Die Tempelritter
Der Bericht widmet sich der 200-jährigen Geschichte des Templerordens und insbesondere dem durch sie inspirierten gotischen Kathedralenbau. Die zentrale Frage lautet: Ist uns in Form der gotischen Kathedrale das Vermächtnis der legendären Tempelritter übereignet worden?
von Steffen Siegert
Die Vorhersage Jacques de Molay´s
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Das Tatzenkreuz der Tempelritter
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Mitte März 1314 werden die Anführer des Templerordens Jacques de Molay, Huigo de Pairaud, Geoffroy de Gonneville und Geoffroy de Charnay von französischen Kardinälen, sowie vieler Prälaten und Doktoren der Theologie des kanonischen Rechts zu lebenslanger Haft verurteilt. Jaques de Molay - Großmeister des Ordens und Geoffroy de Charnay – Präzeptor der Normandie protestieren gegen den Richterspruch.
Sie leugnen Geständnisse, die sie zuvor im mehrjährigen Prozess unter Folterqualen abgelegt hatten und werden in Eile auf die kleine Seine-Insel Ile des Javiaux dem Feuer übergeben.

Verbrennung der Templer Jacques de Molay und Geoffroy de Charnay auf der der Île aux Juifs
Der französische König Philipp, so heißt es, sieht der Verbrennung vom Fenster seines Palastes aus zu und zieht sich zurück, als der Geruch des verbrannten Fleisches sich über die Seine hinaus zu seinem Sitz ausbreitet. Kurze Zeit später wird ihm zugetragen, was Jacques de Molay in seiner Todesstunde prophezeite: Der König und der Papst werden binnen Jahresfrist vor den göttlichen Richterstuhl treten.
So geschieht es auch. Noch innerhalb des Jahres stirbt sowohl Philipp, wie auch der Papst. Der Orden jedoch, dessen 200- jährige Geschichte damit in der bisherigen Dimension beendet ist, wird weiter wirken und die Spuren reichen bis in die heutige Zeit.
Die Anfänge des Templer-Ordens
Wir befinden uns im Jahre 1118. Baudoin II., König von Jerusalem empfängt neun fromme und gottesfürchtige französische Ritter. Ihre Absicht: Die Gründung einer Gemeinschaft mit dem Ziel, die Pilger zum Heiligen Grab vor Dieben, Wegelagerern und Mördern zu schützen und die öffentlichen Landwege zu überwachen.
Die Unterstützung Baudoins II.
Baudoin hat es im Fall von Jerusalem mit dem Ort zu tun, an dem die Anhänger dreier Religionen aufeinandertreffen. Für die Juden ist Jerusalem der Ort, wo Salomons Tempel gestanden hat. Die Mohammedaner verehren hier den Felsblock auf dem Berg Morija als Heiligtum., denn von hier aus wurde Mohammed in den Himmel Allahs erhoben, als er sich einst müde zur Ruhe legte. Und für die Christen ist es die Stätte, wo Christus gewandelt und gelitten. Zudem, ein frommer Christ hat das Grab von Christus einmal im Leben aufzusuchen. Ferner sind die Kreuzzüge eine geeignete Methode, von der miserablen europäischen Situation widerstreitender Königshäuser und Adelsgeschlechter abzulenken. Versucht wird, aus der Not eine gewinnbringende Tugend zu machen. Baudoin II. kommt den Rittern mehr als entgegen. Er weist ihnen ein Haus in einem Flügel seines Palastes als Wohnung zu. Mit diesem Haus hat es eine besondere Bewandtnis, stand doch einst an derselben Stelle der Tempel Salomos auf dem Masjid-el-Aksa.
Die Gelübde der “Armen Ritterschaft Christi vom Salomonischen Tempel”
Die neun Ritter suchen nun den Patriarchen von Jerusalem auf mit der Bitte, ihre Aufgaben anzuerkennen und ihrem Wunsch, künftig ein mönchisches Leben zu führen und als Streiter Christi betrachtet zu werden. Der Entschluss wird gebilligt. So legen sie vor ihm die drei Gelübde der Keuschheit, des Gehorsams und des Verzichtes auf persönlichen Besitz ab.
