Interview mit Ute und Christian Berlinghof

Sollte es wirklich wahr sein, Aleister Crowley als Mittelpunkt eines Unterhaltungsfilmes im Deutschen Fernsehen? Michael D. Eschner informierte mich, dass Kontakte zu Ute und Christian Berlinghof bestünden, die sich in ihrem Metier als Produktionsleiter, Drehbuchautor und Filmregisseur auf sympathische Weise an Crowley heranwagen, angetreten sind. Natürlich wollten Angela und ich euch sofort über den Stand der Dinge informieren und so fand gleich bei meinem ersten Kontakt mit den beiden „Crowley-Vorreitern der deutschen Filmszene“ folgendes Interview statt:

STS: Worauf läuft das Filmprojekt inhaltlich genau hinaus, was soll dargestellt werden?

CB: Es soll einen kommerziellen Film geben, einen Unterhaltungsfilm. Mich hat seit Jahren schon Person und Charakter Aleister Crowleys interessiert. Nun bin ich Filmemacher und weiß, wie schwer es ist, sich Charaktere auszudenken und zu entwickeln. Naja, und Crowley ist nun von dieser Art, die man wirklich nicht erfinden kann und nicht muß J. Crowley hat ja wirklich gelebt. Die Idee war, das Leben und die Ideen von Crowley in Form einer Kombination aus Unterhaltungsspielfilm und Dokumentation rüberzubringen.

STS: Das heisst, dass mit dieser Wahl des künstlerischen Stils auch nicht ausgeschlossen ist, dass der Film eines Tages im Kino gesehen werden kann, wenn alles gut läuft?

CB: Der Film ist eigentlich primär für das Fernsehen gedacht, soll aber eine Kino-Auswertung nicht ausschließen. Wir werden ihn schon auf 35mm drehen und uns das vorbehalten. Das hängt auch ein bißchen davon ab, wie unser letztes Filmprojekt „Destina Calling“ – eine reine Fernsehproduktion, die Ende des Jahres auf Sendung gehen soll - ankommt und welche Kontakte sich daraus ergeben.

STS: Ich nehme an, ihr dreht ihn in Farbe?

CB: Richtig. Der Film zielt tatsächlich nicht auf die magische Szene und die Crowley-Insider ab, wenngleich er natürlich auch für diesen Personenkreis interessant sein soll. Es geht uns speziell darum, jene mit dem Projekt anzusprechen, die möglicherweise von Crowley noch nie etwas gehört haben. Wenn diese Zuschauer durch den Film einen Impuls erfahren, über Thematik und Person Aleister Crowleys nachzudenken, dann entspräche das unserer Intention.

STS: Wahrscheinlich doch ein wenig zu früh, aber seht ihr den Film dann eines schönen Tages zur Hauptsendezeit 20.15 Uhr auf den deutschen Bildschirmen flimmernJ

CB: (lacht) Ja, das ist schon ein bißchen zu früh. Aber wir sehen den Film tatsächlich als abendfüllenden Spielfilm, warum nicht? Er soll wirklich kein Nischenfilm werden.

STS: Wird´s der Zuschauer dann mit nachgestellten Episoden aus Crowleys Leben zu tun bekommen?

CB: Crowley steht im Zentrum der Recherche von drei Akteuren, einer Redakteurin, einem Kameramann und einem Assistenten. Leben und Sichtweise dieser drei bleiben durch diese Tätigkeit nicht unbeeinflusst. Sie kommen mit Personen zusammen, die Crowley gekannt oder in spezifischer Weise mit ihm zu tun haben, und gruppendynamisch ereignet sich auch einiges J. Crowley selbst als Person wird jedenfalls nicht durch einen Schauspieler dargestellt werden.

Derzeit sind wir selbst noch in der Phase des Recherchierens, tragen also Material zusammen und entwickeln die Story und die Konzepte für die einzelnen Geschehnisse und die Charaktere. Wir werden an ausgewählten Originalschauplätzen drehen, Interviews mit Crowley-Kennern, so z.B. mit John Symonds, integrieren. Hier geht es uns um maximale Authentizität. Es wird, wie gesagt ein Unterhaltungsfilm, und die eigentliche Geschichte entwickelt sich zwischen den Redakteuren.

STS: Wie lange arbeitet ihr jetzt schon an diesem Projekt?

CB: Wir stehen ganz am Anfang und werden ca. in zwei Jahren mit den Dreharbeiten beginnen. Das Drehbuch wird Ende diesen, Anfang nächsten Jahres fertig sein.

STS: Wie seid ihr denn überhaupt auf die Idee gekommen, dieses Filmprojekt zu machen? Eine Art Ursprungsimpuls muss es ja gegeben haben, oder?

