Erschaffung magischer Universen
Wir haben eine Alltagssprache, mit der wir uns im alltäglichen Leben verständigen. Wissenschaftler haben ihre jeweiligen Spezialsprachen, mit denen sie sich klar und präzise ausdrücken. Und Magier verwenden Kabbalah als Sprache, mit der sie magische Phänomene beschreiben. Kabbalah ist aber nicht nur eine Sprache, denn mit den kabbalistischen Methoden können neue Welten und Universen ebenso erschaffen wie erkannt werden. Dieser Artikel erklärt, wie das funktioniert.
von Pandula
Sprache der Magie
Die Kabbalah ist die Sprache der Magie. Im Gegensatz zu unserer Alltagssprache oder zu den wissenschaftlichen Sprachen verwendet sie jedoch keine Symbole als Zeichen, sondern Icons. Icons sind Zeichen, die die Objekte, die sie bezeichnen, mittels Ähnlichkeit darstellen. Ein Beispiel mag das veranschaulichen: Das Icon für das Sternzeichen Stier - - hat Hörner, wie der reale Stier, auf den es verweist. Es ist also durch Ähnlichkeit mit dem Objekt verbunden.
Symbole sind dagegen Zeichen, die per Konvention festgelegt sind. Wir haben uns beispielsweise darauf geeinigt, daß wir mit dem Wort "Baum" das entsprechende Objekt bezeichnen wollen. Das Wort "Baum" hat jedoch keinerlei Ähnlichkeit mit dem wirklichen Baum.
Kabbalah erfüllt jedoch weit mehr als die Funktion einer Sprache. Sie ist auch ein System von Methoden, mit denen nach bestimmten Regeln Verbindungen zwischen Ideen geknüpft werden können.
Jede Idee bewirkt etwas, beeinflußt andere Ideen, verändert sich selbst und verändert andere Ideen, wird konkreter oder allgemeiner. Ideen sind keine toten Gebilde, sondern sie sind lebendig und verändern sich im Laufe der Evolution. Ideen, die nicht im Strom der Evolution mitschwimmen, sterben aus. Sie vergehen, keiner erinnert sich mehr an sie, sie werden vergessen. Ideen ähneln chemischen Molekülen. Sie sind ebenso wie diese aus Atomen (einfacheren Ideen) zusammengesetzt, von denen jedes eine bestimmte Wertigkeit hat. D. h. jede Idee bietet Anknüpfungspunkte für eine Anzahl anderer Ideen.
Das Wort "Mensch" ist auch eine Idee. Es ist eine sehr allgemeine Idee, die für viele Milliarden Wesen auf der Erde zutrifft (die gestorbenen der Vergangenheit und die noch nicht geborenen der Zukunft können auch mitgerechnet werden). Folglich ist auch die Bedeutung dieser Idee eine sehr allgemeine.
Nimm statt dessen Deinen Namen. Dieser ist schon viel konkreter und trifft nur noch auf einen Bruchteil der Menschen zu. Dann nimm Deinen Vor- und Zunamen und Du hast die Menge von Menschen, die so genannt werden, noch mal um einiges eingegrenzt. Wenn Du zuguterletzt noch die genaue Geburtszeit und den -ort hinzunimmst, dann kommst Du zu einer einzigartigen Idee, die durch Dich allein repräsentiert wird.
Mit der Kabbalah spielt man gewissermaßen mit den Ideen, man verbindet solche, zwischen denen man zuvor noch keine Verbindung gesehen hat. Man konkretisiert oder verallgemeinert die Zusammenhänge. Durch die Beschäftigung mit diesen Ideen nimmt man Einfluß auf sie, kann sie verändern und damit auch die Welt verändern. Je allgemeiner die Ideen jedoch sind, desto schwerer lassen sie sich verändern. Je konkreter die Ideen, desto einfacher lassen sie sich verändern.
Magie ist Veränderung von Wahrscheinlichkeiten
Wollen wir etwas auf magische Weise bewirken, dann nehmen wir Einfluß auf Wahrscheinlichkeiten. Um Wahrscheinlichkeiten verändern zu können, benötigen wir ein flexibles Zeichensystem - ein solches, wie es die Kabbalah ist. Um Wahrscheinlichkeitsfelder verändern zu können, benötigt jeder seine eigene Kabbalah. Denn nur die Zeichen, die man selbst verstanden und verinnerlicht hat, können verwendet werden - nur diese kann man wirkungsvoll anwenden, nur mit solchen können wir die Welt (über die Wahrscheinlichkeitsfelder) verändern.
