Die Tempelritter, 2. Teil

Vor wenigen Jahren hat ein englischer Forscher die Hypothese untermauert, dass sich die Lade heute in Äthiopien befindet. Sie kann aber nur von einer einzigen Person einmal im Jahr in Augenschein genommen werden. Und diese Person ist an das Schweigen darüber gebunden.

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Ob die Bundeslade mit den Tafeln, dem Aaronstab und dem Mannamaß durch die Tempelritter gefunden wurden ist, kann nicht bewiesen werden. Zweifelsfrei jedoch ist, dass genau mit der Rückkehr der ersten Tempelritter im Jahre 1128 der Beginn des gotischen Kathedralenbaus korrespondiert.

Immer wieder Chartres

Auf zwei Säulen des Nordportals von Chartres, dem sogenannten Eingeweihtenportal, wird das Thema der Bundeslade bildhauerisch bearbeitet. Auf ihnen befindet sich die Inschrift: Archa cederis was soviel heißt wie: Durch die Bundeslade wirst du wirken. Charpentier stellt bei seinen Forschungen fest, dass die Kathedrale um ein Zentrum herum konstruiert worden ist. Der erste Akt beim Bau eines Tempels ist die Errichtung der Säule im Zentrum des heiligen Bezirkes. Die Höhe der Grundsäule war ausschlaggebend, ergaben sich doch aus der Länge der sie umwandernden Sonnenschatten die Maße, deren Abbild der wechselnden Konstellation von Erde und Sonne, der Bewegungen der Planeten und des Tierkreises rational fassbar wurden.

Am Nordportal von Chartres findet sich eine Darstellung von Moses. Er trägt eine Säule mit Kapitell, die Tempelsäule. Der Schatten der Tempelsäule, bestimmte die Umgrenzung des späteren Kult-Platzes.. Nach Charpentier ergab sich aus dieser inneren Umgrenzung die erste Tafel, deren Dimension vom Schatten der Säule bestimmt wurde und deren Proportionen eine geheime Tradition angab. Ist die Aussage im Hebräer 10,1 – “ denn das Gesetz hat den Schatten von zukünftigen Gütern, nicht das Wesen der Güter selbst” in diesem Kontext sinnvoll interpretierbar oder gar damit gemeint?

Das heilige Maß - die Zahl 21

Barg der grünende Aaronstab ein ganz bestimmtes heiliges Maß? Soweit sich die zur Tradition der Templergotik und der dafür maßgeblichen geometrischen Erkenntnisse der Äbte von Citeaux bekennenden Bruderschaften aus Baumeistern, Steinmetzen zu ihrem Geheimwissen äußern, wird der Zusammenhang zwischen den Tafeln des Gesetzes und dem Ringen der Templer um den Heiligen Gral hergestellt. Sie formulieren einen wichtigen Teil ihres Geheimnisses wie folgt:

“Drei Tafeln haben den Gral getragen: eine runde Tafel, eine quadratische Tafel und eine rechteckige Tafel. Alle drei haben denselben Flächeninhalt; ihre Zahl ist 21...”

Wenn man die Zahl 21 als 2:1 liest und sie auf die geometrische Figur des Rechteckes mit den Seitenverhältnissen 2 : 1 bezieht, kommt man zur Diagonale Wurzel aus 5. Wird diese Diagonale um die Breite 1 des Rechtecks verlängert und teilt man diese neue Strecke durch 2, so erhält man eine Strecke, deren Zahlenwert auf 1 bezogen den Goldenen Schnitt ergibt. Die Zahl des Goldenen Schritte bezeichnet genau ein Verhältnis, dessen Teile immer auf das Ganze bezogen bleiben.

Die drei Tafeln

Der Tisch des Abendmahles, die mystische Tafel der Christen, ist rechteckig. Daher hat der Chor einer christlichen Kirche einen rechteckigen Grundriss. Auch die Grundrisse ägyptischer und griechischer Tempel basieren auf dem Prinzip der rechteckigen Tafel. Der Hagia Sophia von Konstantinopel dem heutigen Istanbul liegt die quadratische Tafel zugrunde, ebenso dem Allerheiligsten des Salomonischen Tempels.

