Interview mit Georg Dehn
Als ich in Georg´s Zimmer komme, weist er mir einen Korbstuhl zu. Ich schaue mich um, und er fängt an mir eine Karte an seinen Wänden zu erklären, wo alle Aufenthaltsorte von Wüsten-Heiligen eingezeichnet sind. “Aber leider findet man hier nicht die Eremitage von Abramelin", sagt er, womit das Hauptstichwort unseres Gespräches gefallen war.
die Fragen für die AHA stellte Steffen Siegert(STS)
Vorbemerkung
Georg hatte in der Vergangenheit folgendes Buch herausgegeben:
“Die Ägyptischen großen Offenbarungen oder des Abraham von Worms Buch der wahren Praktik In der uralten göttlichen Magie und in erstaunlichen Dingen, wie sie durch die heilige Kabala und durch Elohym mitgeteilt wurden. Erstmals komplett ins Deutsch übertragen aus dem von Peter Hammer, Köln, 1725 herausgegebenen Text, Worms 1980; Kritisch überarbeitet durch Vergleich mit der Ausgabe von S. L.. Mac Gregor Mathers; Beide basierend auf der hebräischen Schrift von 1387 und in ihrer ersten Übersetzung anno 1458. Zum Urtext rekonstruiert von Georg Dehn aus Eich, im Jahre 1984."
Das Gespräch mit Georg Dehn
STS: Ja, Georg, der Abramelin war der Hauptgrund, warum du jetzt drei Monate vom Dezember bis zum 1. März in Australien warst?
Georg: Ja. Ich war dort, um die englische Abramelin-Übersetzung zu machen. Ich hab dort einen Freund, mit dem ich schon in Wormser Zeiten am Abramelin gearbeitet hatte. Wir wussten, die Zeit würde kommen, um es zu vollenden. Es war für mich klar, dass ich solch eine Übersetzung mit einem Muttersprachler machen sollte -und das war eine gute Gelegenheit, sich wieder mal zu treffen.
STS: Ihr habt also richtig rangeklotzt. Sag bitte etwas zu deinem Partner.
Georg: Stephen hat sich mit Magie beschäftigt, er steckt in der Theosophie, in der Anthroposophie, im Buddhismus und ist jüdischer Abstammung. Er ist die ersten 15 Jahre seines Lebens mit deutsch aufgewachsen, sein Vater ist vor den Nazis abgehauen. Diesen Text hätte kein anderer so gut verstehen können. Ich habe das immer wieder auch an unseren Diskussionen für die korrekte Übersetzung der Worte etc. gemerkt.
STS: Wo hast du genau gewohnt?
Georg: In Canberra, auf Stephens Farm. Drei Monate waren geplant, fertig geworden sind wir in ca. zwei. Wir haben jeden Tag fünf, sechs Stunden richtig geackert und so nicht nur den Kerntext übersetzt, sondern auch anhängende Kapitel und das ganze Buch druckfertig machen können. Ist wirklich toll gelaufen.
STS: Wie hat Stephen das mit seiner eigentlichen Arbeit verbinden können?
Georg: Er schreibt ohnehin viel. Er berät Architekten mit Feng Shui und Geomantie. Außerdem hat er im Auftrag der australischen Regierung eine Interviewserie mit Aboriginals gemacht. Stephen lebt die letzten Jahre zurückgezogen in der Pampa, schreibt und hat sich letztes Jahr, um mal endlich wieder mehr körperliche Arbeit zu verrichten, eine Pferdefarm zugelegt.
STS: Worum ging es vor allem in dieser Übersetzung?