Ein Wahrscheinlichkeitsfeld ist ein nicht-materielles Feld, welches weder Energie noch Materie enthält. Dennoch beeinflussen diese Felder materielle Phänomene. Dies hört sich nach einer ziemlich abgedrehten Theorie an - Phänomene, die weder materiell noch energetisch sind, bewirken materielle Phänomene - ist aber durch die Theorie der modernen Quantenphysik experimentell sehr gut bestätigt.
Was können wir uns unter einem Wahrscheinlichkeitsfeld vorstellen? Wenn wir eine Stadt als Wahrscheinlichkeitsfeld beschreiben, dann geben wir für jeden Ort der Stadt die Wahrscheinlichkeit an, mit der eine Eigenschaft zu einer bestimmten Tageszeit gegeben ist. Für ein Kaufhaus ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dort Menschen in der Nacht anzutreffen (außer vielleicht dem Nachtwächter), für die Tagesstunden ist die Wahrscheinlichkeit andererseits sehr hoch. Die Wahrscheinlichkeit, an einem bestimmten Ort ein Gebäude zu finden bleibt über viele Jahre gleich, aber wenn sie sehr hoch ist (d. h. wenn an dieser Stelle ein Gebäude steht), dann wird diese Wahrscheinlichkeit im Laufe der Jahrzehnte sinken. Denn je älter das Gebäude wird, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, daß es abgerissen wird, also nicht mehr dort steht.
Prinzipiell können wir die ganze Welt als Wahrscheinlichkeitsfeld beschreiben. Solch eine Weltbeschreibung ist natürlich höchst komplex. Denn diese Sichtweise erfordert eine viel größere Flexibilität des Denkens als es die eindeutigen Gesetzmäßigkeiten der Naturwissenschaften nahelegen. Die Ereignisse in der Welt sind nicht mehr so eindeutig bestimmbar. Es wird immer die Möglichkeit mitgedacht, daß auch etwas anderes eintreten könnte: daß die Sonne auch morgen früh aufgehen wird hat zwar einen sehr hohen Wahrscheinlichkeitswert, aber es gibt eine - wenn auch sehr geringe Wahrscheinlichkeit - daß sie aus irgendwelchen Gründen nicht aufgeht.
Ein Wahrscheinlichkeitsfeld hat sechs Dimensionen: Die 3 Raumdimensionen (Länge, Breite, Höhe), die Auftretenswahrscheinlichkeit, die Zeitdimension und die Veränderungswahrscheinlichkeit. Wir können für alle Raum-Zeitkoordinaten die Wahrscheinlichkeit des Auftretens aller möglichen Phänomene angeben: Das Phänomen X ist an den drei Raumkoordinaten x, y, z zu einem Zeitpunkt t mit einer Wahrscheinlichkeit von y anzutreffen (Auftretenswahrscheinlichkeit). Wobei sich die Wahrscheinlichkeit y im Laufe der Zeit mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit verändert.
Wahrscheinlichkeiten mit geringer Veränderungswahrscheinlichkeit sind z. B. Naturgesetze. Nach dem Modell der Wahrscheinlichkeitsfelder sind die Naturgesetze nicht unwiderruflich festgeschrieben und unveränderbar, sie haben einfach eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, bzw. eine sehr niedrige Veränderungswahrscheinlichkeit. Magie ist also die Beeinflussung (Veränderung) von Wahrscheinlichkeitsfeldern.
Wie funktioniert Kabbalah?
Die Verwendung kabbalistischer Methoden impliziert immer eine Absicht. Das heißt, der Kabbalist wählt bestimmte Ideenverbindungen aus, die er für bedeutungsvoll erachtet und in seiner Analyse verwendet und läßt andere Ideen unbeachtet liegen. Es ist sogar unmöglich alle Verbindungen zu berücksichtigen, weil ein unendliches Netz von Verknüpfungen entstehen würde, an welchem der Kabbalist entsprechend auch eine Ewigkeit knüpfen würde.
Indem der Magier kabbalistische Methoden anwendet, verknüpft er verschiedene Ideen miteinander. Je mehr Korrespondenzen er zu einer Idee findet, desto enger zieht er das kabbalistische Netz und desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, daß diese Verbindung sich im Weltbild des Kabbalisten realisiert. Die Anwendung von Kabbalah ist immer ein Erkennen und Erschaffen.