Die Rundkirchen der Tempelritter jedoch wurden über der runden Tafel errichtet. Mathematisch und baugeometrisch interessant ist nun, dass man durch Anwendung mathematischer Operationen ausgehend vom Zahlenwert des Goldenen Schnittes ( 1,618...) auf die Konstante p = 3,1416... stößt, mit deren Hilfe Umfang und Oberfläche eines Kreises ermittelt werden können, sofern dessen Durchmesser bekannt ist.

Das heißt, dass die rechteckige Tafel mit dem Seitenverhältnis 2 : 1 den Schlüssel zur Verwandlung einer rechteckigen Oberfläche in eine Kreisfläche enthält. Die runde Tafel kann also von der rechteckigen Tafel abgeleitet werden.

Charpentiers Messungen

Charpentier macht sich nun nach dieser Erkenntnis daran, die Kathedrale auszumessen. Würden die drei Tafeln in der Kathedrale von Chartres eingeschrieben sein, so wäre das ein deutliches Indiz dafür, dass die Templer das Geheimnis um den Heiligen Gral im obigen Verständnis gelüftet haben und für jedermann sinnlich wahrnehmbar werden ließen. Offenbar war den Templern im Zusammenwirken mit den Baumeistern um die Mönche von Citeaux daran gelegen, jedermann die Chance zu geben, den Bauplan des Schöpfers intuitiv zu erfassen, instinktiv zu spüren oder wissenschaftlich zu ergründen.

Die Kathedralen vereinigen in sich ein faszinierendes Arrangement von kosmologischem Gespür, ethischer Vision und handwerlicher Kunst. Oder anders formuliert von Intuition, Intelligenz und Mystik. Jedes Detail beherbergt seine ganz individuelle Aussage in symbolischer Form und ist dennoch als Teil des Ganzen nicht nur nicht verzichtbar, sondern dieses selbst prägend.

Handanlegen, Verwirklichen, Umsetzen, Erschaffen der Formen, die den Menschen die Einsicht und Kenntnis kosmischer Prinzipen erleben ließen – dieses Herangehen gelang den Templern nicht nur in Bezug auf den Kathedralenbau.

Die Templer nach dem Fall von Jerusalem und Akkon

Nach dem Fall von Jerusalem und der Templer-Hochburg Akkon im Jahre 1291 ziehen sie sich nach Zypern zurück. Sie errichten hier ihren Hauptsitz und kontrollieren von hier alle Angelegenheiten, die sich aus der Verwaltung ihrer Komtureien in Europa ergaben. Die besten der durch die jahrelange Schule von Ordensregeln, Ordenshierarchie und Geheimkonventen gegangenen Brüder übernahmen verantwortungsvolle Aufgaben in den jeweiligen Provinzen. Konkret sorgten sie dafür, dass:

  • die Bauern aus der bedrückenden Leibeigenschaft erlöst wurden,
  • ungünstig weit vom Hof der Bauern abliegende Felder oder Äcker wurden abgetauscht und zusammengelegt,
  • steinige Gebiete wurden beräumt,
  • die Fruchtbarkeit des Bodens erhöhte sich durch die Wiederaufnahme der wechselweisen Bebauung der Felder,
  • etabliert wurde der Anbau von Flachs und Leinen, die Bearbeitung der Fasern wie auch die Haltung reichhaltiger Viehbestände,
  • die Abgaben an Korn und anderen Beträgen der Bauern richtete sich anders als zuvor konsequent nach dem Ausfall der Ernte in den verschiedenen Gegenden,
  • eigene Verwalter betreuten und bewachten die angelegten Vorratshäuser.

Auch die Städte blühten durch das Wirken der Templer auf. Insbesondere die allerorts angelegten Straßen, die mit solidem Steinbett versehen ein schnelles Versickern des Wassers ermöglichten, ermutigte die Kaufleute zur Mobilität. Zudem wurden hinderliche Zollschranken und Brückengelder entweder ganz abgeschafft oder sehr erträglich für die Kaufleute gestaltet. Die Tempelritter beschützten die Straßen. Den Händlern war das so wichtig, dass sie sogar Umwege dafür in Kauf nahmen, um im sicherem Schutz und unter Nutzung der zahlreich entlang der Straßen errichteten Scheunen und preiswerten Raststätten zu reisen.

