Von Lotrimar

Im ersten Teil des Artikels hat Lotrimar eine Kriterien-Checkliste für den "Hexen-Dschungel" erstellt. Motto: Triff in´s Schwarze :) und lass die Irrlichter am Wegesrand flackern! Sechs Punkte wurden bisher aufgeführt. Hier folgt nun Nummer Sieben und im Anschluss daran geht´s weiter mit Aussagen zu Dionysos und Lotrimar´s unverkrampften Statements zu Verklemmtheiten der "esoteric white light Fluffbunnies", der "esoterischen weißen Licht Flauschehäschen"!

Vorweggenommen sei, dass der im AHA-Workshop (auf newaeon.de) online befindliche Teil I von "Hexen oder nicht Hexen" auf heftigen Widerspruch stieß.

7. Echte Hexen sind "Witches by heart"

das heißt, sie leben ihr Hexe-Sein konsequent, ohne jedoch immer und unbedingt an die große Glocke zu hängen, was sie sind. Hexen haben ein gesundes Verhältnis zum Körper und zur Sinnlichkeit. Bis zur Unkenntlichkeit zugeschminkte aufgebrezelte Leute, die sich als Hexen bezeichnen, sind höchst wahrscheinlich keine, und das Badezimmer einer Hexe sieht auch nicht aus wie ein Ersatzteillager. "Hexen", die sich schämen, bei Skycladritualen (Nacktheit bei Ritualen) mit zu machen oder bei einem Ausflug an einen See nackt zu baden, sind Möchtegerns, denn sie sind zu feige, zu ihrem Körper zu stehen und haben immer noch die monotheistische Prüderie verinnerlicht. Da ist auch eine Traumatisierung keine Ausrede, denn Schattenarbeit kann dies bewältigen.

Dionysische Matrix

Da Trance, Tanz, Magie, Ekstase, Selbsterkenntnis, Lust und exzessive Lebensfreude wesentliche Elemente des Hexischen a priori darstellen, kann man sie als dionysische Religion bezeichnen. Daher muss die Beurteilung einer Person als Hexe oder Nichthexe unter dem Kriterium des Dionysischen erfolgen, um a posteriori (im nachhinein) zu einer Schlussfolgerung zu kommen. Es geht um die Handlung, also das Sein, denn dieses leitet sich aus den Handlungen her.

Das Sein eines Menschen ergibt sich aus seinen Handlungen. Zuerst existiert er, sobald er aber zu handeln beginnt, wird er. Das heißt, dass wir mit jeder Handlung an uns schaffen, erschaffen. Auch das Denken ist bereits Handlung und Vorbedingung zu weiterem Handeln. Wie der Mensch also denkt, redet und handelt, so IST er, denn das Sein ist die Summe seines Handelns (nicht nur, aber auch, um jetzt nicht zu sehr ins Existentialphilosophische abzuschweifen). Redet, denkt und handelt eine Person also dionysisch, so sind Vorbedingungen zum Hexentum gegeben, das joie vivre ist vorhanden, die Leichtigkeit des Seins. Geschieht dies alles im Kontext des hexischen religiösen Modells, das bestimmte Faktoren einschließt, aber bestimmte Dinge auch ausschließt, so kann man von einer Hexe sprechen.

Was aber, wenn die Bedingungen nur teilweise oder nicht erfüllt werden, oder das Dionysische fehlt? Betrachten wir der Vollständigkeit halber die Legende um Dionysos. Sein Name bedeutet "Der zweimal Geborene", was schon ein Hinweis auf den Tod und die Wiedergeburt ist, schamanische Elemente also. Zeus verführte in Menschengestalt Semele, eine Königstochter, welche dadurch schwanger wurde. Diese begehrte Zeus in seiner wahren Gestalt zu sehen und verbrannte. Zeus nähte den Fötus des Dionysos in seinem Bein ein und trug ihn aus, brachte ihn zu einigen Priesterinnen, welche ihn aufzogen. Anderen Überlieferungen zufolge wurde er von einer Ziege aufgezogen.