CB: Zum einen hat das gesammte Team bei unserem ersten Film, der als erster natürlich immer auch Pilot-Charakter hat, gesagt, so, der zweite folgtJ. Zum anderen sehe ich mich noch in der Firma auf-und abgehen und verschiedene Ideen zu sammeln. Eines Tages hatte ich dann das Symonds-Buch über Crowley in der Hand und schnell die Idee des Filmkonzepts...und das hat mich dann einfach nicht mehr in Ruhe gelassen. Bei mir ist es so, dass, wenn ich Woche für Woche ...immer wieder auf die gleiche Idee komme - in irgendeinem Moment spür ich´s dann richtig, das ist es! Und so war es J.

STS: Einen kommerziellen Spielfilm habt ihr ja bereits gedreht. Hat dieser mit dem jetzigen Thema inhaltlich etwas zu tun, eine Art Vorstufe?

CB: Nein, inhaltlich nicht. Aber eine Parallele wird es ganz sicher geben, wir werden wieder in Schottland drehen.

STS: Und womit hängt das zusammen, hat euch das Wetter dort so gut gefallenJ?

CB: Nein, ganz im Gegenteil J, aber Boleskine soll schon wirklich dabei sein. Boleskine ist Recherche-Auslandsaufenthalt unserer Redakteure in diesem Film und neben Berlin unser Hauptdrehort.

STS: Einen wichtigen Einstieg in das Thema stellt die Ausstellung der malerischen Werke Crowleys in der Berliner Porza-Gallerie 1931 dar. Wir haben darüber ja auch in der AHA (Heft 4/00, „Aleister Crowley, rex de arte pictura?“ von Marcus Mons) berichtet. Was ist mit dem Bildwerk Crowleys in der Abtei in Cefalú, Sizilien?

CB: Das hängt auch von unseren Rechercheergebnissen ab. Aber wir werden dem Film nicht das Image einer Rundreise verleihen. Andererseits, in diesem Projektstadium sind wir für jegliche Anregungen, die sich auf Crowley und sein Umfeld beziehen dankbar. Das betrifft auch Ideen, die sich auf mögliche Erlebnisse unserer drei Redakteure (eine Frau, zwei Männer) beziehen. Es soll ein lebendiger Film werden.

STS: Weil Boleskine so wichtig ist und die Crowley-Fans wahrscheinlich auch an Led Zeppelin denken, welchen Stellenwert wird die Musik im Film haben?

CB: Wir sind wie gesagt in dieser reizvollen Phase des Ideen-Findens. Wir können die Geschichte noch richtig modellieren. Ja, Musik – auch hier gilt: wenn wir auch aus dramaturgischer Sicht solche Überlegungen gut integrieren können, gern.

STS: Wie schätzt ihr denn die Offenheit der Filmbranche (speziell Fernsehfilm) in Hinblick auf diese Thematik ein? Verschiedene spirituelle Gruppen haben ja ihre nun wahrlich nicht berauschenden Erfahrungen mit Fernsehmedienanstalten gemacht. Rechnet ihr damit, mit offenen Armen empfangen zu werden?

CB: Wir gehen davon aus, dass unsere Wahl der Kombination von Unterhaltung und Reportage ankommen wird. Das spirituelle oder esoterische Interesse wächst tendentiell, und es wird immer unwahrscheinlicher, sich solchen Themen zu verschließen.

STS: Wie steht´s um den finanziellen Bereich, werdet ihr gesponsert?

CB: Da steht noch nichts. Ich hoffe, daß meiner Frau Ute als Produktionsleiterin des Crowley Projektes wieder einmal die entsprechenden Ideen kommen... Generell haben wir mit unserem gesamten Team für die gesamte Umsetzung eine gute Ausgangsbasis. Das Filmkonzept sieht zudem keine größeren Spezial-Effekte vor. Trotzdem, wir suchen Kooperationspartner und Sponsoren.J.

STS: Wie steht´s um die Quellenlage.

CB: Wir haben in Michal D.Eschner einen wundervollen Partner in dieser Phase des Films gefunden, sodaß wir hier jedesmal, wenn wir zusammentreffen viele Ideen und viel Energie sammeln.

STS: Tja, das soll´s für heute gewesen sein. Es war sehr schön, dass wir hier in den Räumen von Michael D. Eschner dieses erste Interview auf so unkomplizierte Art und Weise machen konnten. Ich melde jetzt schon Interesse an Anfang nächsten Jahres erneut mit euch über den Stand zu sprechen.

CB: Ja, das wäre ein sinnvoller Zeitpunkt.

STS: Bis dahin jedenfalls viel Erfolg, und ich denke, dass viele unserer Leser sehr gespannt sein werden und die Daumen drücken:)

Anmerkung der Redaktion:

Also Freunde, Ute und Christian Berlinghof sind sehr an Ideen zu diesem Filmprojekt interessiert. Das betrifft sowohl seltenes Material zu Crowley, wie auch Anregungungen zu den Impulsen, die auf die drei Hauptakteure des Films von der Beschäftigung mit der Crowleyanischen Weltsicht ausgehen. Wir finden, es ist eine schöne Möglichkeit mitzumachen und sich einzubringen. Die Redaktion der AHA nimmt gerne solche Überlegungen, Hinweise, Tips entgegen und leitet sie an die Filmemacher weiter.

Weitere Informationen