Und etwas Erstaunliches geschieht: den neun Mönchsrittern treten die Stiftsherren vom Heiligen Grabe das Grundstück ab, welches das vom König zur Verfügung gestellte Gebäude umgab. Das gesamte Templum Salomonis steht ihnen nunmehr allein zur Verfügung. Ab jetzt nennen sie sich “Arme Ritterschaft Christi vom Salomonischen Tempel”. Durch den Historiker Guillaume de Tyr ist überliefert, dass sie neun Jahre lang allein bleiben, niemand in ihren Kreis aufgenommen wird, mit einer Ausnahme. Hugo, Graf von Champagne, einer der größten Lehnsherren Frankreichs stößt 1125 zu den neun Rittern hinzu. Er wird, als sich der Orden konstituiert, dessen Anführer, sein erster Großmeister.
Die Privilegien
Bis zum Jahre 1128 bleiben sie Laien. Mindestens sechs der Ritter kehren in diesem Jahr nach Frankreich zurück. Sie ersuchen nun, zehn Jahre nach Gründung ihrer Ritterschaft, um die Anerkennung ihrer Gemeinschaft als Orden mönchischer Konstitution. Sie werden vom Papst Honorius auf dem Konzil von Troyes anerkannt und mit Privilegien ausgestattet, die den Boden für ihren zukünftigen Einfluss bereiten. Sie unterstehen einzig und allein dem Papst. Sie werden somit als unabhängig von der Weltgeistlichkeit, den Bischöfen und Erzbischöfen erklärt. Es ist ihnen möglich, durch eigene Geistliche die Sakramente auszuüben. Vom Zehnten sind sie befreit und dürfen darüber hinaus in ihrem Einflußbereich selbst den Zehnten eintreiben, wie auch die gesamte Kriegsbeute behalten.
Bernhard von Clairvaux und die Regeln des Ordens
Die Regeln des Ordens entwarf der heilige Abt Bernhard von Clairvaux, die damals gewiss markanteste Persönlichkeit geistigen Standes im Abendland. Wem oder welcher Sache galt ihr Gehorsam?
Die heute vorliegenden Dokumente beweisen den Einfluss des heiligen Bernhard – geistiges Haupt des Zisterzienserordens. Sie legen nahe, dass sich damals nicht zufällig diese neun, später zehn Ritter trafen und vor Baudoin II. traten, sondern gesandt waren, von Bernhard de Clairvaux.
Louis Charpentier führt in seinem Buch “die Geheimnisse der Kathedrale von Chartres” eine Schwurformel der Tempelritter an, die den Eid der ersten Ritter wiederzugeben scheint:
Ich schwöre, meine Rede, meine Kräfte und mein Leben in die Verteidigung des Bekenntnisses des in den Mysterien des Glaubens gegenwärtigen Gottes zu heiligen. Ich gelobe dem Großmeister des Ordens Unterwerfung und Gehorsam. Wenn die Sarazenen in christliches Land einfallen, werde ich übers Meer fahren, um meine Brüder zu befreien. die Hilfe meines Arms soll der Kirche und den Königen gehören im Kampf gegen die Heidenfürsten. Sind meiner Feinde nicht mehr als drei, so werde ich sie bekämpfen und niemals feige die Flucht ergreifen. ohne Beistand werde ich sie bekämpfen, wenn sie Ungläubige sind.”
In einer Handschrift des Meister oder Prior einer portugiesischen Provinz heißt es: “Ich..., Ritter des Ordens vom Tempel...gelobe...Unterwerfung unter den Großmeister des Ordens, den Statuten gemäß, die uns vorgeschrieben sind von unserem Vater, dem heiligen Bernhard, ...und daß ich den Ordensbrüdern, vor allen Dingen den Ordensbrüdern von Ciiteaux und ihren Äbten...,keine Hilfe versagen werde.”
Folgende Aussage findet sich in einer in Form eines Gebets vorliegenden Verteidigungsschrift eines gefangen gehaltenen Templers: “Heilige Maria, Mutter Gottes, verteidige Deinen Orden, der von deinem heiligen und teuren Bekenner, dem seeligen Bernhard gegründet worden ist...”
Ihm, Bernhard, also galt das Gelübde des Gehorsams, noch bevor es zur offiziellen Stiftung kam, von ihm ging der Auftrag aus, der wohl mehr besagte als: bewacht die Straßen der pilgernden Christen.
Findet die Bundeslade mit den Tafeln des Gesetzes!
Seit Jahrhunderten werden die Templer mit einem geheimnisvollen Autrag in Beziehung gesetzt. Was spricht dafür?
