2005/ 4: Henochische Magie, Hermetische Deutung des Liber Legis
Editorial
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Wenn ich Post vom Finanzamt bekomme und darin als „sehr geehrter Steuerbürger“ begrüßt werde, dann muß ich 2mal hinsehen, bis ich mir glaube, was ich lese. Der alte Steuerzahler war jemand, der Steuern gezahlt hat - und das war’s. Jetzt aber machen die Steuern etwas mit mir: ein Steuer-Bürger ist jemand, dessen Bürger-Sein vom Steuernzahlen kommt. Oder jemand, den das FA dezent fragt, ob ich denn, nun mal (Endlich!) meine verdammten Steuern abdrücke oder doch nicht – solange kann es mich ja schlecht als Steuerzahler ansprechen, der ich am Ende womöglich faktisch nicht bin. Jedenfalls finde ich diese Sprachschöpfungen so feinsinnig wie George Orwells effiziente Sprache der Diktatur in »1984«, das sogenannte ‚Neusprech’. A propos 1984… diesen Herbst haben wir die Wahl.
Was ich auffällig finde: SPD und CDU definieren die gesunde Mitte der »Demokratie«, den Status Quo im Politik–mainstream der Bundesrepublik. Was sie sagen und tun, gilt als normal. Nicht, weil es strategisch weitblickend, klug oder besonders bürgernah wäre, das kann man ihnen wirklich nicht unterstellen. Sondern einfach, weil man ihre Parolen tagaus, tagein hört, sind sie vertraut.
Doch dieser Vorsprung schmilzt dahin im Kampf gegen die Außenseiter der Linken und Rechten. Sie stellen den Status Quo in Frage, und das überzeugender als in der Vergangenheit. Ob ihre höhere Akzeptanz an der Globalisierung liegt, die simple Lösungen selten und darum um so attraktiver macht… oder woran sonst – jedenfalls muß die Mitte aufpassen, die Außenseiter nicht zu stärken. Das neue Linksbündnis oder die NPD könnten nämlich davon profitieren, daß sie so direkt als Gegner (und damit als echte Alternative) eingestuft werden.
Es gibt Umfragen, denen zufolge 30 Prozent der Deutschen für eine Rückkehr zur Monarchie sind. Diese Option geht dramatisch über die bange Wahl zwischen Schröder und Merkel hinaus: Eine Monarchie ist einem System, das nur in Vier-Jahres-Zyklen plant, weit überlegen. Schon deshalb, weil ein Monarch in Zeiträumen von Generationen plant. Heute gilt es als intellektueller Quantensprung, wenn man unter dem Stichwort »Nachhaltigkeit« 5 oder 10 Jahre voraus denkt… Ein Monarch maßte sich auch nicht an, das Geld anderer Leute auszugeben, sondern wenn er pleite war, mußte er versuchen, sich was zu leihen. Staatsverschuldung in Milliardenhöhe?
Vor 1914 undenkbar. Aber lassen wir die Frage, ob eine Monarchie heute noch möglich wäre, beiseite.
Die entscheidende Frage ist: welche politische Ordnung führt ins neue Äon? Der Parteienmachtkampf? Sollte alle vier Jahre ein Kreuz auf einem Stimmzettel das Mittel sein, um die Gesellschaft (um) zu gestalten? Während letztlich das selbstgenügsame Beamtenheer darüber entscheidet, wie ein Gesetz zur Anwendung kommt? Während sich die Menschen ins Private zurückziehen, hoffend, daß wenigstens hier ihr Leben dem Chaos standhält?
Im »Zusammenschluß gegen das Chaos« gibt Stephen Mace spannende neue Antworten darauf. Und er zeigt, daß Parteiendemokratie das Ende einer Epoche nicht aufhalten wird, sondern beschleunigt. Btw… Ob ich wählen gehe, wenn der Bundestag neu ausgewürfelt wird? Ich werd’ mich hüten! Euch noch einen ozonarmen Sommer,
Knut Gierdahl


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