Kabbalah ist ein Zeichensystem, auf dessen Grundlage Magie ausgeübt werden kann. Das heißt, indem wir die kabbalistischen Methoden anwenden, wirken wir auf die Wahrscheinlichkeitsfelder ein und können so Veränderungen bewirken. So erzeugt zum Beispiel ein Ritual, welches auf der Basis kabbalistischer Zeichen ausgearbeitet und durchgeführt wird, ein Wahrscheinlichkeitsfeld, was die Wahrscheinlichkeiten in Richtung des Zwecks, der mit dem Ritual formuliert wurde, erhöht. Du verwendest in einem Ritual Zeichen, welche mit dem Ziel korrespondieren, welches Du erreichen willst. Du mußt die Zeichen, mit denen Du operieren willst, vollständig in ihrer Bedeutung verstanden haben, damit sie wirken können. Die Kabbalah stellt die Regeln zur Verfügung, nach denen die Verwandtschaftsbeziehungen bestimmt werden. Dadurch wird es möglich, die bestehenden Zusammenhänge auf ihre Richtigkeit zu prüfen.
Kabbalistische Beispielanalyse
Ein zentrales Prinzip der Kabbalah ist die Entsprechung von Buchstabe und Zahl. Jeder Buchstabe entspricht einer Zahl. Jede Zahl beschreibt eine abstrakte Idee. Eine Beschreibung in Zahlen ist die abstrakteste und allgemeinste Beschreibungssprache der Welt. Wenn also Zahlen und Buchstaben sich entsprechen, dann sind Ideen mit dem gleichen Zahlwert verwandt.
Untersuchen wir einen bestimmten Begriff, um das zu demonstrieren. Ich wähle hier die hebräische Kabbalah, weil diese schon durch mannigfaltige Forschungsergebnisse bestätigt wurde. Ich will herausfinden, was der Mensch ist, woher er kommt, wohin er geht (bzw. gehen sollte).
Die hebräische Bezeichnung für "Mensch" ist ADM. ADM bedeutet Mensch, Menschheit, der erste Mensch; außerdem hat das Wort die Bedeutung rot, roter Stein, roter Edelstein.
Verwenden wir die Methode der Gematria, dann berechnen wir den Zahlwert, welcher von ADM 45 ist und suchen nach weiteren Ideen, welche den gleichen Zahlwert haben. Wir finden im '777' zum Beispiel:
ZChL gleiten, sich fürchten, im Staube kriechen, die Schlangen
LVT Verhüllung, Schleier, verhüllen
MAD Bedeutsam, kräftig, gänzlich, Mächtigkeit, Kraft, Wucht
außerdem ist 45 die Mystische Zahl von Yesod (1 + 2 + 3 + ... + 9 = 45)
Laut der Genesis, dem 1. Buch Mose, ist der Mensch aus Staub bzw. rotem Lehm geschaffen worden. (Genesis 2:7 "Da bildete Jehova Elohim den Menschen, Staub von der Erde, und blies den Odem des Lebens in seine Nase, und also ward der Mensch eine lebendige Seele.") Er wurde nach dem Ebenbild Gottes geschaffen (Genesis 1:26 "Und Elohim sprach: Laßt uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei"). Das heißt, der Mensch hat in sich das Potential sich selbst zu einem Gott zu entwickeln. Dieses Fähigkeiten sind nur noch verhüllt. Der Mensch muß selbst diesen Schleier lüften, damit er die Kraft und die Macht eines Gottes zur Geltung bringen kann.
Verwenden wir die Methode der Kabbalah der neun Kammern, dann kommen wir zu weiteren korrespondierenden Begriffen. Bei dieser Methode werden alle Buchstaben in eine Tabelle mit neun Kammern geschrieben, wie in der Abbildung gezeigt.
