2006/ 4: Identität, WM Nachruf, Lovecraft, Rassenwahn
Editorial
| 6,90€ |
Es war einmal vor langer, langer Zeit … eine kleine Schar von Handwerkern. Sie kamen aus allen Teilen des Landes, um sich mit den Besten der Welt zu messen. Denn ihr König hatte sie gerufen und so machten sie sich auf den Weg. Das Volk beäugte sie argwöhnisch oder übersah sie gänzlich. Wer waren schon diese Handwerker, daß sie sich dem Wettkampf stellten! Doch die Besten der Welt waren nicht so gut und unsere kleine Schar besser geschult, als man glaubte. Und so kam es, daß ihre Erfolge das ganze Land begeisterten, bis auch sie eines Tages ihren Meister fanden.
Wie gesagt, das ist lange her und das Handwerk dieser Schar wurde ebenso schnell vergessen wie es aufkam.
Die Geschichte vom Aufstieg und Fall unserer Handwerker ist ein alltäglicher Vorgang. Und darum lohnend, darüber mal genauer nachzudenken. Grund genug für unsere Fußball-WM Retrospektive. Womit wir uns beschäftigen, was uns wichtig ist, sagt viel darüber aus, wer wir sind. »Du bist, was du tust«, könnte man es in der Kurzform beschreiben – und damit nähern wir uns dem Hauptthema dieser Ausgabe: Identität. Das vom lateinischen identitas abgeleitete Wort meint die Wesenseinheit einer Person. Doch was meint das? Wenn uns der Portier im Hotel oder die Vorzimmerschwester beim Arzt fragt, »Und Sie sind…?«, dann wollen sie einige bestimmte Daten wie Name, Adresse, Krankenkasse, usw. Sie wären (zu Recht) irritiert, wenn ich ihnen antworten würde: »Wie schön, daß Sie mich darauf ansprechen – diese Frage beschäftigt mich nämlich auch gerade. Als ich heute morgen aufstand …« Nein, das wäre unpassend. – Dennoch wissen wir, daß die für Alltagsgeschäfte zureichende Identifizierbarkeit die Frage, wer wir sind, im eigentlich menschlichen Sinne noch nicht berührt. Wer bin ich?
Im alten Äon suchte man die wahren, die entscheidenden Antworten auf diese Frage durch Rückzug von der sinnlichen Welt hin zur reinen inneren Schau. Kontemplation und Innenschau galten als die Königswege, um eine innere Wesenswahrheit aufzudecken. Auch in der heutigen Esoterikszene fällt leicht auf, daß sie auf diesen Grundlagen ansetzt - und nichts weniger als Selbsterkenntnis und neue Identität(sstiftung) verspricht. Ich denke, es ist an der Zeit, diese Vorstellungen zu prüfen, denn »Siehe! Die Rituale der alten Zeit sind schwarz.«, sagt uns nachdrücklich das Liber Legis. Doch wie finde oder gestalte ich meine Identität, wenn sich nicht im Schauen die Wahrheit des menschlichen Wesens zeigt? Ich bin überzeugt, daß diese AHA euch dabei neue Wege zeigen kann und wünsche viel Spaß beim Spuren-Lesen.
Alles hat seinen Preis. Da wir weder auf Fremdkapital noch auf Fördermittel setzen wollen, müssen wir uns der allgemeinen Vorstellung von Preisstabilität anpassen und das tun, was viele tun müssen, nämlich unseren erhöhen – Idealismus schützt nicht vor steigenden Material- und Personalkosten oder Steuern. Das bedeutet für euch, daß ab dieser Ausgabe ein Jahresabo nicht mehr 37,- EUR, sondern 40,- EUR kostet.
Euer Knut Gierdahl


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