Georg: Uns ging es vor allem darum, endlich eine textgetreue englische Ausgabe zu machen. Es ist Crowleys wichtigste Quelle und dadurch zu einem magischen Kultbuch des letzten Jahrhunderts geworden - mit allen Fehlern, die Mathers ungewollt eingebaut hatte. Insider waren auf der Frankfurter Buchmesse sehr überrascht, als ich über die Unterschiede referierte. Donald Weiser, vom Samuel Weiser-Verlag, hat meine erste deutsche Ausgabe einem Rabbiner vorgelegt, den die die Qualität des Textes beeindruckte, was ich gar nicht dachte, weil das ja so ein magisches Buch ist. Die zweite deutsche Auflage wird textkritisch bleiben, um ganz genau zu sehen, was im ursprünglichen Manuskript drin gestanden hat. Die Amis wollens einfacher und populär ediert. Danach fertige ich dann eine deutsche Praktiker-Ausgabe, wo der Text vereinfacht ist, Wiederholungen weggelassen werden. Besonders wichtig: Ich werde auch im Deutschen von unerlösten Geistern sprechen und nicht mehr von bösen Geistern. Das haben wir in der englischen Ausgabe auch schon. Wir reden da von "unredeemed spirits". Ich denke, das kommt den Wesenheiten ein bisschen entgegen. Wir haben zwei Monate nur am Text gearbeitet, sehr viel über die verschiedenen Bedeutungen im Englischen diskutiert. Eine andere Sprache gibt ja eine andere Dimension wieder. Gerade die Oxforder hebräische Handschrift als Rückübersetzung aus dem deutschen, was ja auch Gershom Scholem schrieb, hat offensichtlich ein Kabbalist übersetzt und dann in seinem hebräisch-kabbalistischen Wortschatz ausgedrückt. Und es ist gut zu bemerken, dass es da noch ganz neue Dinge zu entdecken gibt, was wir in unserem Alltagsdeutsch einfach übersehen! Uns ging es darum zu zeigen: das ist eine jüdische Tradition von der deutschen Gegend am Rhein, wo die ashkenasische Kultur entstanden ist.
Also, das ist die jüdische Kultur, die dann im ganzen deutschsprachigem Raum war und auch nach Osten ausgewandert ist. Die polnische, die russische haben ihre Wurzeln ursprünglich aus der Gegend am Rhein, die von den Städten Worms, Mainz und Speyer umgrenzt wird. Das sind die ältesten Siedlungsgebiete der Juden gewesen. Abramelin redet ja auch immer wieder von seinen Vorvätern - man solle nach den Vorvätern leben. Das hat er in seiner jüdischen Facon geschrieben und lässt es offen für Christen oder Heiden, sodass sie es dann nach ihrer Facon auch so machen.
STS: Viele Leute werden das Buch ja nicht kennen. Was macht aus deiner Sicht den Abraham von Worms in unserer heutigen Zeit so interessant?
Georg: Seine Ideen, die ja nun 600 Jahre alt sind, sind modern! So der Gedanke, dass die höchste Weisheit jeder erlangen kann, egal ob Heide, Jude, Christ oder Moslem. Wobei Heide mit Sicherheit das heutige Heidentum (also Pagan) meint. Aus den Wormser Urkunden wissen wir, dass bis weit ins 15. Jh. hinein Überfälle auf die Fronleichnamsprozessionen stattgefunden haben. Da gab es regelmäßig Schlägereien mit den Priestern, weil die Leute sich das einfach nicht aufoktroyieren lassen wollten. Im Wormser Dom steht z.B. der Dreijungfrauen-Stein mit Embede, Warbede und Wilbede - das ist die keltische Übersetzung der drei Nornen Urd, Skuld und Verdandi. Die stehen da als Jungfrauen mit Palmenblättern und in christlicher Aufmachung. Aber, es stehen die drei keltischen Namen drüber- das hat niemand gewusst. Diese Tradition war also auch noch da. Abraham von Worms ist ja gereist, er hat auch in Griechenland und in vielen anderen Ländern das Heidentum kennengelernt. Da spürt man bei ihm immer wieder, diese große Ökumene der Kulturen, die einem metaphysischen Gott geweiht sind und nicht irgendwelchen Abgöttereien, wie er es nennt, die nur Gegenstände verehren.
Bei Abramelin findest du eine Metaphysik, eine geistige Wahrheit, die dahinter ist. Das ist das Neue. Er spricht immer von der heiligen Weisheit. Oft genug sagt er: das ist die Magie, benutzt aber meistens das Wort Weisheit und redet von der göttlichen Magie. Was mir jetzt auch erst aufging ist, dass dieses Buch Abramelin historisch das erste Buch über Magie ist, welches Magie im unbedingten Zusammenhang mit einem persönlichen Einweihungsweg sieht. Das Buch wendet sich zum ersten Mal gegen Zauberei und -für meine Begriffe - Materialismus in der spirituellen Maske. Er beschreibt ja in seinen Reisen Leute, die zaubern. Er sagt, ok, das gibt es, aber, es geht darum zu erkennen, dass das ein Irrweg ist und statt dessen die Beziehung zum Göttlichen hergestellt wird. Das ist eine der wichtigsten Botschaften in dem Buch.