Die finanziellen Erfolge der Templer - realer Machtfaktor

Es gibt mehrere Hinweise darauf, dass den Templern über den Schiffsverkehr der Kontakt mit einem jenseits des großen Meeres (Mexico?) gelegenen Volkes gelungen ist, von woher sie Gold, vor allem aber Silber bezogen. Die Einfuhr von Silber und Gold gab dem Handel der Templer eine sichere Grundlage und erlaubte ihnen die Regelung des Geldverkehrs mit Wechseln und schriftlichen Zahlungsanweisungen im Landesinnern und vor allem in fremden Ländern.

Das war von immenser Bedeutung, weil durch die in allen Großstädten Europas errichteten Wechselstuben der immer noch riskante Transport und Tausch von Ware gegen Ware wegfallen konnte.

Nach Jacques de Montfaucon bewirkte diese neue Art des Handelsverkehrs ein solches Vertrauen in das Bankgeschäft der Templer, dass ihnen sogar der Staatsschatz des französischen Königshauses zur Aufbewahrung übergeben wurde. Als Jacques de Molay 1298 Großmeister der Templer wird, ist das Ansehen dieses Ordens gewaltig. Ob Handel, Kunst, Architektur, Diplomatie, Finanzen: Vieles ist den Templern durch ihr ebenso umsichtiges wie gewissenhaftes Engagament gelungen. Längst sind sie ein sehr realer Machtfaktor geworden.

Starker König, schwacher Papst

Lediglich der Papst hatte gegenüber diesem überall in Europa fest etablierten und ungemein erfolgreichen und innovativen Orden Weisungsbefugnis. Wer gegen die Templer vorzugehen ersann, würde auch den derzeitigen Papst herausfordern. Nun, die Geschichte hat dieses Blatt geschrieben, eine solche Person tauchte auf. Sein Name: Philipp der IV., der Schöne, König von Frankreich seit 1285. Philipp war zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt seiner Machtentfaltung. Ihm war es gelungen Papst Bonifatius VIII. zu Fall zu bringen. Jenem also, der in einer Bulle feierlich erklärt hatte, dass er auch in der irdischen Weltordnung über Kaiser und Königen stünde.

Für Bonifatius VIII. den Philipp “Seine zu große Überheblichkeit” nannte, hatten die Tempelritter jedoch Partei ergriffen. Sie hielten die Trennung der weltlichen von der geistlichen Gewalt für richtig. Ihr politisches Credo hieß: keine erbliche, sondern eine gewählte Monarchie , solle die Geschicke des Staates bestimmen. In der Ausübung ihrer Amtspflichten solle diese durch templerische Prinzipien kontrolliert und ausbalanciert werden.

Sie, die Ritter sahen sich als Wiedererrichter des Salomonischen Tempels, als schöpferische Wirkkraft Gottes auf Erden. Durch die Einsicht in dessen Weisheit auserwählt, sahen sie sich als das Zünglein an der Waage. Als vermittelnde Macht zwischen den Gewalten des Glaubens und des Wissens, den Papst und dem Kaiser.

Philipp IV.

Angesichts der Misere sich in Europa eifersüchtig beobachtender beneidender und bekämpfender Herrschaftsbereiche mag ihr Traum der eines Völkerbundes gewesen sein Jeder Fürst Europas hingegen trachtete danach, sich mit Philipp gut zu stellen, denn nichts war gewisser, als das dessen Einfluß bei der Wahl des künftigen Papstes entscheidend sein würde. Der Erzbischoff von Bordeaux gehörte zu jenen und wurde 1305 nicht nur in Billigung sondern unter Einfluß des französischen Königs als Clemens V. zum Papst erhoben. Er wusste, dass er nach Ermessen Philipps dessen Werkzeug sein würde.

