Editorial: Der Würfel

Ein Würfel sprach zu sich: Ich bin
Mir selbst nicht völlig zu Gewinn!

Denn meines Wesens sechste Seite,
und sei es auch ein Auge bloß
sieht immerdar statt in die Weite,
der Erde ewig dunklen Schoß.

Als dies die Erde, drauf er ruhte,
vernommen, war ihr schlimm zu Mute.

Du Esel, sprach sie, ich bin dunkel,
weil dein Gesäß mich just bedeckt!
Ich bin so licht wie ein Karfunkel,
sobald du dich hinweggefleckt.

Der Würfel, innerlichst beleidigt,
hat sich nicht weiter drauf verteidigt.

Christian Morgenstern, Galgenlieder

Die Artikel

Aleister Crowley - rex de arte pictura?
1931 fand in der Porza-Gallerie Berlin eine Ausstellung mit 73 zeichnerischen Werken aus Crowleys Hand statt. Neben sechs von diesen Bildern findet sich im Artikel ein Text, der den Ausstellungsbesucher Aleister Crowley und seine Kunst vorstellt. Ein seltenes und nicht so leicht auffindbares Dokument, das hier den Lesern der AHA mit Hilfe der "Staatlichen Museen zu Berlin Preussischer Kulturbesitz" vorgestellt werden kann.
von Marc Montana

Wiederannäherung von Wissenschaft & Religion (II)
Der Autor begründet, warum in der Praxis der Magie folgende drei Wege unausweichlich in die Irre führen: Exklusiver Symbolismus (einschließlich der Geheimhaltungspflicht); eine Reihe von Schemata, um "Wahrheit" in historischen oder literarischen Kunstprodukten zu finden; Versuche, magische Arbeit gegen Entgelt auszuführen
von Stephen Mace

Projektive synthetische Geometrie
In Lady Frieda Harris Tarotgemälden und in Crowleys Buch des Gesetzes
Der Autor weist nach, dass in vielen Tarot-Collagen eine Verbindung der Karten untereinander offenbar wird, die nicht auf deren Bedeutung, Farben oder Symbole beruht. Die Verbindung entspringt der speziellen von Lady Frieda Harris angewandten Geometrie. Der Autor beschreibt zudem ein Treffen mit der 90jährigen O. Whicher, die neben den Anthroposophen R. Steiner und G. Adams Einfluss auf diese Geometrie und das Schaffen von Lady Frieda Harris hatten.
von Fürst Claas vom Mars

Die Zerstörung der deutschen Kultur durch Goethe (Teil I)
Aus dem Manichäer "Faustus Minor" wird bei Goethe der impotente Heinrich Faust. Impotent, weil er des Teufels-Paktes bedarf. Der Autor begründet, warum dieser Pakt bedeutet, dass Magie nicht möglich ist. Und darüber hinaus, wieso mit diesem Vorwurf Faust nicht nur lächerlich gemacht, sondern die grundsätzliche Möglichkeit einer deutschen Kultur in Mitteleuropa verhindert wird. Ein starkes Plädoyer für selbsterzeugendes, leib-freies Bewusstsein. Der Goethesche Faust ist ein Werk wider besseren Wissens.
von Wilfrid Jaensch

Strategeme
Strategisches Denken mittels Computer-Games erlernen - LAN-Partys können das leisten. Szenarii gewinnen, Szenarii gestalten ist eine Dimension. Eine andere ist es, diesen kreativen Prozess auf die eigene Lebensgestaltung anzuwenden. Der Beitrag bietet eine Dramaturgie in elf Schritten dafür an.
von Perdulon

Der kleine und der große Pan
Im Zentrum steht die Frage: Wie lerne ich das Tier, das ich bin, verstehen? Pan in uns zu verstehen heißt für die Autorin den Antrieb zu entwickeln, die eigenen Antriebe zu beobachten und zu gestalten.
von Angela Jekosch

Open Source Kultur und die schenkende Tugend
Die Autoren sehen im Internet die erste konkrete Ausformung des Neuen Äons. Während Parteien und Kirchen pessimistisch den Werteverlust beklagen, wachsen Subkulturen und Internetgemeinden zu ernstzunehmenden Konkurrenten um Wertschöpfung und ein lebenswertes Menschenideal.
von MDE & KG

Dantes Inferno - Interview mit Voenix (II)

Akrons "Dantes Inferno" soll im Herbst 2000 auf den Markt kommen. Ein Buch rausbringen - nichts einfacher als das? Falsch! Voenix zeigt, dass manches Buchmanagement besonderer Energien im Kampf gegen Vorverurteilung und kleingeistige Verlagspraktiken bedarf.
AHA-Redaktion