Damit die eifersüchtige Hera nichts davon mitbekam, wurde Dionysos als Mädchen verkleidet. Später zog er mit einem ganzen Heer an Anhängern von Kleinasien nach Griechenland, wobei seine Verehrer einen schrecklichen Lärm mit Instrumenten verursachten. Zu seinem Gefolge gehörten Menschen beiderlei Geschlechts, aber auch Satyrn, und selbst Pan soll manchmal zugegen gewesen sein. Dionysos führte der Legende zufolge den Wein in Griechenland ein. Viele derjenigen, die ihm begegneten, wurden wahnsinnig. Es wird berichtet, dass seine Anhängerinnen, die Mänaden, manchmal Vieh mit bloßen Händen zerrissen und aßen. Auch Orpheus wurde von den Mänaden zerfetzt.

Es gibt noch andere, widersprüchliche Überlieferungen zum Thema Dionysos. Die Legenden wimmeln von magischen, schamanischen und tiefenpsychologischen Anspielungen. Hinzu kommt, dass wohl tatsächlich eine Zeit der Kult des Dionysos viele Anhänger, besonders weibliche fand. Seine Tiere waren Panther oder Löwen, welche seinen Wagen zogen, Bienen und seine Pflanzen waren Korn und Wein, aber auch Efeu. Als Mysterium des Dionysos galt auch ein Weidenkorb, welcher einen phallusartigen Gegenstand enthielt.

Der eigentliche Ursprung des Kultes ist unbekannt. Er war in seinem Wesen weitaus archaischer als die etablierten Tempelkulte im antiken Hellas. Die kleinasiatische Herkunft kann von einem unbekannten Volksstamm oder einer dort entstandenen Sekte herrühren. Semele war als Semelo eine kleinasiatische Mondgöttin, die dann als Königstochter von den Griechen nostrifiziert und assimiliert wurde. Dionysos war also ein Sohn der Göttin, damit auch nach hexischem Verständnis ihr Geliebter. Später holte er die von Theseus verlassene Ariadne von der Insel Naxos und vermählte sich mit ihr.

Die Symbole Korn und Wein sind nicht nur Brot und Wein, sie enthalten auch die vier mystischen Elemente. Ferner sind Ekstase und wilde Musik zu nennen, die für einen ekstatischen Kult stehen. Dionysos ist nicht nur der pausbackige freundliche Herr, der uns von den Werbeplakaten griechischer Restaurants anblickt, er ist auch ein dunkler Gott, was ihn wiederum mit der Erde in Beziehung bringt. Er wird in manchen Überlieferungen mit Hades in Verbindung gebracht, dem Gott des Tartaros, der Unterwelt. Beziehungen zur Unterwelt zeigen aber auch das Schamanische an und deuten auf den Ritus von Tod und Wiedergeburt hin. Die "orgias", die religiösen Zusammenkünfte der Anhänger der eleusinischen Mysterien, waren wild und ausschweifend.

Der Phallus im Mittelpunkt eines Kultes, der eine Beziehung zu einer Mondgöttin hat und die Androgynität des Dionysos, der Frauenkleider trägt, genau wie seine Priester, zeigt einen Ausgleich von männlich und weiblich, das Erkennen des anderen Geschlechtes in sich und den Ausgleich damit, aber auch das Sexuelle. Der Efeu, ebenfalls eine Dunkelpflanze, steht sowohl mit dem Tod als auch mit dem Leben in Verbindung, steht für Erkenntnis.

Die Beziehung zum Dunkel deutet auch auf die Konfrontation mit dem Schatten hin, die Auseinandersetzung mit dem Verborgenen (lat. "occultus"), die Reifung anhand dessen und die spirituelle Entwicklung. Hell und Dunkel sind beide sehr intensiv vertreten. Auch die religiösen und sexuellen Ekstasen, die wilden Tänze gehörten zur Selbsterkenntnis und zur Erkenntnis des Göttlichen dazu. Die Vermählung mit Ariadne kann auch als Symbol der Heiligen Hochzeit gesehen werden.

