können“ anerkannt werden sollten. Ich störe mich an dem Begriff „zeitloser Archetyp“. Das klingt nach einem Pool von Göttlichem, das unwandelbar ist. Damit ließe sich höchstens das im Göttlichen angelegte Potential mindern oder stärken, aber gänzlich neue Götter kann es demnach nicht geben? Die Archetypen-Götter sind immer da, aber schon tot, weil vielleicht quantitativ modifizierbar, aber qualitativ nicht wandelbar.
Voenix: Auf das Vorwort bezogen, meine ich in erster Linie die Begrenztheit des geschriebenen Wortes oder auch malerisch erzeugter Bilder, die stets nur ein Erahnen, also einen schwachen Abglanz der damaligen Zeit vermitteln können. Dort waren diese Energien ein fester Bestandteil kultischer Verehrung oder fanden sich im alltäglichen Überlebenskampf mit den Kräften der Natur, deren mitleidslose Gefahren wir in unserer heutigen Gesellschaft nur noch selten ernsthaft ausgesetzt sind.
Wenn ich den Begriff „zeitloser Archetyp“ verwende, beziehe ich mich vor allem auf die Grundeigenschaften einer Gottheit, wie sie sich bspw. seit vielen tausend Jahren die Astrologie bedient. Natürlich sind diese Qualitäten, so wie alles, wandelbar. Nur dürfen wir nicht vergessen, daß die Glaubensvorstellung unserer Kultur durch das, oftmals sehr militante, Christentum einen recht radikalen Umbruch erfuhr. Götter und Naturgeister galten plötzlich als teuflisch und ihre Verehrung als Gotteslästerlich. Hierdurch erfuhren viele dieser Kräfte, die aus einer kollektiven Vorstellung jahrtausendalter Traditionen hervorgegeangen waren, eine völlige Umpolung.
Eine „natürliche Entwicklung oder Wandlung“ war somit nicht möglich. In ländlichen Gebieten läßt sich gelegentlich noch eine solche Vermischung von alten Traditionen mit christlichem „Aberglauben“ antreffen.
Aber warum sollte es heute keine neuen Götter mehr geben? Ich glaube, wir haben in den letzten Jahren mehr davon erschaffen als wir erahnen, nur wäre vielleicht die Bezeichnung „Götzen“ etwas angebrachter. Heute würde eine Gestalt wie Thor eben im Gelände-Rover oder Panzer durch die Gegend brettern.
„Ich bekam diese Karten zu einem Zeitpunkt, als es mir alles andere als gut ging. Ich wußte, daß ich mich noch in diesem Jahr von meinem bisherigen Leben verabschieden mußte (durfte? konnte?) und hatte nicht die geringste Ahnung, was dann kommen sollte. Was kam, waren erst einmal diese 81 Karten und die erste , die ich zog, war Nr. 80: die
„RAGNARÖK“
, jenes Ereignis, das von der Schicksalsbesiegelung des germanischen Göttergeschlechtes berichtet. Der „Untergang“- das bedeutete für mich, das Ende meiner Arbeit als Seminar- und Kursleiterin, wieder mal einen Umzug, die Trennung von Klienten, Freunden und Bekannten und zumindest einem Großteil meiner Habseligkeiten.“ (Zitat: Iris Siewert)
STS
: Kannst du den Lesern der AHA bitte darlegen, wozu wir heute Götter brauchen. Ich sehe bei Dir eher einen psychologischen Ansatz – sie sollen behilflich sein unsere Projektionen des Bösen, die auf wilden, animalischen, archaischen Kräften beruhen, aufzugeben. Das ist dann also kein Götterbild, das neue Äonen schafft, aber natürlich unterstützend wirken kann. Liege ich da richtig?
Voenix
: Korrekt. Persönlich begreife ich die nordischen Götter als bildhafte Ausformungen vorhandener menschlicher Grundeigenschaften, die ins Übernatürliche gesteigert wurden. Möchte ich eine solche Kraft leibhaftig erfahren, bietet das Buch einige nützliche Hinweise, wie und wo diese Energien entdeckt oder in sich selbst gefunden und hervorgebracht werden können. Somit können einzelne Göttergestalten mit ihren einst vollbrachten Taten und Eigenschaften wieder zu wertvollen seelischen Vorbildern avancieren, was sie seit vielen Jahrhunderten ja ohnehin schon tun.
