2004/ 6: Kelten ohne Romantik, Maat, Ägypten und Thelema
Editorial. Zurück zur Natur
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Gesetzt den Fall, es wäre Sommer und Naturnähe nicht so entbehrungsreich wie im Dezember, wenn die Gemeinschaft der Ökoaktivisten (unbeheizt) dort hauste, wo sie immer hin wollte: im stillen Waldtal. Gesetzt außerdem den Fall, das große Problem: wohin mit der Mikrowelle, ist zufriedenstellend gelöst, ebenso die Frage, wo das solarbetriebene Handy zu laden ist. Kurz: alle scheinheiligen Gewissensfragen gegen gelebte Naturverbundenheit sind definitiv beantwortet. Es könnte sofort losgehen. Hätten wir dann das eingangs genannte, hehre Ziel erreicht?
Mitnichten, liebe Leser. Das Bisherige sind nur Äußerlichkeiten und für unser Verständnis von Natur ungefähr so entscheidend wie eine Erkältung nach einem Kopfschuß. Im Gebrauch der vertrauten Dinge, mit denen wir täglich umgehen – vom Kamm über das Brotmesser bis zum gerade gelesenen Buch, dem Auto – mit all dem ist uns die »Natur« mitentdeckt, die »Natur“ im Licht der unzähligen Produkte, die wir aus ihr machen. Der Wald ist Forst, der Berg Steinbruch, der Fluß Fischreichtum (hoffentlich), der Wind betreibt Windräder oder zeigt sich, indem er das Dach abdeckt. Mit den alltäglichsten Verrichtungen finden wir »Natur“.
Sicher, wir können von dem Denken in den Kategorien von Gebrauch und Nutzbarkeit - für eine gewisse Zeit – absehen, wenn das auch der gewohnte Zugang ist. Versuchen wir das: Wir können Natur als das einfach Vorhandene bestimmen, in der Hoffnung, daß wir dann mehr entdecken, wenn wir nicht mehr an Verwendbarkeit denken. Die Vereinfachung auf das pure Vorhandensein der Bäume, Hügel..., ohne daß Menschen als Dazugehörige auftauchen – das ist das Bild, das die Naturwissenschaft von der Welt gibt. Denn nur so, als bedeutungslose Materie, paßt die Natur unter das Mikroskop. Ist nun gerade ‚Naturwissenschaft’ nicht eine seltsame Wortschöpfung?
Ihrem Erfassen bleibt die Natur als das, was lebendig ist (wer verstand ‚Photosynthese’ im Biologieunterricht als Leben?), vor Fruchtbarkeit überquillt, verborgen. Natur als das, was uns ernährt und Geborgenheit vermittelt, uns alsw Landschaft gefangen nimmt, gibt es unter dem sterilen Blick auf Vorhandenes nicht mehr. Die Pflanzen des Botanikers sind nicht die ‚Blumen am Rain’ aus dem Volkslied, die brachliegende Pachtfläche ist nicht die »taufeuchte Wiese im Nebel«, der geografisch fixierte Ursprung eines Flusses ist nicht die »Quelle im Grund«.
‚Zu abstrakt, die Überlegung’, mag mancher an dieser Stelle mutmaßen. Da aber aufgrund eines alten Jahresfestes dieser Tage wieder Millionen Tannenbäume verkauft werden, lohnt ein wenig Nachdenken über »Natur«, die uns diese gibt. Wer will leugnen, daß er bei solcher Gelegenheit in ganz pragmatischer Manier kalkuliert.
Und den Defätisten unter euch, die ich mit dieser kleinen Schrift auch zu erreichen hoffe, rufe ich zu: harrt aus – der nächste Sommer kommt bestimmt!