Was aber ist mit denen, die durchdrehten, als sie mit Dionysos in Berührung kamen? Es war keine wie auch immer geartete "Schuld" des Dionysos. Der Gott des Weines, der Trunkenheit, Ekstase, Dunkelheit, der Wiedergeburt und Selbsterkenntnis konfrontierte die suchenden mit harten Aufgaben, nämlich selbst in die Dunkelheit zu gehen, zu sterben und erneut geboren zu werden. Es ging auch um die Wahrnehmung des Schattens, des dunklen Anteils der Seele.

Wer lauteren Motivs und bereit, das Risiko einzugehen, völlig verwandelt zu werden, dionysisch wurde, der hatte einen steinigen wilden Weg vor sich, der zur spirituellen Weiterentwicklung führte, aber auch einen Heidenspaß. Wer aber nur oberflächlich sich mit den dionysischen Mysterien einließ, nach dem Motto "Och nöö, da habe ich jetzt aber keinen Bock drauf.", und weiterhin in der Oberflächlichkeit und Sicherheit verharrte, die er oder sie bisher hatte, begab sich in höchste Gefahr, denn die Tore zum Unbewussten waren schon aufgeschlossen, wenn nicht aufgerissen, und so konnte bei den um Verdrängung bemühten Personen der Wahnsinn Einzug halten.

So ist es auch mit denen, welche sich wohl oberflächlich mit dem Hexischen einlassen, aber weder konsequent genug sind, den ganzen Kontext zu übernehmen, womöglich noch Elemente des bleichen Galiläers mit hineinmischen und weiterhin in Verdrängung und Verklemmtheit verharren wollen. Denen ist der Fluch des Dionysos sicher, auch, wenn es sich nicht um einen Fluch als solchen handelt, sondern um die logischen Konsequenzen dessen, was sie selbst versäumten. Ein bisschen Hexe gibt es genausowenig wie ein bisschen schwanger. Nur, wer sich der Aufgabe stellt, mit all seinen bürgerlichen Prägungen, mit der ganzen Prüderie und der monotheistischen Gehirnwäsche aufzuräumen, und sehenden Auges sich mit seinen dunklen Aspekten zu konfrontieren, der ist auch wirklich geeignet, Hexe oder Hexer zu sein.

Bequemlichkeit, Inkonsequenz, Feigheit, Verklemmtheit, Ängstlichkeit, Dummheit und Konsumdenken sind die besten Fahrkarten ins Irrenhaus für diejenigen, welche nur oberflächlich den Weg der Hexerei beschreiten wollen. Ich kann dazu aus eigener Erfahrung sagen, dass ich leider eine Menge Leute kennen lernte, welche nur scheinbar den Weg des Hexischen gehen wollten, aber bei dem kleinsten Hinweis auf das Dionysische in lautes Wehklagen ausbrachen, welche so verklemmt waren, dass sie ebenso gut Katholiken hätten sein können, und welche lieber in Heuchelei verharrten und sich schikaniert fühlten, wenn man ihnen den Spiegel vorhielt. Einige davon landeten in der Psychiatrie, andere verfielen zusehends körperlich, charakterlich und spirituell. Sie hatten das Zeichen an der Wand übersehen, welches lautete: "Gnoti seauton!", erkenne dich selbst! Dies war der Preis dafür, dass sie glaubten, alles besser zu wissen oder zu können, sich aber scheuten, den ganzen Weg zu gehen. Selbst schuld, sage ich da nur.

Die Gefahren am Wegesrand

Hand aufs Herz: Wir sind alle in einer Umgebung aufgewachsen, die in irgendeiner Form geprägt war von den Dogmen und daraus resultierenden Verhaltensweisen des Monotheismus.