STS
: Schließt Du Dich denn den Vermutungen an, „daß die nordischen Götter selbst einst Menschen waren, die über besondere Fähigkeiten verfügten.“? Ich will Dir auch sagen, wie ich zu der Frage komme: In Deiner Einleitung fand ich folgendes Zitat: „Durch das unverwechselbare Ausformen einer eigenen Identität sind in diesen Zeiten mehr Menschen denn je dazu in der Lage, Kraft ihrer eigenen Fähigkeiten etwas völlig Neues und Ursprüngliches zu schöpfen, das bis dahin noch nicht existiert hat. Das Prägen und Bestimmen neuer Erkenntnisse, Werte und Definitionen, beinhaltet jedoch auf eine gewisse Weise, selbst zum Archetypen zu werden...“ Das klingt doch sehr nach der thelemischen Position: „homo est deus“J!?
Voenix
: Sicherlich. Das setzt natürlich voraus, daß wir bereit sind, außer uns selbst, auch unsere Vorstellungen vom
„Götterglauben“
entsprechend zu verwandeln. Bestimmt kann es nicht schaden, wenn wir uns dabei zunächst mit diesen alten, inneren Archetypen auseinandersetzen, und zwar bevor wir durch die Welt rennen und verkünden, daß Gott und Mensch ein und das selbe sind.
Auf deine erste Frage bezogen gibt es eine ganze Reihe von möglichen Antworten. Erst kürzlich schickte mir Zoltan Szabo, ein Autor mehrerer Runenbücher, ein paar Auszüge seines letzten Werkes, in denen er versucht aufzuzeigen, daß die nordischen Götter einst in Raumschiffen die Erde besuchten und dort verschiedenen Experimente mit den Erdbewohnern machten, die unsere jetzige Rasse hervorbrachten. Kein allzu abwegiger Gedanke, der sich ja schon in vielen anderen Kulturen findet. Eine andere Theorie, die ich ebenfalls mit Interesse verfolge, ist die vom ausgehöhlten inneren Kern der Erde, wo sich in goldenen Städten noch immer bis zu vier Meter großen Menschen aufhalten sollen, die unser Treiben hier oben beobachten. Nach den Aussagen zweier norwegischer Fischer und eines amerikanischen Luftwaffenoffiziers, die sich unabhängig voneinander einst dorthin verirrt haben sollen, gleichen diese Bewohner in einigen Beschreibungen den Asen-Göttern, wie wir sie aus der Edda kennen.
„Kraft und Hilfe fand ich stets bei THOR. Das war schon immer so, weshalb er seinen Weg zu mir nicht erst durch eine Karte finden mußte. Ganz anders sah es da mit LOKI aus. Mit ihm hatte ich mich nie sonderlich beschäftigt. Und nun grinste er mir plötzlich entgegen und lud mich zu einer Auseinandersetzung mit meinem Widersacher ein.
LOKI, mein Schatten – der kam mir gerade recht. Gleich als ich die Karte zum ersten Mal in der Hand hielt, kam mir der Bursche irgendwie sehr bekannt vor (Hey Yo! Wrestling-Fans wissen wen ich meine). Es fiel mir gar nicht schwer, ihn bei mir willkommen zu heißen, mich mit ihm an einen Tisch zu setzten und einige Dinge zu klären. Irgendwie mochte ich den Kerl von Anfang an (ich gebe zu, ich hatte schon immer eine Schwäche für die „bösen Jungs“) und mit Thor und seinem Hammer hinter mir, gab es keinen Grund, mich nicht sicher zu fühlen. Ich war wild entschlossen, ihn zu einer Zusammenarbeit mit mir zu bewegen.“
(Zitat: Iris Siewert)
STS: O.K., nun zum Künstler Voenix: 81 Orakelbilder finden sich, mit Yggdrasill 82 Bilder, allesamt s/w. Hat es weh getan, daß der Verlag das nicht in Farbe rausbringen konnte?