300 30 3 Sh L G 200 20 2 R K B 100 10 1 Q I A
600 60 6 End-M S V 500 50 5 End-K N H 400 40 4 Th M D
900 90 9 End-Tz Tz T 800 80 8 End-P P Ch 700 70 7 End-N O Z
Tafel der Kabbalah der neun Kammern
Mit Hilfe der Kabbalah der neun Kammern erhalten wir die Struktur eines Begriffs. Dazu werden einfach die Nullen weggestrichen - also wird aus einer 400 eine 4, aus einer 30 eine 3 etc. Nullen, die an eine Ziffer angehängt sind, bedeuten immer eine Verfestigung (Solidifizierung) oder Materialisierung der Idee, welche durch die erste Ziffer ausgedrückt wird. Umgekehrt bedeutet die Multiplikation einer Zahl mit 10 eine Verfestigung dieser Idee und die Multiplikation mit 100 deren Materialisierung. So ist z. B. IM (Jam), 10 - 40, was Meer bedeutet, die Verfestigung von AD (Ed), 1 - 4, was Dunst (im Sinne des uranfänglichen Nebels der Genesis) bedeutet. Sämtliche auf diese Art erhaltenen Worte (Variationen) sind miteinander verwandt, weil sie dieselbe Strukturformel haben.
Begriffe, welche die gleiche Struktur wie ADM haben (auf die Grundzahlen reduziert: 1 - 4 - 40) sind die folgenden:
JThD 1. Pflock, den man in die Wand schlägt, um etwas daran zu hängen (Zeltpflock, fester sicherer Wohnplatz); 2. Stück Holz, womit beim Weben die Fäden "aufgeschlagen" werden; 3. Spaten, Schaufel.
AMTh 1. Beständigkeit, Bestand; 2. Zuverlässigkeit, Gewißheit, Sicherheit (z. B. zuverlässiges Zeichen, sicherer Weg); 3. Als moralische Eigenschaften: Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Treue; 4. In Bezug auf berichtete Tatsachen: Wahrheit.
JThTh Jetheth, ein edomitischer Fürst.
In der Struktur des Begriffs ADM liegt die Entwicklung von der Zahl Eins, der Einheit, über die Vier zur ihrer Verfestigung, der Vierzig. Die Eins ist der Ursprung der Zahlen, aus der alle anderen Zahlen "geboren" werden. Sie ist die Ein-heit. Als solche repräsentiert sie eine Welt, außerhalb welcher nichts besteht, da Alles, buchstäblich Alles in ihr enthalten ist (auch alle anderen Zahlen). Die Vier bezeichnet das Ende eines Zyklus. Was nachher folgt, ist nur noch Abwandlung und Wiederholung. Ausgehend von der Zwei ist die Vier die größte und weitest entfernte Möglichkeit. Der Teilung ging die ungeteilte Eins voran. Die Vier besagt, daß man sie auflösen kann in 4 + 3 + 2 + 1, ihre Summe ist die 10. Die Vier ist denn auch die Basis eines Systems, das den Aufbau der ganzen Welt und unseres Denkens durchdringt.
Untersucht man die Einzelbedeutung der Buchstaben des Wortes ADM, dann gelangt man zu folgenden Deutungen:
Aleph Dieser Buchstabe wird nicht gesprochen, er stellt nur einen unhörbaren Hauch dar, damit andeutend, daß die Grundlage das Schweigen ist. Das Aleph deutet die Dualität an, indem es aus zwei Jods und dem verbindenden Vau gebildet wird. Aleph hat die Bedeutung Ochse; oder eher Haupt des Ochsen. Der Ochse ist das Selbstbewußte und Starke, das immer bereit ist zu streiten und sich durchzusetzen. So wird die Entwicklung der Evolution mit dem Ochsen in Gang gesetzt. Das griechische Alpha wird abgeleitet aus Kadmos - KDM = früher, Osten; damit besteht eine Verbindung zu Adam Kadmon.
Dalet Der Buchstabe Dalet symbolisiert die Tür im Hause Beth. Die Tür ist die vier, die Gegenüberstellung der zwei mit sich selbst. Die Tür kann offen oder geschlossen sein. Ist sie offen, repräsentiert sie den Zugang zu anderen Realitäten. Ist sie geschlossen, stellt sie die Dualität dar, beschreibt die Gegensätze. Die Tür symbolisiert das Eintreten und Austreten, man kann von drinnen nach draußen schreiten oder Besuch von draußen aufnehmen. Beides ist notwendig, so wie auch das Einatmen des Ausatmens bedarf.
