2004/ 5: WGT Bericht, Pfad der Linken Hand, Sexenu

Editorial

Magie ist, wenn man trotzdem lacht.

Die Tage werden wieder kürzer und dunkler. Es wird Herbst, Melancholie macht sich breit. Umso erfreulicher, als ich eben im Ratgeberteil einer Zeitung die Tips des Psychologen las: »Bleiben Sie in Urlaubslaune!«, hieß es da. Ich war gespannt. … »Tagträume lösen starke Glücksgefühle aus und bauen Streßhormone ab.« Und ganz direkt: »Essen Sie, was Sie im Urlaub gegessen haben, hören Sie die gleiche Musik, schauen Sie sich Filme vom Urlaubsort an« usw. usf.

Ich weiß nicht, wer sich durch solche Empfehlungen angesprochen fühlt und wem damit neue Wege eröffnet werden. Der Umstand schon, daß solche Tips gegeben werden, zeigt - und sei es im besten schlechten Falle auch nur seitens der Zeitungsmacher - daß man der Ödnis des Alltags entgegenwirken muß. Aber so? Wir wissen, daß das normale Leben nichts zu bieten hat. Darum halten wir uns an den kleinen Traum von Freiheit, den wir im Urlaub träumten? Was gut gemeint ist, ist darum noch nicht gut gemacht.

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Wir sind unsere Erinnerungen. Und wir sind, was und wie wir uns entwerfen. Und als drittes, wie wir uns in der Gegenwart verhalten. Billige Psychorezepte a la »Iß eine Mango aus dem Supermarkt und fühl dich dabei wie in der Südsee« erfassen nur einen Ausschnitt aus der Vergangenheit. Wer solche Vereinfachung rät, macht Menschen klein und gefügig - der nächste Urlaub kommt bestimmt. Das hat einen bitteren Beigeschmack, wenn ich mir vergegenwärtige, daß der heutige Tag und die nächste Woche dabei zu einer Zwischenzeit gestempelt werden, die es so gut wie möglich zu überstehen gilt.

Nietzsche sprach von der Ewigen Wiederkehr des Gleichen als seinem tiefsten Gedanken. Diesen zu bedenken, könnte manchen Urlaubstraum platzen lassen. Carpe diem.

Euer Knut Gierdahl


I n h a l t

Der Teufel steckt im Detail
Ein Stimmungsbild zum Wave-Gotik-Treffen 2004 in Leipzig

von Dominik Irtenkauf

»Ich besuchte das Festival in hohem Auftrag der magisch-okkulten Zeitschrift für das Neue Äon mit Titel AHA. Wenn ich nun über ein subkulturell-kommerzialisiertes Ereignis schreibe, sollte ich, da es sich um ein »Fachpublikum« handelt, entsprechend angemessene Aspekte berücksichtigen. Eine einleuchtende gedankliche Folge: Wie steht es um die Magie in der sogenannten Schwarzen Szene? Liegt diese Frage zwar auf der Hand, so ist es um eine Definition ihrer Begriffe nicht so einfach bestellt. ...«

Hans J. Nissen / Peter Heine
Von Mesopotamien zum Irak
Kleine Geschichte eines alten Landes

Rezensiert von Berthold Röth

»Der alte Name des Irak war Mesopotamien und dies gilt als Wiege der Menschheit, weil schon lange vor der sumerischen und babylonischen Kultur dort eine Zivilisation bestand. In dieser kurzen, aber sehr prägnanten Zeitreise führen die beiden Autoren durch die gesamte kulturelle, religiöse und politische Geschichte dieses Landes, das von sehr vielen Völkern belebt und regiert worden war. Alle Errungenschaften unserer gegenwärtigen Kultur haben dort ihre Wurzeln, bereits 3000 Jahre vor Christus war das ganze Wissen der damaligen Welt in schriftlicher Form niedergelegt. ...«

Sexenu
von Frater Eremor NVR .’. vira Setos

Ein ägyptisches Ritual

Monte Verità
von Georg Temme

»Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, auf Berge zu steigen. Vielleicht ist es der Wunsch dem Himmel oder Gott näher zu sein; auf längeren Bergtouren in die höheren Regionen lassen sich solche Erfahrungen machen. Vielleicht aber auch um sich und die » Wahrheit« zu finden, was bisher allerdings auch auf den Bergen nur wenigen gelang. Versucht haben es zumindest die Bewohner im Jahr 1900 auf dem Monte Verità , dem Berg der Wahrheit, wie sie ihren Ort oberhalb von Ascona im Kanton Tessin in der Schweiz nannten. ...«

Satanismus und der Pfad zur Linken Hand
von Ulrich Alexander Goetz

»Kaum ein gesellschaftliches Phänomen ist einer derartigen Bandbreite von Spekulationen und Mutmaßungen ausgesetzt wie der Satanismus. Das Etikett ist nahezu jedem bekannt, aber es existiert weder eine allgemein anerkannte Definition dieses Begriffs, noch eine klare Vorstellung, welche realen Auswirkungen von dem Satanismus in der Gegenwart ausgehen. Aus wissenschaftlicher Sicht kann dieser Mißstand jedoch nicht einfach hingenommen werden, denn diese Auswirkungen, so nebulös sie auch sein mögen, haben einen prägenden Einfluß auch auf das Religionsbild der Gegenwart an sich. ...«