Voenix: Nein, in der Hinsicht habe ich den Verlag fast bremsen müssen. Ich bin inzwischen lange genug dabei, um zu wissen, was der farbige Druck eines solchen Buches kosten würde, dessen Preis dann irgendwo an der achtzig oder neunzig Mark-Grenze gelegen hätte. In ein paar Jahren mag die Technik so ausgereift sein, daß so etwas erschwinglich wird, bis dahin muß sich der Interessierte eben mit den farbigen Orakelkarten vertrösten. Bin aber am Nachdenken, ob ich nicht ein paar der Bilder als Poster auflegen lassen soll.
STS: Dir begegnen ja immer mal wieder Vorhaltungen – Comics seien Ausdruck flacher, trivialer Kunst. Wie stehst Du dazu?
Voenix: Dazu habe ich mich ja schon vor einigen Monaten im Interview zu „Dantes Inferno“ geäußert. Es wird ein harter Weg sein, die Leute davon zu überzeugen ihr altes Klischee, Comics bestehen nur aus Micky Maus und sind nur was für Kinder, loszulassen.
Glücklicherweise tut sich da schon einiges. Auf der Frankfurter Buchmesse wurden und werden noch die nächsten Jahre einige Anstrengungen unternommen, um dem Medium Comic die entsprechende Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen. Das tut meiner Meinung nach dringend Not, denn kaum einer kann nachvollziehen, wieviel ausdauernde und liebevolle Arbeit in vielen dieser Werken steckt.
„Mein Verhältnis zu ODIN (Karte 1) war wesentlich komplizierter. Nun wurde ich mit ihm in seiner Gestalt als GRIMNIR (Karte 31) konfrontiert. Der maskierte Wanderer, der die Herzen der Menschen prüft, so trat er mir entgegen. Was blieb mir übrig, als mich ganz zu öffnen und mich dieser Prüfung zu stellen? Inzwischen war ich ohnehin schon zu (fast) allem bereit. Selbst wenn ich die Prüfung nicht in allen Punkten bestehen sollte, bin ich doch ganz zuversichtlich. Immerhin steht mir da noch BRÜNHILD, die Starke (Karte 56) zur Seite. Wie hat es ein Freund so nett ausgedrückt? – ich stürze mich mit Feuereifer ins Ungewisse! Ja, dafür bin ich eben Widder und nicht nur herzlich mit Thor verbunden, sondern auch mit den BERSERKERN (Karte 41).
Es gibt Momente im Leben, da hilft nur noch eins: Augen zu und durch! Die rechte Wut zur rechten Zeit kann durchaus hilfreich sein, besonders, wenn man sich mal wieder selbst im Wege steht. Und wenn’s kein anderer tut, muß man sich eben hin und wieder selbst das (Bären-)Fell über die Ohren ziehen. Mittlerweile bin ich darin ganz gut.“
(Zitat: Iris Siewert)
STS: Du hast davon gesprochen, daß Dir die meisten der Bilder vom Unterbewußten „wie von selbst nach oben“ zugespielt wurden. Was passiert dann in Dir? Klebst du dann am Arbeitsplatz, vergißt Du zu essen, erfährst Du dann abgefahrene Extasephänomene?
Voenix: : Klar, mir jagen dabei endlose orgiastische Schübe durch die Gehirnsynapsen! Schön wär’s. Nein, mal im Ernst, das Meiste davon entsteht in langwieriger Arbeit. Allerdings ist der Malprozess als solches natürlich sehr meditativ. Es gibt Bilder, in denen macht man die verschiedensten Gefühlsstadien durch. So kann es schon mal vorkommen, daß ich auf halbem Wege alles hinschmeißen möchte, weil das, was unter meinen Händen entsteht, nicht mit dem übereinstimmt, was ich mir anfänglich vorgestellt habe.
Während des künstlerischen Schaffensprozesses wird man in der Regel völlig absorbiert, weshalb die Reflexion zu den eigenen Werken eigentlich erst im Nachhinein stattfinden kann. Da ich aber als Autor und Maler den Anspruch besitze, intuitives, angelesenes und erlebtes Wissen mit kreativem und technischem Können zu einem komplexen Ganzen zu verbinden, werden Bilder, die heute vor meinem geistigen Auge entstehen, natürlich gerne noch mit entsprechenden Farben, Symbolen oder Ähnlichem angereichert, je nachdem, was ich ausdrücken möchte. Und zur „Entstehung“ der Motive kann ich nur antworten, daß oft schon das Lesen von ein paar Zeilen der Edda ausreichten, um eine erste Skizze entstehen zu lassen. Das würde ich jetzt einfach mal meiner, aus der Kindheit mit hinüber geretteten, Phantasiegabe zusprechen.