Mem Der Buchstabe Mem bedeutet Wasser; oder eher Zeit, die durch die Bewegung entsteht. So wie das Wasser fließt, so vergeht die Zeit; Zeitfluß. Das Wasser ist die Grundlage des physischen Lebens, d. h. das Aufnehmen der Zeit ist für den Menschen notwendig - ohne das Wasser verdurstet der Mensch, geht er an der Langeweile (Sinnlosigkeit) zugrunde. Alle Zahlen mit 4 haben etwas mit Zeit zu tun. Aus der Bibel kennen wir z. B. den Ausspruch 40 Jahre durch die Wüste gehen - das bedeutet eine lange Zeit durch die Wüste gehen. Mem ist ein geschlossener Buchstabe, so Mäßigung und Einheit anzeigend. Er wird aus Kaph und Vau gebildet, aus der handelnden Hand und dem vollkommenen Menschen, was 20 + 6 = 26 ergibt, der Zahlwert von JHVH.
Zusammen mit dem Kaph und dem Lamed deutet das Mem an, daß die Zeit in Bewegung gesetzt wird. Wenn der Narr sich bewegt, entsteht die Zeit. Die Einheit ist unterscheidbar.
Dadurch, daß der Mensch (Adam) die Frucht vom Baum der Erkenntnis gegessen hat, hat er die Erkenntnisfähigkeit erworben, die ihm erlaubt die Gesetze des Universums zu erkennen. Mit diesem Wissen ist er prinzipiell in der Lage selbst Universen zu erschaffen.
Die Schlange, die Eva dazu verführte vom Baum der Erkenntnis zu essen, spielt eine Schlüsselrolle in diesem Entwicklungsprozeß. Auch die Kundalini ist eine Schlange, die zusammengerollt im untersten Chakra, dem Muladhara-Chakra, jedes Menschen ruht. Indem der Mensch diese Kundalini-Schlange erweckt und erhebt bis diese aus dem obersten Chakra, dem Sahasrara-Chakra, austritt, macht er sich unabhängig von dem materiellen Körper, mit dem er zuvor fest verbunden ist. Er macht sich damit zum Geistwesen, was vorher in dem Gefängnis von Fleisch und Knochen eingepreßt war. Durch diese Befreiung wird der Mensch unsterblich. Denn sterblich ist nur die Hülle, die aber den Geist, sofern der Mensch diesen nicht von der sterblichen Hülle gelöst hat, mit in die Verwesung zieht.
Der nächste Schritt des Menschen ist also nach der Erlangung der Erkenntnisfähigkeit der der Unsterblichkeit.
Soweit meine persönliche Analyse (aus Platzgründen gekürzt). Ein anderer Mensch mag zu anderen Ergebnissen kommen, weil er andere Ideen miteinander verknüpft. Neulich mußte ich zum Beispiel feststellen, daß der Gedanke an ein ewiges Leben nicht nur Faszination und sprudelnde Ideen erzeugen kann, sondern auch Unverständnis oder gar Grauen. Die Aussicht an eine ewige Wiederholung des gleichen Alltags, der gleichen Fernsehsendungen, des gleichen eintönigen Jobs etc. erscheint natürlich als wenig erstrebenswert. Je nachdem welche Perspektive man vor einer solchen Analyse einnimmt, wird man auf entsprechende Weise die Ideen, die man miteinander verbindet, selegieren.
Dieses Beispiel veranschaulicht vielleicht auch, daß es nicht nur um Erkennen, sondern auch um Erschaffen geht. Jedem Menschen stehen prinzipiell alle Möglichkeiten offen: Karriere, Berühmtheit, Spezialist in einem Fachbereich, Spitzensportler, großer Magier, ... man muß nur wissen wie man es anfängt. Je nachdem, was ich für möglich erachte, handle ich. Auf diese Weise bemühe ich mich um einige Ziele mehr, andere formuliere ich gar nicht erst, weil ich sie für unmöglich erachte.
Wohin sich eine Idee in Deiner kabbalistischen Analyse entwickelt, hängt davon ab, welche individuellen Assoziationen Du zu dieser Idee entwickelst, welche neuen Gedankenverbindungen Du zuläßt und welche Du nicht beachtest, oder vielleicht sogar empört abstreitest, daß es da eine Verbindung geben könnte. Wende die Methoden auf Deinen bürgerlichen Namen an, und Du wirst damit nicht nur neue Erkenntnisse sammeln sondern Dich ebenso neu erschaffen.