STS: Ist er damals für seine Ideen angefeindet worden, und wie steht es um die damalige Breitenwirkung?
Georg: er hat wohlweislich unter einem Pseudonym geschrieben, als Abraham von Worms. Er hat ganz klar die Rosenkreutzer, die vor den Freimaurern wichtigste Bewegung, beeinflusst. In der Rosenkreutzer-Ausstellung, die in Wolfenbüttel 1997 stattgefunden hat, wurden die Wolfenbüttler Handschriften von 1608 auch gezeigt. Ich hatte lediglich mit diesen Gedanken gespielt, weil Abraham diese Reise nach Arabien hatte und dann weiter nach Ägypten reiste. Christian Rosenkreutz berichtete ja darüber. Für mich waren das in meiner Phantasie Parallelen. Und dann kamen die Rosenkreutzer an und bestätigten, dass das für sie ein Grundlagenwerk, ein Vorläufer, war. In der ersten Auflage wollte ich darstellen, wie z.B. Pico de la Mirandola und andere Esoterikkenner aus der feudalen Klasse in der Linie von Abraham von Worms stehen. So auch zwischen 1450 und 1500 Johannes Reuchlin, der das hebräische Schrifttum als Professor in Tübingen allgemein salonfähig gemacht hat. Um 1500 war Maximilian I. an der Macht. Der sollte auf wiederholten Wunsch und später auf Druck des Papstes alle hebräischen Schriften verbrennen.
In seiner Not ließ er sich einfallen, dass er Gutachten zu den Schriften anfertigen lassen könne - von wichtigen Leuten, die dem Papst etwas bedeutet haben. Und er hatte damals den Großinquisitor von Köln, Johannes Reuchlin und zwei andere Personen beauftragt, diese Gutachten zu schreiben. Reuchlin schrieb damals, dass die Kabbala für jeden Christen nicht nur unschädlich, sondern auch empfehlenswert sei. Maximilian verwarf den Kölner Polemiker zu Gunsten Reuchlins und konnte sich mit dessen Argumentation gegen den Papst behaupten.
STS: Lass uns einen Sprung machen, Georg! Crowley hat ja eine Abramelin-Arbeit gemacht. Welchen Text hat er verwandt?
Georg: Mathers - ja das ist überhaupt eine ganz merkwürdige Geschichte: Crowley hatte ja die deutsche Loge in Berlin, wo auch die Fraternitas Saturni entstanden ist. Diese Leute verfügten mindestens überdie Peter Hammer-Ausgabe von 1725, die in der Tradition der Texte Wolfenbüttel, Dresden steht. Und die kannten sich untereinander sehr gut. Crowley war oft genug in Berlin. Trotzdem scheint keiner bemerkt zu haben, dass Mathers Text frappierende Unterschiede enthält. So schreibt er von einem halben Jahr Einweihungsweg statt von ein und einem halben Jahr, und es gibt andere für den Einweihungsweg wichtige Punkte, die differieren. Dann hat Franz Bardon noch die Quintscher-Schriften abgekupfert und das Bild zu erzeugen versucht, dass er Kontakt mit den Abramelin-Geistern gehabt hätte, die aber wortwörtlich auf die Hammer-Liste samt Druckfehlern hören. Ich bitte dann Georg mir etwas vom Flair Australiens und speziell seines Aufenthaltes in Canberra rüberzubringen. Georg holt gewaltige Fotoalben und die Bilderflut geht los. Es beginnt mit einem Blick aus dem Bürofenster (Bild, habe ich schon)
Canbarra liegt zwischen den blauen Bergen und den Schneebergen. Dann ein Vegetationsbild in Nähe des Hauses. Ich sehe auf den Bildern Canberra - in Wirklichkeit sehe ich aber mehr Grün als irgendwelche Häuser oder Stadteile. Die ganze Stadt ist von Wachstum durchdrungen, ein überwältigender Eindruck von Einheit mit der Natur wird in mir wach. Die Siedlungen verstecken sich förmlich im Grünen, alles macht einen ländlichen Eindruck, trotz der 300 000 Einwohner.