STS: Du hast Dich musikalisch zum großen Teil aus Kompositionen von Wagner, Vangelis, und Künstlern wie „Garmana“, „Loreena Mc Kennitt“ oder „Dead can Dance“ inspirieren lassen. Was läuft dabei ab?
Voenix: Es gibt Musik, die einem die Seele berührt. Das ist es, wonach der wahrhaftige Künstler strebt und streben sollte. Bei der Malerei bist du natürlich auf wesentlich weniger Komponenten beschränkt, wie bspw. ein Filmemacher, der sich ja zahlreicher „magischer Eindrücke“ bedienen kann. Ich habe für mich schon relativ früh erkannt, das Musik ein wesentlicher Faktor ist, um mich in entsprechende Schöpfungszustände zu bringen. Die oben aufgeführten Künstler verhalfen mir eben einen leichteren Zugang zu den nordischen Göttern zu finden. Nicht, daß das von so großer Bedeutung wäre, aber manchem wird diese Tatsache möglicherweise interessieren.
STS: Im Buch hast Du auf das Thema germanische Götter - Assoziation mit nationalsozialistischen Gedankengut, hingewiesen. War das auch ein Grund für die Schwierigkeiten, den geeigneten Verlag zu finden?
Voenix: Kann ich so nicht eindeutig beantworten, da dich Verlage bei Absagen in der Regel mit den üblichen kurzen Phrasen abfertigen. Dennoch ist es kein Geheimnis, daß sich gerade die rechte Szene mit unserem mythologischem Erbe genauer auseinandersetzt. Darin liegt ja auch nicht das Problem, sondern vielmehr darin, daß altes Gedankengut idealisiert und als „verdeutschte Werte“ auf die Fahne geschrieben wird. Hierdurch wird unsere Mythologie, die wir ja auch mit den Skandinaviern teilen, gerne in eine bestimmte Ecke gedrängt.
Gerade auf der letzten Buchmesse hatte ich ein solches Erlebnis, als ein Fernsehsender, ohne sich mir vorzustellen, einfach drauflos filmte. Ich stand freundlich Rede und Antwort, in der Überzeugung, etwas Werbung und Aufmerksamkeit für meine Produkte und den Verlag zu bekommen, bis mir jemand zusteckte, daß dieses Kamerateam vor einiger Zeit erst eine Reportage mit dem sinnigen Titel „Die Esoterik als Brutstätte des Faschismus“ abgedreht hätte. Ich schwäbisches Oberlandei fiel natürlich aus allen Wolken, blieb zwar weiterhin freundlich, wies die Journalisten aber mit Nachdruck darauf hin, daß ich eine solche Vorgehensweise mehr als beschämend fände.
STS: Am Ende des Vorwortes schreibst Du, daß sich eine völlig neue Epoche ankündigt und daß Du mit Deinem Werk die Aufgabe verbunden siehst, „die seelischen Inhalte und Bilder einer vergangenen Epoche in einem neuen Gesicht in ein weiteres Zeitalter hinüber zu geleiten“. Was zeichnet diese neue Epoche für Dich aus?
Voenix: An dieser Stelle den bestehenden Prognosen über unsere gebeutelte Umwelt noch welche hinzuzufügen, erachte ich als müßig. Meine Hoffnungen beschränken sich darauf, daß die entstehende globale Vernetzung dazu beitragen wird, daß sich ein dringend benötigtes neues Bewußtsein in den Köpfen der Menschen schneller verbreitet oder wie auch immer verdichtet. Das Wiederauferstehen einiger Grundwerte, die irgendwo in der Tiefe unseres Herzens wurzeln, mag hoffentlich dazu beitragen, daß wir die nächsten tausend Jahre nicht dazu benutzen, unsere Masken und Schutzpanzer weiter auszubauen, sondern aufrichtig an deren Demontage arbeiten.