Wo dies nicht der Fall war, so wuchsen wir in einer Umwelt auf, die atheistisch oder materialistisch geprägt war und die Welt nur als große Maschine ansah.
So kam es zur Prägung unserer Selbst durch das, was wir erlebten. Wer von uns hat nicht schon Alpträume gehabt, stand an den Klippen des Wahnsinns und hat sich mit Dingen und Dogmen herum gequält, bis der Befreiungsschlag gelang? An was haben wir heute noch alles zu knabbern? Na, mal ganz ehrlich.
Wir leben nicht unbedingt in einer Welt, in welcher Ehrlichkeit und kritische Selbstreflexion gefragt sind. Abgesehen davon, dass anscheinend jeder versucht, einem die eigenen Neurosen mit auf den Weg zu geben, ist es kein leichtes Unterfangen, durchzukommen und etliche scheitern. Dennoch ist es möglich. Gerade eine unumschränkte Bejahung der Natur und unserer ureigensten Bedürfnisse kann uns befreien. Die Realitätslandkarte des Hexischen ist dazu hervorragend geeignet (andere auch, aber es geht mir hier definitiv um das Hexische).

Sie bietet einen Kontext, der gut ist zur Aufarbeitung, zur Schattenarbeit, aber auch zur eigenen generellen Befreiung, um wieder wild, lüstern und frei zu werden und obendrein noch Erkenntnis zu erlangen. Dennoch: Woher seriöse Infos bekommen, mit den richtigen Leuten kontaktieren? Und: Will man es WIRKLICH? Ist es das, was der WAHRE WILLE genannt werden kann? Tut man wirklich, was man WILL?

Unsere Gesellschaft ist durchtränkt von Aberglaube, Monotheismus, Atheismus und Desinformation, obendrein auch noch hochneurotisch und fest in den Händen des Konsumdenkens.

Da die Binsenweisheit, dass die glücklichsten Sklaven die erbittertsten Feinde der Freiheit sind, noch nichts an Gültigkeit verloren hat, ist es kein Wunder, dass viele Leute die Auseinandersetzung mit dem Hexischen nur als modischen "Kick" sehen. Andere wiederum würden wohl gerne Hexen sein, allein sie scheuen sich, wirkliche Befreiung zu vollziehen, ist doch die Luft außerhalb des gewohnten Käfiggestanks so ganz anders. So kaspern sie oberflächlich herum, suhlen sich in ihren Neurosen und kommen sich womöglich noch ziemlich toll vor, während sie seelische Masturbation betreiben, um ihr kaputtes Ego zu pflegen, anstatt sich damit knallhart auseinander zu setzen. So enden sie als übelste Pseudohexen, welche nicht nur sich selbst, sondern auch andere in die Irre führen und dabei Leute, welche konsequent ihren Weg gehen, verabscheuen. Schließlich sehen sie dort das wilde, ungezähmte Wesen auf dem Weg zur Erleuchtung, das sie selbst sein könnten und vor dem sie sich fürchten, denn es ist allzu fremd und allzu wild, während sie selbst nach wie vor an der Kette von Neurosen und Oberflächlichkeit hängen, wie ein Yorkshireterrier, der Angst vor dem großen "bösen" Wolf hat.

Ursachen der Psychopathologie der Pseudohexen

Woran aber liegt es noch, dass Pseudohexen entstehen? Es liegt an dem Unfug, der als hexische Literatur verkauft wird. Dabei rede ich nicht von guten fundierten Büchern wie dem der Farrars "Acht Sabbate für Hexen", Buckland's "Complete Book of Witchcraft", Starhawks Bücher, oder Vivianne Crowley's "Wicca - Die Alte Religion im Neuen Zeitalter". Ich rede von dem, was im englischen Sprachbereich als "esoteric white light Fluffbunnies" bezeichnet wird, als "esoterische weißes Licht Flauschehäschen".

Weder das wilde und ekstatische Element hat bei ihnen einen Platz, noch scheren sie sich darum, dass es auch dunkle Teile der menschlichen Seele existieren, welche bearbeitet werden müssen, allein, um sich weiter entwickeln zu können. Diese Flauschehäschen sitzen mit ihrem Bergkristall auf einer Blumenwiese und schwafeln von der kosmischen Liebe, anstatt sich die Tatsachen anzusehen. Oder noch schlimmer, sie reden von "Gott" und behaupten trotzdem, Hexen zu sein.