STS: Stereotype Vorstellungen von Australien laufen auf Känguruh, Aborigines und Didgeridoo hinaus. Hast du denn davon was mitgekriegt?
Georg: Ja, klar, das habe ich alles mitgekriegt. Ich muss dich aber berichtigen. Das wird nicht Aborigine sondern Aboriginal ausgesprochen. Denn Aborigine, das ist der irische Slang und davon wollen die australischen Ureinwohner nichts wissen, weil sie mit denen am wenigsten am Hut haben. Das liegt in der Geschichte begründet. Sie nennen sich Aboriginal, obwohl das ja auch nur Eingeborener heißt. Die haben im Grund gar keinen eigenen Namen. Canberra ist übrigens Aboriginal-Sprache und heißt Versammlungsplatz. Das ist aber kein tradierter Name, die haben da nie gelebt, weil das Gebiet nicht genügend zum Essen hergab.
STS: Aber jetzt sag mal Georg, sind denn nun pausenlos Känguruhs durch die Gegend gesprungen?
Georg: Na sicher, auf der Farm hab´ichs zigmal beobachten können. Die Koppeln sind mit einem Zaun von ein Meter fünfzig versehen. Das ist nicht gerade die Höhe, die die Känguruhs abhält. Aber es ist schon lustig, wenn du siehst, wie die kleineren von ihnen erst mal ranhoppeln, die ganze Sache beäugen und dann zurückgehen, um richtig Anlauf zu nehmen. Känguruhbild, das hüpft oder zum Hüpfen ansetzt Dann geht es weiter mit Canberra-Bildern. Canbarra ist geomantisch angelegt und am Reißbrett entworfen worden. (Bild von der Anlage der Stadt)
Die Achsen der Stadt sind zu den Hügeln der Umgebung angepasst. Die gesamte Architektur wurde seit der Jahrhundertwende geplant und in den 30iger Jahren gebaut. Architekt war Berly Griffin, ein Theosoph. Als erstes hat er einen Stausee gebaut und um diesen wurde die Stadt errichtet. Das Zentrum der Stadt ist also der Stausee. Dann sehe ich das Parlamentsgebäude, das gewissermaßen durch einen Rasen überdacht ist. Die Leute können so über das Parlamentsgebäude rüberlaufen, den Parlamentariern auf´s Dach steigen! Die wollen auch die Bürger drinn haben, höre ich. Daher seien im Gebäude jede Menge Gallerien und Cafés zu finden. Georg fährt fort damit, auf das eigentliche Wahrzeichen der Stadt hinzuweisen, eine Fontäne, die mit 140 Metern höher ist, als die Hochhäuser. Die Canberraner würden sie selbst nicht als das Wahrzeichen begreifen, viel zu selbstverständlich sei es. Canberra habe vor das spirituelle Zentrum Australiens von Weltbedeutung zu werden. Dann das “War-Memorial", mit einer an ein Mandala erinnernden Kuppel, ebenfalls von einem Theosophen entworfen. Anders als in den anderen Ländern huldige es nicht den Krieg, sondern stellt praktisch den Vielvölkerstaat Australien dar. Es macht deutlich, wieviele Völker gegen die Nazis gekämpft haben. Die nur 70 Freiwilligen Australier, die im spanischen Bürgerkrieg gegen Franko kämpften, haben hier in Canberra ebenfalls ein Denkmal bekommen. Die Australier interessiert dabei nicht, ob das Kommunisten oder Anarchisten waren, sondern dass sie für die Demokratie gekämpft haben. Und dann folgt das Bild der Botschaft der Aboriginals. Angesichts dieses “Gebäudes", das an eine Baracke erinnert, müssen wir beide lachen. Georg sagt, kein Politiker könne es sich leisten, die vom gepflegten Rasen des Old Parliaments zu vertreiben. Leider können wir das Bild hier, in der AHA, nicht zeigen, es lebt zu sehr von den Farben. Ich erfahre, dass die Australier keine französischen Autos fahren, solange Frankreich Atomversuche im Pazifik mache.
STS: Ach, da ist es ja, das unvermeidliche Aboriginal-Foto! (Aboriginal m. Didge.)