STS: Tja, nun sind wir schon am Ende angelangt. Voenix, ich danke Dir herzlich für dieses Gespräch. Was treibst Du denn im Moment? Womit wirst Du Deine Fans in nächster Zeit beglücken?
Voenix: Wenn dieses Interview erscheint, bin ich möglicherweise schon an der Umsetzung des fünften Bandes von Akrons „Dantes Inferno“, der Krebs-Hölle. Parallel dazu bearbeite ich die Scanns der vorigen Comics und im Herbst wird ein Buch mit dem Titel „Die Fahrten des Thor“ erscheinen, Erzählungen im ähnlichen Stil wie bei meiner letzten Erzählung „Auf Wotans Pfaden“. Tja, und ihr wollt ja schließlich auch noch mit Bildern versorgt werden, gelle?
Aber zum Glück lautet mein Moto: Nicht kleckern sondern klotzen! Allerdings ist mein innerer Arbeitsdämon bei allem Eifer stets darauf bedacht auf Qualität, statt auf Quantität zu setzen.
STS: Ein Wort zum Register .
Voenix: Dem Arun-Verlag möchte ich hier herzlichen Dank sagen für das Gesamtwerk. Ein richtiges Highlight ist das 1212 Begriffe umfassende Wörterverzeichnis. Wer Namen eddischer Gottheiten, Riesen oder Zwerge etc. sucht, wird sie hier finden. Professionell – alle Namen, die im Buch über ein eigenes Kapitel verfügen, sind kursiv gehalten!
Voenix: Weltenesche-Eschenwelten: das germanische Götterorakel und Nachschlagewerk/Voenix. – Engerda: Arun, 1999, S. 456, ISBN 3-927940-54-2
www.voenix.de
Voenix / Biographie:
1968 - geboren in Ludwigsburg.
Kindheit und Jugend - Kaum, daß er einen Stift in den Fingern halten kann, beginnt er damit draufloszuzeichnen. Von anfänglichen Strichmännchen entwickeln sich die ersten Comics, die schon damals unverkennbare mythische Züge tragen. Die Schule (Realschulabschluß) und Begegnungen mit dortigen Autoritäten werden zur Tortur, dafür um so größerer Eifer bei der illustrativen Gestaltung von Schülerzeitungen und im Bereich Sport.
1985 - Meldet er sich in einem Fitnesstudio an und beginnt begeistert mit Body-building, was er bis zum heutigen Tage beibehält.
1986-87 - Lehre als Offsetdrucker, die aber nach 7 Monaten wieder abgebrochen wird.
1987-90 - Ausbildung zum Schilder – und Lichtreklamehersteller in einem Kleinbetrieb, den er sofort nach Erhalt des Gesellenbriefes aus mehreren Gründen (vorwiegend autoritärer Natur) verläßt.
1990 -96 - Auf der Buchmesse erscheint „Magie der Runen“. Ein paar Monate später Begegnung mit Akron, der sich 2 Wochen vorher durch einen Traum ankündigt. Nach erster Zusammenarbeit werden im Urania-Verlag Gegenstimmen lauter, als Akron Voenix‘ erste Illustrationen zu „Dantes Inferno“ präsentiert.
1998- Umzug in die Nähe von Köln. In nur zwei Monaten setzt er ein von Akron geschriebenes Theaterstück („Der Traum des Magiers“), als Comic um, woraus die Idee geboren wird, den „Dante“ als s/w Comic zu zeichnen.
1999- Die lange Suche nach einem geeigneten Verlag für sein Götterbuch führt ihn schließlich zum Arun-Verlag, der im Herbst 1999 die „Weltenesche“ auf den Markt bringt.
2000- Im Frühjahr erscheint „Das germanische Götterorakel“ und ein Jahreskreisposter. Nach langwierigem Ringen mit EDIS, die sich anfänglich anboten den „Dante“ zu publizieren, unterzeichnen Akron und Voenix schließlich mit Arun einen Vertrag über das Buch und die mehrbändige Comicreihe. Im Herbst erscheint sein drittes Buch „Auf Wotans Pfaden“, eine Sammlung von neun Kurzgeschichten über den wandernden Göttervater der Germanen.



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