- die Zusammensetzung der neun, später zehn Ritter,
- Bernhard von Clairvaux
- die Inhalte ihres Eides,
- die Regeln ihres Ordens,
- die Umstände der Erlangung ihres Wohnsitzes auf dem Gebiet des früheren Tempel Salomons
Und dieser Auftrag lautet: Findet die Bundeslade mit den Tafeln des Gesetzes.
Die in der Bundeslade verborgenen altüberlieferten Weisheiten des Orients sollten aufgefunden, geborgen und fruchtbar im Sinne der Wiedererrichtung des Salomonischen Tempels gemacht werden.
Der göttliche Tempel auf Erden
Der Tempelritter Jacques de Montfaucon lässt uns in seinen Aufzeichnungen wissen, dass die Bilder der alten Sprache nicht im äußerlichem Sinne zu verstehen sind. Der Tempel in seinem edlen Maß und seiner vollkommenen Harmonie wurde seit je als das irdische Abbild der göttlich-geistigen Weltordnung betrachtet. Seit er zerstört worden ist (587 v. Chr. – der babylonische König Nebukadnezar lässt den Tempel in Brand setzen), streben Menschen danach, ihn wieder aufzubauen.
“An diesem göttlichen Tempel auf Erden baut man, wenn man danach strebt, das Zusammenleben der Menschen in Familie, Orden und Gesellschaften, in den einzelnen Völkern und im Zusammenwirken der Völker über die Erde hin nach Maß, Zahl und Gewicht, das heißt nach Gesetz, Folge und Ordnung zu gestalten; man stellt den Tempel wieder her, wenn die Menschen ihre Arbeit an der Erde in Übereinstimmung verrichten mit den göttlich-schaffenden Kräften, die in der Natur walten und sie lebendig erhalten.”
Gotische Kathedralen
Augenfälligstes Indiz dafür, dass die Ritter fündig geworden sind, ist der mit dem Beginn und dem Ende des Templerordens zeitlich genau korrespondierende gotische Kathedralenbau. Was könnten die Ritter den Steinmetzen der Bauhütten, jener Zunft also, die immer zentraler ins Geschehen rückt, übermittelt haben?
- die heiligen Maßverhältnisse des Salomonischen Tempels in Form des Aaronstabes, dem gemeinsamen Nenner zwischen Mensch und Welt,
- die Gewichtseinheit des Manna
Die Kathedrale Notre Dame von Chartres steht für das Wissen dieser Steinmetz-Meister. zu verdanken. Was diese Meister über die Wirkungen von Maß, Zahl und Gewicht in den Steinen ergründeten, die sie zu Wänden und Säulen auftürmten, was sie für ein Erleben aus den Spannungsverhältnissen im Zusammenklang der Bögen, Wände und Gewölbe zu produzieren vermochten, war ihnen nach heutiger Ansicht nur durch eine genaueste Kenntnis des Sonnen-und Sternenlaufes möglich. Sie schufen in dieser Kathedrale einen Tempel, der durch seine einzigartigen Wirkungen den Schluss zulässt, dass er in seinen irdischen Maßverhältnissen kosmische Sternengesetze widerspiegelt. In seinen harmonischen Proportionen, in den Spannungen der Schwünge von Bogen zu Bogen und im Zusammenklang der Gewölbestreben sind die Intervalle der Sphärenmusik in Stein nachgebildet.
Die Kathedrale von Chartres
Der Leser beachte, dass die gotische Kathedrale von Chartres von 1190-1260 gebaut wurde. Noch hunderte von Jahren mussten vergehen, bis die kopernikanische Wende Einzug hielt. Louis Charpentier hat sich in seinem Buch “Die Geheimnisse der Kathedrale von Chartres den exklusiven Standort Chartres oberhalb tellurgischer Kraftlinien nachgewiesen. Wenn man die Standorte von der Kathedrale in Chartres mit den Standorten der anderen in Frankreich bedeutendsten Kathedralen gedanklich durch Linien verbindet, ergibt sich ein Bild, welches adäquat dem Sternzeichen “Jungfrau” am Firnament ist. Im obigen Schwur des Tempelritters hieß es: “Heilige Maria, Mutter Gottes, verteidige Deinen Orden, der von deinem heiligen und teuren Bekenner, dem seeligen Bernhard gegründet worden ist.”