Georg: Der sitzt da am Zaun und unterhält scheinbar die Leute. Aber er meditiert. Er spielt stundenlang sein Instrument. Wenn du ihm mal richtig in die Augen schaust, dann siehst du, dass er ganz woanders ist - durch die Atemtechnik, da kommst du “drauf"!
STS: Du bist dann nach den zwei Monaten in Canberra nach Melbourne und Sydney weiter gereist, wie war´s?
Georg: Melbourne ist eine angenehme Stadt, anders als Sydney, welches sehr an Frankfurt erinnert. In Melbourne da quatschen dich die Leute locker an, einfach symphatisch. In Melbourn´s dickstem Geschäftszentrum, wo es sicher schweineteuer ist, haben die Hare Krishnas ihr Zentrum und da kannst du zu Mittag essen, für n´en Appel und ´n Ei. Und dann hockst du da und die Typen von der gegenüberliegenden Bank kommen rein, zu fünft im schwarzen Anzug und essen genau so da, ne. Oder du erzählst über Geomantie, Astrologie, Magie oder irgendwelche Themen. Selbst wenn sie sich nie damit befassen - das ist für die Realität, darüber kann man reden.
STS:Und wieviel hundert Leuten hast du dann nun deine astrologischen Analysen “verpasst"?
Georg: Es war ein bißchen bescheidener, aber genug, um zu sehen, dass es auf der Südhalbkugel genau so gilt.
STS: Astrologisch nichts Besonderes?
Georg: So will ich´s nicht sagen. Ich habe z.B. etwas mit “relocation" gearbeitet. Das heißt, ich habe in Australien bessere finanzielle Aspekte. In den paar Wochen konnte ich da natürlich kein Geschäft machen. Und dann dachte ich naja, wenn das so stimmt, dann muss es ja wenigstens im Casino klappen. Und dann bin ich, weil Melbourne den besten Aspekt hatte, als der Aszendent durch mein fünftes Haus lief, der Mond aspektierte Jupiter, in´s Casino, und habe von sechs Besuchen vier mal richtig zugelangt. Zwar lediglich in der Dimension von ein paar hundert Dollar, aber immerhin.
STS: Habe ich das richtig verstanden, du kannst dein Horoskop umrechnen, wenn man auf anderen Kontinent ist. Und das nennt man relocation?
Georg: Ganz recht. Einer der Gründe nach Leipzig zu gehen, hat auch etwas damit zu tun, dass ich hier bessere Aspekte habe. Die 450 km von Worms nach Leipzig, die machen es schon deutlich. Der MC hat keine Spannung mehr und so kann ich hier beruflich viel besser vorankommen. Der Aszendent steht auch günstiger und der MC baut sogar einen Aspekt zum Jupiter auf. Drum geht´s mir hier in Leipzig so gut -Heiterkeitsausbrüche bei mir- Ich sage ihm, dass ich das ganz sicher im Interview bringen werde, worauf er erwidert, ja kannst du ruhig machen. O.K., mache ich, und falls du mal in eine finanzielle Misere geraten solltest, dann kann ich dich in Melbourne im Casino finden.
STS: Also finanziell lief´s. Wie bist du mit der australischen Mentalität zurecht gekommen?
Georg: Ja gut, die Australier sind alle cool. Da rennt keiner rum, wie bei uns - Hektik erlebst du dort nicht. Und wenn du auf den Straßen die Leute anschaust, dann wirken die alle freundlich, die blickst du mal scharf an und dann kommst du in´s Gespräch. Die sind richtig locker.
STS: Klingt sehr nach klimatischen Einflüssen!?
