Buchbesprechung: „Gralsstein - Der Stein der Weisen“

„Gralsstein - Der Stein der Weisen“ von Andreas Wenath

Verlag Zeitenwende
240 Seiten, zahlreiche s/w-Abbildungen
ISBN: 978-3-934291-50-8

Der Autor hat ein bemerkenswertes Buch geschrieben, in dem Mythen der alten Hochkulturen, christliche Symbolik und kabbalistische Deutungen ein vielfarbiges Licht auf den Gral werfen.

Trotz unzähliger Forschungen, Theorien und Erklärungen zur Natur des Heiligen Grals gibt er noch immer viele Rätsel auf. Existiert er als materieller Gegenstand? Ist er ein Mythos oder nur eine literarische Erfindung des Mittelalters, die heute zur esoterischen Popkultur gehört? Wofür immer sich jemand entscheidet: Der Heilige Gral wird gegenwärtig oft als Beleg bzw. Ausdruck für die Blutlinie Jesu verstanden. Die Existenz des Grals erfordert eine Geschichtsrevision und legitimiert ein Gottkönigtum in Europa, das sowohl die christlichen Amtskirchen wie auch demokratische Regierungen in Frage stellt; seit dem modernen Klassiker „Der Heilige Gral und seine Erben“ (Lincoln, Baigent, Leigh) ist dieses Verständnis recht verbreitet.

Wenath folgt diesem Grundgedanken nicht, sondern versteht den Gral mehr als Attraktor persönlicher Weiterentwicklung, als Zentralthema einer spirituellen Suche.
Die Spuren des Grals führen den Autor außer zu den bekannten Schauplätzen in Europa auch nach Palästina und ins alte Ägypten, speziell zur Cheopspyramide. Die Zeitspanne der Suche nach dem Gral, seinen Hintergründen und Bezügen umfasst über 4.000 Jahre bis in die Gegenwart. Die thematisch und zeitlich große Spanne deutet schon an, was sich im Buch bestätigt: Alles andere als ein Schnellschuss, ist der 'Gralsstein' umfangreich und solide recherchiert und fast immer mit übersichtlichen Literaturverweisen versehen, die für eigene Studien eine wertvolle Landkarte darstellen.
Viel Wert legt der Autor auf eine nachvollziehbare, möglichst umfassend begründete Darstellung. Beim Thema Gral ist das nicht unbedingt der Normalfall, schon weil esoterische Themen oft ohne wissenschaftlichen Anspruch behandelt werden. Allerdings fand ich das Bestreben, den Gralsmythos in der Sprache des Logos zu schildern, teils hinderlich, um die Gralsthematik als Mythos zu verstehen. Die Gralslegenden des Mittelalters, Passagen aus der Bibel oder anderen heiligen Texten zeigen sich als (bestenfalls) ungenau oder gar falsch und verwirrend, wenn man sie wissenschaftlich-rational interpretiert. Und vom Mythos, mit dem wir uns Lebens-Sinn erzählen, bleibt dabei nichts mehr übrig. Andererseits kann man einwenden, dass dies dem Leser überlassen bleiben kann :)

Der Autor sagt im Interview mit dem Zeitenwende Verlag zu seinem Buch:

„In meinem Buch geht es neben diesen Fragen um das angesprochene alte Wissen – das man auch als Geheimwissen bezeichnen kann, denn damals war es das –, dessen Nutzung den heutigen Menschen tiefe Einsichten in den göttlich-geistigen Ursprung des Grals und in die Sinnfragen menschlichen Daseins ermöglichen kann. Dieses Wissen ist nachweislich göttlich-mythologischen Ursprungs, und es bildet die Urgrundlagen wissenschaftlichen Denkens. Die Wissenschaften entstanden also nicht, wie in und von Wissenschaftskreisen immer wieder behauptet wird, mit der Entwicklung des menschlichen Verstandes – und sie sind verbunden mit dem Gral. Erst die geist- und gottlose Fehlentwicklung des Menschen hat den wahren Ursprung der Wissenschaften verdunkelt und somit die Menschheit von der Gotterkenntnis – dem Licht – getrennt und dadurch den menschlichen Verstand zum weltzerstörerischen Werkzeug des Dunklen gemacht.“

Gralsstein. Der Stein der Weisen beim Verlag Zeitenwende