Philipp, dem historisch gesehen an der Verwirklichung eines starken, autonomen französischen Staates – koste es, was es wolle – gelegen sein mochte, hätte die innere Zielsetzung des Templerordens verfälschen, den Orden in sein dynastisches Interesse zwingen müssen. Seine wiederholten Versuche, sich selbst oder mindestens seinen Sohn zum Großmeister der Templer ernennen zu lassen, schlugen fehl. Womöglich waren sie der Versuch, das universell ausgerichtete politische Ziel des Ordens, das er nicht kennen konnte, wohl aber ahnte, zu unterlaufen.

Der Hinterhalt und Vorwürfe

Jaques de Molay war die Aufgabe zugewiesen, die Vision der Tempelritter in der Zeit eines sich immer mächtiger gebärdenden französischen Königs nicht zu verraten. Im Jahre 1306 wird Molay von Papst Clemens nach Frankreich eingeladen, um mit ihn und Großmeistern anderer Orden einen neuen Kreuzzug zur Befreiung des heiligen Grabes zu besprechen. Aber die Verhandlungen ziehen sich hin. Im Oktober 1307 wird er von königlichen Offizieren gefangengenommen und ketzerischer Gesinnung wegen angeklagt. In der gleichen Nacht ergeht an alle Tempelritter Frankreichs der Haftbefehl. Die jahrhundertealte unantastbare Integrität des Ordens, seine Unabhängigkeit von jeglicher weltlicher Macht war gebrochen. Für Jacques de Molay hieß das sieben Jahre lang Einkerkerung, Verhör, Erniedrigung, Folterung bis zu seinem Opfertod. Philipp hatte in Bezug auf die Anklagepunkte ganze Arbeit geleistet. Was wurde dem Orden angelastet?

  • Kinder zu ermorden,
  • Frauen zur Abtreibung zu veranlassen,
  • homosexuelle Beziehungen zu tolerieren,
  • einen mit dem christlichen Glauben nicht vereinbaren unüberschaubaren Reichtum angehäuft zu haben.
  • geheime Rituale durchzuführen wobei eine scheußliche Kreatur namens Baphomet angebetet und das Christenkreuz bespuckt worden sei.

Zwischen 1311 und 1312 findet das Konzil zu Vienne statt. Der Templerorden wird durch päpstliche Verfügung aufgelöst ohne für schuldig befunden zu sein.

Literatur:

  • Luis Charpentier, Die Geheimnisse der Kathedrale von Chartres
  • John Charpentier, Die Templer
  • H.R.Niederhäuser, Das Geheimnis des alten Turmes,
  • Aufzeichnungen des Tempelritters Jacques de Montfaucon
  • Baigent, Leigh, Der Tempel und die Loge
  • Albert Ollivier, Les Templiers

Zeittabelle

  • 1095 Urban II. ruft auf der Synode zu Clermont die Ritter zum Kreuzzug auf, zur Befreiung des heiligen Grabes
  • 1096 Erster Krezzug, vorwiegend französischer Ritter
  • 1099 Eroberung Jerusalems. Balduin, der Bruder Gottfried von Bouillon, wird König von Jerusalem
  • 1118 Gründung des Templerordens
  • 1127 Synode von Troyes. Bestätigung des Ordens. Bernhard von Clairvaux (1090 – 1153) Mitverfasser der Ordensregel
  • 1187 Saladin erobert Jerusalem zurück
  • 1260 Fertigstellung der gotischen Kathedrale in Chartres
  • 1268 Philipp IV., der Schöne wird geboren
  • 1291 Fall von Jerusalem und Akkon, die Templer ziehen sich auf Cypern zurück
  • 1298 Jacques de Molay wird Großmeister
  • 1298 Wiedereroberung von Jerusalem
  • 1303 Tod Bonifatius VIII.
  • 1306 Clemens V. lädt Molay nach Frankreich ein, um einen Kreuzzug zu besprechen
  • 1306 13. Oktober, Verhaftung der Templer in Frankreich
  • 1312 Beendigung des Konzils zu Vienne, Aufhebung des Templerordens 
  • 1314, 18. März Flammentod von Jacques de Molay und Godefroy de Charnais
  • 1314, 20. April. Clemens V. stirbt
  • 1314, 29. November, Tod König Philipps IV.