Georg: Klima? Ja in warmen Ländern sind die Leute immer so. Du hast diesen Schrecken des Winteres nicht. Uns hier in Deutschland ist das gewissermaßen in die Gene übergangen, dass Winter eben eine harte Zeit ist. Auch wenn´s uns heute gut geht. Das steckt in uns so drin, wir teilen nicht so gern. Die Südländer teilen. Und das findest du eben auch dort in Australien. Die haben dort nie Probleme, das ganze Jahr wächst was. Du kannst das ganze Jahr rausgehen und kannst einen Maiskolben abpflücken oder einen Kürbis reinholen, oder Succhini ernten, das ganze Jahr über, ohne Unterbrechung. Dazu kommt dieser Eukalyptus-Duft. Der steht überall, auf der Autobahn, im Auto drin, riechst du das. So etwa bei Temperaturen von 30 Grad, was dort ja nicht selten ist, hast du diesen Eukalyptusdunst durch ´s Land ziehen. Von Koalas weiß man, dass die deswegen so schläfrig sind. Das geht in´s Hirn. Da wirst du einfach gemach und gemütlich. Große Heiterkeit bei mir. Ja du lachst. Was hier sofort auffällt ist das weiche Wasser - da geht die Seife nicht mehr runter! Die haben allerdings auch so gut wie keine Mineralien drin, fast null Kalk. Ebenso typisch sind die Extreme bei den Tieren. Du hast dort extrem giftige Tiere und extrem freundliche Tiere, dazwischen gibts nichts. Die Koalas, die Känguruhs, und diese anderen merkwürdigen Teile die sind einfach herzerfrischend - das bringt dich gut drauf. Alles was dort ist - du gehst in die Natur - und es ist irgendetwas Schönes da. Du ziehst einfach deine “Buschtreter" an und die reichen, damit dich keine Schlange beißen kann. Da brauchst du dir keine Gedanken zu machen.
STS: Lass mich etwas zur esoterische Literaturszene fragen. Du warst ja auch viel in den Bücherläden, wie ich dich kenne. Hast du Crowley in den Regalen gefunden?
Georg: Ja, klar. Ansonsten kiegst du da über Sexualmagie und Spermagnosis nicht so viel mit. Die haben´s dort mehr mit irgendwelchen Geistern. Zum Beispiel der mit dem Hardcore-Magieladen in Melbourne, der “haunted bookshop", der verfluchte, verhexte Bookshop. (Wo die Geister umgehen J). Der Inhaber ist Geisterjäger. Den kannst du also anrufen, wenn´s bei dir spuckt. Das scheint zu laufen. Er ist dort jedenfalls ein renommierter Mann in der Szene. Whichcraft und keltische Sachen sind sehr populär. O.T.O. findest du dort auch, aber nicht so sehr, auch Chaosmagie ist da weniger. Dafür ist die Freimaurerei sehr stark. In vielen kleinen Ortschaften von ein paar hundert Einwohnern ist ne Loge.
STS: Und wie sieht es mit Geomantie und Feng Shui aus?
Georg: Das ist extrem stark vorhanden, darüber redet jeder. Vor allem über Feng Shui, was mich nicht sonderlich verwundert. Es sind viele Chinesen im Land, und so ist der gegenseitige Einfluß da. Astrologisch wird viel gemacht, allerdings gibt´s da nur eine Richtung, die hermetische Astrologie. Das ist, naja, ein bisschen fettarm. Die können was, aber das sind diese wertkonservativen Sachen. Die sind aus Amerika beeinflusst, das geht sehr in´s Wahrsagerische rein. Ich war da ein Außenseiter. Die haben gestaunt, wie, auf welche Art und Weise ich interpretiere, was in Deutschland recht normal ist. In den “Gelben Seiten" finden sich Massen von Astrologen, unvergleichbar mit Deutschland.
STS: Wenn du jetzt insgesamt auf die Reise zurückblickst, was ist das Neue, Besondere gewesen, wo du sagst, wunderbar, dass ich diesen Kick gekriegt habe?
Georg: Die Energie des Landes zu spüren. Mitzukriegen, wie die Leute sich dort verändern. Wenn man aus der hiesigen Sicht so sagt, naja da haben sie halt die ganzen “Verbrecher" hingeschickt - davon merkst du nichts! Australien verändert! Ich bin überzeugt, dass das innerhalb von wenigen Jahren schon passiert, dass du ganz anders draufkommst. Das hat mich sehr beeindruckt. Andererseits: Ich könnte in Australien nicht leben, weil ich da erst mal auf die Barrikaden ginge! Wegen dieser beknackten Einstellung. Die sagen uns geht´s doch klasse. Unser Chef ist in England, am anderen Ende der Welt, die Queen. Sie haben sie ja wieder gewählt. Und sie bilden sich ein, sie wären unabhängig von England. Da könnte ich keine Esoterik machen, da müsste ich in die Politik gehen, echt!