Wir haben oben eine Hypothese formuliert, eine hypothetische Antwort auf die anfangs formulierte Frage was der Mensch ist. Ist das jetzt nun richtig, was wir da herausgefunden haben? Wie können wir die Korrektheit unserer Analyse prüfen? Wie können wir herausfinden, ob wir da etwas Wirkliches beschreiben oder ob wir einfach nur phantasieren?
Kontinuität
Was ist das Kriterium für Realität, also dafür, daß das Erschaffene nicht nur ein Phantasiegebilde ist, sondern unabhängig von unserem Denken existiert? Das Kriterium für Realität ist Kontinuität. Das heißt, wenn Du eine Astralreise machst und die Ebene, unabhängig davon, ob Du daran denkst oder nicht, weiter existiert, dann kann sie als real bezeichnet werden. Wie stellst Du nun fest, ob sie da ist, auch wenn Du nicht da bist? Du kannst es ja nicht wahrnehmen, wenn du nicht da bist. Stelle Dir vor, Du besuchst die Erdebene und der Gnom erkennt Dich auch noch beim zweiten Mal, so besteht darin die Kontinuität. Es ist vergleichbar mit dieser weltlichen Ebene, wo Dich der Bäcker auch morgen noch erkennen wird.
Ein Gegenbeispiel sind Träume (zumindest die meisten). Das Traumleben ist (ausgenommen bewußt erlebte oder gestaltete Träume) nicht kontinuierlich. Du träumst meistens etwas anderes und selbst, wenn Du am gleichen Ort bist, ist es doch wieder anders, andere Leute sind da und selbst Gebäude sind nicht immer gleich. Manchmal ändert sich ein Traum sogar innerhalb eines Sinnzusammenhangs: Du bist plötzlich woanders oder hast Dich selbst verändert, vertraute Menschen kennen Dich nicht mehr oder Du sie nicht.
Plausibilität
Die individuelle Gewißheit ist notwendig für die Veränderung von Wahrscheinlichkeiten. Wenn Du im Lotto gewinnen willst, aber bei kurzem Nachdenken darüber darauf kommst, daß es ja eigentlich höchst unwahrscheinlich ist, dann wirst du mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht gewinnen.
Das Regelsystem der Kabbalah dient dazu, die Ergebnisse der Analyse zu plausibilisieren. Die individuelle Gewißheit wird dadurch erzeugt, daß sich die Ergebnisse logisch auf die Regeln zurückführen lassen. Bilder allein sind zu einfach, als daß man mit reiner Vorstellungskraft Wahrscheinlichkeiten verändern könnte. Es mag vielleicht teilweise funktionieren, ist aber doch insgesamt eine sehr ungenaue Methode, um die eigenen Ziele zu erreichen. Sie kann zur Folge haben, daß bei der Vorstellung von einem großen Geldsegen, die liebe Oma stirbt und man das Vermögen erbt. Ein Wunsch geht in Erfüllung, aber mit unliebsamen Nebenwirkungen.
Außer der Vorstellungskraft bedarf es der kognitiven Durchdringung, um zum Ziel zu gelangen. Der Mensch besteht, metaphorisch gesprochen, aus Kopf, Herz und Hand. Und die Überzeugung von dem Ziel muß auf allen drei Ebenen gegeben sein. Jedoch ist bei unterschiedlichen Menschen das Schwergewicht je nach Typ verlagert. So kann es sein, daß einer nur ein simples Erklärungsmodell braucht, aber mit einer intensiven Vorstellungskraft an sein Ziel geht. Ein anderer, der die gleiche Technik anwenden will, kann fürchterlich scheitern, weil für ihn die Erklärung vielleicht nicht ausreichend ist. Er braucht eine etwas präzisere Theorie, wieso das Ergebnis mit dieser Methode eintreffen wird.
Zum Schluß stellt sich vielleicht noch die berechtigte Frage, ob jeder Kabbalah verstehen und anwenden muß, um Magie betreiben zu können. Ich behaupte, es bedarf der Anwendung kabbalistischer Methoden. Wobei es aber auch Menschen gibt, die einen intuitiven Zugang zu den Methoden haben. Sie können Kabbalah anwenden, ohne es jemals gelernt zu haben, ja, vielleicht sogar ohne anderen genau erklären zu können, wie sie das eigentlich machen. Magie ohne Kabbalah ist wie Wissenschaft ohne Definitionen.



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