Die Fluffbunnies sind die Verräter an all denen, die von der Inquisition gefoltert, vergewaltigt und ermordet wurden, diejenigen, welche durch ihr Tun all diejenigen verhöhnen, die in den Flammen der "Religion der Liebe" gestorben sind und all derjenigen, welche heute noch von Behörden und verblödeten Familienangehörigen schikaniert werden, weil sie konsequent auf dem alten Weg gehen. Man nehme ein paar Rezepte von Omi, etwas kitschige Gestaltung, ein wenig Halbwissen ohne Tiefgang, lasse das Wichtigste (von dem man anscheinend selbst nichts weiß) aus, und fertig ist das Hexenbuch. Noch ein wenig Kaffeetantenweisheit, vielleicht ein wenig Aberglaube oder Versatzstücke aus irgendwelchen Groschenromanen und Fernsehserien, und natürlich der unvermeidliche "Liebeszauber", und schon reißen sich die Unwissenden darum, die ja schon immer wussten, dass sie eine Hexe waren, zumindest, seit sie Einblicke in ihre früheren Leben bekamen, nachdem sie die "Nebel von Avalon" lasen. Das mag polemisch klingen, stellt aber genau das dar, was heute läuft.

Wer schon bei "Hexe Sandra", "Hexe Thea" oder der unsäglichen "Silver Ravenwolf" aus guten Gründen Magenschmerzen bekommt, sollte sich die Werke von "Kithara" und ähnlichen Leuten gar nicht erst antun. Wo sind die nackten Rituale, wo sind die dunklen Seiten, wo ist die Schattenarbeit, und wo ist die Hexenethik? Wer schon Unsinn über das Ziehen des Pentagramms schreibt, wie "Sandra", jegliche Hexenethik außen vor lässt wie "Hexe Thea" oder nicht nur die Jahreskreisfeste falsch datiert und Gottheiten falscher Herkunft zuordnet wie "Silver Ravenwolf", dem ist alles zuzutrauen.

Dumm nur, dass das Volk anscheinend betrogen werden will und jeden Müll schluckt, wenn es aus seiner Mitte gerissen nach Harmonie (möglichst nach kosmischer) sucht und sein Gehirn nicht allzu sehr anstrengen will. Es gibt kaum Leute, an welche man sich wenden kann und nur wenig gute Literatur. Hinzu kommt die Diktatur der political correctness, welche schon fast solche Ausmaße der Sprachklitterung angenommen hat, wie die Diktatur des verunglückten Wiener Kunstmalers, der Reichskanzler wurde. Genau wie bei Schickelgruber gibt es Denkverbote. So gab es einen Aufschrei in einem mir bekannten Forum, als über das Töten von Kinderschändern gesprochen wurde, und es wird angemahnt, man sollte doch den Christen gegenüber tolerant sein.

In so einem Klima der Verdrängung und der Heuchelei ist es kein Wunder, dass Menschen, die lieber verdrängen und heucheln, anstatt sich knallhart mit sich selbst auseinander zu setzen, in Hexenkursen, wo es ans Eingemachte geht oder bei Lehrerinnen und Lehrern, die alles fordern, auch, statt gleich loszupampen, mal über sich selbst nachzudenken und sich umzuprägen, einige Leute hysterische Anfälle bekommen, abblocken, weil sie zu blöd sind, und hernach die haarsträubendsten Geschichten über die Ausbilder verbreiten.

Was wollen diese Leute? Sie wollen Bienchen, Blümchen, Bambilein, vor anderen angeben, was für tolle Hexen sie sind (aber an "Gott" glauben), sich selbst belügen und bestätigt sehen, und möglichst keinen Cent dafür springen lassen. Man taste bloß nicht ihre kleinbürgerlichen Prägungen, ihr kaputtes Ego und ihre Verklemmtheit, ihr christliches Elternhaus und ihre satte oberflächliche konsumgeile Borniertheit an. Es könnte ja sein, dass sie radikale Brüche mit liebgewonnenen Verhaltensweisen, Leuten oder Institutionen vollziehen müssten. Oder gar lernen, sich selbst anzunehmen und etwas an ihrem Leben zu ändern, anstatt sich in Abhängigkeiten und Selbstmitleid zu suhlen und anderen die Lebensenergie abzuziehen.