Das war für mich schon problematisch. Wenn du da siehst, wie naiv die sind. Da kriegste die Krise! Hier in Europa und Deutschland hast du eben Reibungspunkte. Als ich bei meiner Rückkehr aus dem Flugzeug ausstieg, sagte ich zu mir, ach endlich mal wieder frische Luft. Das ist schon angenehm, wenn du das richtig spürst, ...Da unten bist du Teil der Natur und hier stehst du dem gegenüber. Das hat was. Dort unten gibst du zu schnell die Verantwortung ab. Hier musst du dich drum kümmern, dass du überlebst. Das beginnt schon mit der Verantwortung bezüglich Ernährung, Heizung. Die Aborigines im Busch, die rennen den Fischen, den Känguruhs und den Motten hinterher, weiter haben die nichts zu tun.
STS: Den Motten?
Georg: Ja, ca. 50 km von Canberra entfernt gibt es Höhlen, wo sich in einem bestimmten Monat des Jahres Millionen von Motten entpuppen. Die Aboriginals holen die raus, rösten die auf dem Feuer und essen die. Das ist, soweit ich gehört habe eine nahrhafte Delikatesse.
STS: Aber so in den Behausungen, Siedlungen der Aboriginals bist du nicht gewesen?
Georg: Siedlungen?- Die leben entweder draußen im Busch, und die, die in der Stadt sind, sind entweder richtig bürgerlich angepasst - relativ uninteressant - oder sind zu Alkoholikern geworden und verkommen zu Asozialen in den Slums.
STS: Und die anderen leben in der Natur?
Georg: Ja, es gibt immer noch unendlich viele Stämme, die irgendwo herumziehen. Die muss man finden. Das ist schwer. Aber die gibt's, wie es hunderte von Sprachen dieser australischen Ureinwohner gibt.
STS: Und, werden sie wirklich toleriert in Australien?
Georg: Ja, gerade in den letzten zehn Jahren gibt's in Australien eine Bewegung, die darauf hinausläuft, sich bei den Aboriginals zu entschuldigen.
STS: Drei Wochen warst du unterwegs - Canberra, Melbourne, Sydney, aber die Aboriginals hast du dir nicht vorgenommen, etwa, um deren Kultur näher zu erforschen?
Georg: Ich habe mir gar nichts vorgenommen, ich wollte den Abramelin übersetzen. Und ansonsten war mir das völlig egal, ob ich überhaupt etwas vom Land sehe.
STS: Wow, richtig zielorientiertes Handeln! Willst du zukünftig den daran Interessierten behilflich sein, bei der praktischen Umsetzung der Abramelin-Ideen? Sind z.B. spezielle Veranstaltungen und Kurse u.ä. geplant?
Georg: Das habe ich bisher noch nicht geplant. Ich plane einen zweiten Band, der mehr praktische Aspekte zum Thema bringt. Das ist aber noch nicht so weit, wie ich es mir wünsche. Das ist eine Finanzfrage, ich muss die Produktion selber finanzieren.
STS: Wie ist es überhaupt in diesem Bereich, finden sich für so ein Projekt Sponsoren?
Georg: Ich hab noch keinen gefunden. Obwohl, Stephen ist für mich ein Sponsor. Er hat die Übersetzung gemacht, ohne zu fragen, was er dafür kriegt. Weiser hätte so um die 20 000 Dollar dafür hinlegen müssen. Stephen bekommt von mir einen prozentualen Anteil von meinem Autorenhonorar. Ich kann ihn daher als Sponsor betrachten, weil er eigentlich gar nichts verlangt hat.
STS: Bei welchem Verlag wird die neue englische Übersetzung herauskommen?
Georg: Bei Samuel Weiser. (Hast du ein Bild von Samual Weiser, oder ein Logo?) Ich denke, ich hätte es nicht besser treffen können.
STS: Neben deinen Abramelin -Arbeiten führst du hier in Leipzig noch deine Praxis für Analytische Astrologie und Traumdeutung. Und du bist mit Partnern und Freunden dabei, das Haus, in dem du lebst und als Astrologe arbeitest, auszubauen.
Georg: Was das Haus betrifft, wir werden hier einen Kultur-und Seminarraum einrichten. Außerdem gibt es schon Gästezimmer, wo Leute günstig übernachten können. Zum Beispiel beim Wave & Gothik Meeting zu Pfingsten.



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