Heiligtum der Druiden
Historisch und etymologisch rekonstruiert Charpentier, dass viel dafür spricht, dass sich einst auf dem Hügel, auf dem Chartres erbaut wurde, das höchste Heiligtum der Druiden, ihre oberste Gerichtsstätte, der große Eichenhain – Tempel stand. Mit anderen Worten, haben wir es hier seiner Meinung nach mit dem Mittelpunkt des gesamten Druidentums zu tun.
Die gotische Kathedrale – ein Musikinstrument?
Genaugenommen taucht die Gotik als Bausystem, das in der Prägung von Citeaux auf dem spitzbogigen Kreuzrippengewölbe beruht, nach dem ersten Kreuzzug und zwar 1128 auf. In der romanischen Bauweise besitzt das in einem ruhigen Gleichgewicht lastende Gewölbe keine Spannung. Es kann daher nicht in Schwingung geraten.
Die spezifische physiopsychologische Wirkung der Gotik jedoch beruht auf dem feinstem Arrangement von Spannungen. Diese waren in der Lage, die Schwingungen tellurgischer Quellen gleichsam einen Resonanzkasten aufzunehmen und zu verstärken. Das gotische Kreuzgewölbe basiert auf dem Prinzip der Umwandlung seitlichen Drucks in senkrechten Druck. Die Symphonie der Spannungen, unter denen die Steine stehen, hebt das lastende Gewicht des Gewölbes auf, so dass es unter dem seitlich andringenden Druck der Streben eher nach oben als nach unten ausbräche.
Das gotische Bauwerk erfordert, dass Schub und Gewicht genau aufeinander abgestimmt sind. Das Gewicht des Gewölbes, das den Seitendruck erzeugt, wird durch die Form des Gewölbes, am feinsten durch das Kreuzrippengewölbe aufgehoben. Die steinerne Sprungfeder befindet sich also in fortwährender Spannung, die durch die Kunst des Baumeisters “gestimmt” werden kann. Die Kathedrale ist somit ein Musikinstrument.
Was bewirkt dieses Musikinstrument?
Der Spitzbogen bewirkt beim Menschen, dass er sich aufrichtet. Er wird sich seiner selbst bewusst - gleichsam der federnden Kraft eines der Höhe zustrebenden, fliegenden, springenden Wesens. Er fühlt sich unter dem Spitzbogen in die Höhe getrieben. Ins Innere der Kirche eintretend soll der Mensch durch die Einwirkung der Bauformen eine Umbildung erfahren, die in ihm eine gewisse kosmische Empfindung als erste Stufe der Erweckung erzeugt.
Was genau wussten die gotischen Baumeister?
Im Exodus 31, 18 heißt es: Und da der Herr ausgeredet hatte mit Moses auf dem Berge Sinai, gab er ihm zwei Tafeln des Zeugnisses; die waren steinern und beschrieben mit den Fingern Gottes”. Diese Tafeln gelten heute bei vielen Forschern als Inhalt der Bundeslade.
Die Tafeln des Gesetzes sind die Tafeln des Logos, des Wortes, der Vernunft, des Verhältnisses, der Zahl. Salomo sagt von Gott, dass er alles mit Maß, Zahl und Gewicht geordnet hat. Moses überlieferte diese Einweisung in semitischer Sprache vermittels einer Schrift, die mit der Kabbala enträtselt werden kann. Es scheint, dass das Hohe Lied Salomos einen Kommentar zu den Gesetzestafeln darstellt. Der heilige Bernhard von Clairvaux hat dieser Schrift einhundertundzwanzig seiner Predigten gewidmet. Ein Zufall? Im Buch der Könige (1. Könige 8) findet sich innerhalb der kanonischen Schriften die letzte Erwähnung der Lade:
“Da sprach Salomon: Der Herr hat geredet, er wolle im Dunkeln wohnen. So habe ich nun ein Haus gebaut, dir zur Wohnung, einen Sitz, daß du ewiglich da wohnest”.
Helfen die Quumranrollen weiter?
In den Qumranrollen gibt es einen Hinweis, dass in dem 2000 Pferde umfassenden unter dem Salomonischen Tempel gelegenen Räumen an diversen Stellen ein Schatz vergraben worden ist. Haben die Tempelritter dort Jahr für Jahr gegraben und den Sitz der Bundeslade an einer dieser Stellen ausfündig gemacht?




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