Aus dem aktual kalten doch schneelosen Herzen Deutschlands,
Knut Gierdahl
Kommt gut ins Neue Jahr! :)
Inhalt
Die Kelten. Jenseits neopaganer Romantik
von Soror Hel
»In jeder gut bestückten Buchhandlung sieht sich der Interessent mit einer Flut von Monographien konfrontiert, die so einschlägige Titel tragen wie Das geheime Wissen der Kelten, Merlyns Lehren, Das heilige Feuer und die magische Weisheit der Druiden oder wahlweise in englischer Sprache Celtic Mysteries und Druids and Witches 1. Der Keltenwahn bereichert den deutschen Wortschatz um Begriffe wie 'Druiedentor', 'Druidenzauber' oder 'Druidenzirkel', um nur einige zu nennen. Bisweilen hat das Interesse an den Kelten im vergangenen und im bestehenden Jahrhundert bizarre Formen angenommen. Erinnert sei an ein wohl weniger besinnliches Sommersonnenwendfest am 21. Juni 2000 im südenglischen Stonehenge, einem der bekanntesten megalithischen Kultplätze der Steinzeit (früheste Anlage um 3000 v. Chr.) den vermutlich nie eines Kelten Fuß betreten hat«
MAAT Wieder-holung Ägyptens in Thelema
von Magdalena
»Die offensichtlichste und sicherlich für alle Thelemiten aus unterschiedlichsten Gruppen oder nicht-Gruppen gemeinsame Verbindung ist das Liber Al vel Legis und die damit eng in Zusammenhang stehende Stele der Offenbarung.«
Magick und das Kreuz mit den Christen
von Sirentro
»'Be ready to fly or to smite!« (Liber Al, III, 33) Der Anblick der Feierlichkeiten anlässlich der Grundsteinlegung des »Freedom-Towers' auf dem sogenannten »Ground Zero«-Gelände in Manhatten sollte der Auslöser für diesen Artikel sein, in dem wir unumwunden auf die - nicht so verborgene - Gegenwärtigkeit dessen hinweisen wollen, was wir bei Crowley wie folgt beschrieben finden...«
Das IEK Berlin
Eine transdisziplinäre Institution
von Alexander Graeff
»Wir leben mittlerweile in einer Zeit, in der es dem Einzelnen tatsächlich – nach Säkularisierung und Entdogmatisierung – möglich geworden ist, sein Leben bewusst und nachhaltig auszurichten, ohne sich um die Anempfehlung mehr oder minder einflussreicher gesellschaftlicher Teilgruppen kümmern zu müssen. Wir sind nicht mehr auf der Suche nach einer alternativen Weltanschauung, wir leben sie bereits!«
Geschichte des Kriegerwesens. Aufstieg und Verfall einer Vision
von Sperber
»Kennen Sie die Geschichte des Kriegerwesens in den verschiedenen historischen Gesellschaftsformen? Die Entwicklung des Kriegerwesens hängt eng mit der umgebenden Kultur zusammen, welche den Rahmen für die Rolle vorgibt, die ein Krieger in einer Gesellschaft einnehmen kann. Außerdem wird die Frage aufgeworfen, ob alte Traditionen in der Moderne authentisch wiederbelebt werden können.«
Kulturkampf, Christlicher Aufbruch, Neues Aeon - oder was?
Gedanken des erheiterten Spectator
»Geneigte Leser, ertauben Sie mir, Sie mit meinen Gedanken etwas zu belästigen Als Leser und Autoren der AHA hoffen wir ja alle auf ein neues Aeon, und wir arbeite ja auch daraufhin, so gut wir eben können. Während wir also emsig versuchen, Magie zu betreiben, uns taoistisch auszubalancieren, unserem Wahren Willen irgendwie zu entsprechen… spielen sich in der Welt eigenartige Dinge ab.«
Die Abenteuer von Phrast Ambix VIII: Scheiben abschneiden
von Dominik Irtenkauf
»Keine einzige Minute verstrich ohne Änderung. Die Scheiben schoben sich übereinander und ergaben zusammen genommen zunächst wenig Sinn. Phrast schrieb die einzelnen Silben ab und versuchte, in sie eine erste Ordnung zu bringen. Seine Raben hatten ihm vor einigen Wochen ein Zettelchen überbracht, auf dem ein Codieralphabet zu finden war. Er hatte es zwar fürsorglich aufgehoben, doch scherte er sich nicht viel um die eitlen Spielereien.«
Die Frage nach einem ursprünglichen Zeitbegriff (Vorabveröffentlichung aus »Tradition und Transzendenz«, Erster Teil, 12. Abschnitt. Mit freundlicher Genehmigung des Autors)
von Timo Kölling
»Als bleibenden Ertrag der kantischen Transzendentalisierung der Zeitauffassung haben wir zu werten, daß eine meßbare »Einheit der Zeit«, wie immer man sie sich im einzelnen erklären mag, eine metaphysische Vorstellung ist, der keine irgendwie »erfahrbare« Wirklichkeit entspricht. Denn was wir, um sie von der »mechanischen« Zeit zu unterscheiden, die »erfahrene« nennen können, widersetzt sich schlichtweg aller Messung und Vereinheitlichung durch ein technisches Verfahren.«


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