Man müsste sich ja mit Traumata befassen, diese umwandeln, Projektionen aufgeben, wo man doch gerade so schön auf dem Weg zum Borderline-Syndrom ist. Anstatt bequem in der Stube geistige Selbstbefriedigung zu betreiben, müsste man ja in den Wald oder in die Steppe, wo doch diese kleinen Viecher sind, es außerdem noch nass werden kann, wo kämen wir da hin? Wenn ich mir ansehe, was heute alles mit einem Pentagramm um den Hals durch die Gegend läuft, wird mir schlecht. Gut, ich habe vielleicht eine Vorstellung vom Hexe sein, die vielleicht doch etwas Hardcore ist und die Leute, die ich ausbilde, durchlaufen eine Kreuzung aus Hochschulstudium und Marines Survival Training, aber der Heidenspaß kommt auch nicht zu kurz. Und letztendlich ist das Dasein von Hexen ganzheitlich. Da haben konservative Verstocktheiten des Spießbürgertums ebensowenig Platz wie Zimperlichkeit. Hysterische Hühner und maulende Weicheier können keine Hexen sein.

Mal was Positives

Dennoch gibt es trotz der düsteren Situation immer wieder Leute, welche mit zähem Ringen und auf der Suche nach dem wahren Willen im Kontext der heidnischen Urreligion der Großen Göttin nicht nur durchkommen, sondern auch das magische Wirken erlernen und beherrschen. Diese Leute haben nicht nur einen gesunden Menschenverstand, sondern sind auch - weitab von Hysterie und Zickigkeit - humorvoll, gelassen und den Stürmen des Lebens gewachsen, halt reife Personen. Diese können wiederum Vorbild sein für viele andere. Trotz Konsumterror, Fluffbunnies und Desinformation durch gestörte Mitmenschen lassen sie sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Sie leben wild, frei und selbstbewusst im Kontext des Heidnischen mit einer realistischen Weltsicht und einer gehörigen Portion Humor und manchmal einer Prise Zynismus.

E-mail: temple@htp-tel.de

Hexe oder Nichthexe? - Leserbrief von Voenix

Wer mich etwas besser kennt, der weiß, dass sich meine Aktivitäten bezüglich Internet, Interviews oder sonstwie kommunizierenden Medien auf ein notwendiges Minimum beschränke, und so darf sich unser Freund Lotrimar geehrt auf die Schulter klopfen, da sein Artikel mich veranlasst hat, diese Zeilen zu verfassen (mein zweiter Leserbrief überhaupt in diesem Leben). Über den inhaltlichen Teil im Ganzen mag ich nichts sagen, was mir aber gewaltig die Hörner hat anschwellen lassen, ist diese selbstzementierte Behauptung, nach welchen religiösen Ausrichtungen und "urheidnischen" Ausbildungen eine "wahrhafte" Hexe von einer Unechten zu definieren und zu unterscheiden ist.

Mag ja sein, dass echte Hexen auf (von oben... oder besser von unten abgesegnete) Traditionen zurückblicken können, in deren initiatorischen Genuss sie wieder kommen durften, aber zu behaupten, dies seien die einzigen wahren Hexen lässt bei mir als Autodidakten doch so manches über die theoretische Ausrichtung des Verfassers durchscheinen. Wer sind wir, dass wir Behauptungen über die Unverfälschtheit einer Jahrtausende alten Bewegung aufzustellen wagen, deren Ursprünge wir heute nur noch erahnen können?! Ich kenne Frauen, die seit vielen Jahren an sich und ihren unbewussten Seiten arbeiten und dadurch zu psychischen Möglichkeiten vorgedrungen sind, aus deren Integration sie Dinge in Bewegung setzen können, die so manchem esoterischen "Sesselpupser" die Haare zu Berge stehen lassen würden.

Also, lieber Lotrimar, verkauf hier bitte nicht mit goldenen Worten deine heidnische Messlatte, die wieder einmal nur dem einen Ziele dient, die guten alten Traditionen zur alleinigen seligmachenden Metapher aufs Podest zu hieven ... denn gerade das ist das Unechte, das du anzuprangern suchst.

gez. Voenix (selbstinitiierter und einweihender Hirschgott :))