2005/ 2: Scharlachfrau und das Tier, "Tod" bei Heidegger

 Editorial der aktuellen Ausgabe:

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Das Warten hat ein Ende, und das Ende heißt: AHA Nr. 2/ 2005. Wieder sind einige Zeichen in die neuen Wertetafeln geritzt, von denen zuerst Nietzsche kündete. Woraus sind diese Tafeln? Einst dachte man, sie seien aus Stein, eingehüllt in Akazie und Gold. Wir aber schmieden aus Gold Stahl. Akazie und Gold, Symbole der spirituellen Sonne, verhüllen nicht länger die Tafeln, wie zu Zeiten Moses’. Unser Gesetz lebt nicht im Schutze einer unberührbaren Abgeschiedenheit, sondern es ist völlig diesseitig, irdisch. Der Baum, der früher die spirituelle Welt darstellte und in dessen Zentrum die Sonne steht, trägt keine Blätter mehr. Die Einheit, aus der allein er entstehen konnte, ist dahin. Seine Pfade – trockenes Astwerk. Seine zehn Lichter blenden nur noch schwach. Es ist gut so.

Scharlachfrau und das TierOder… fehlt nicht etwas? Die arkanen Geheimnisse, die Mysterien der Vergangenheit – sind sie dahin? Ja, unwiederbringlich.

An dieser Stelle fragt sich vermutlich mancher: ‚Es gibt doch noch große Geheimnisse in Esoterik und Magie, das macht deren Reiz aus!’ Oder geht es geheimnisvoll und arkan zu, weil die Sprache und die Modelle starr und zu wenig komplex sind? Vielleicht kann die traditionelle Sprache der Magie zu wenige Unterschiede erfassen und darum scheint vieles geheimnisvoll. Die Modelle mögen vor einigen Jahrhunderten der Zeit angemessen gewesen sein, aber heute nicht mehr.

Auf der Weltkarte gleicht zum Beispiel die Entfernung zwischen Berlin und München der zwischen Berlin und Hamburg oder Warschau. Wahrscheinlich ist keine einzige dieser Städte eingetragen, darum können wir alle diese Orte nur schätzen. Aber das heißt nicht, daß das in Wirklichkeit (im Land, von dem die Landkarte stammt) auch so ist; mit feineren Landkarten kleinerer Gebiete könnten wir die Entfernungsunterschiede genau erfassen. Auf einer Weltkarte ist das prinzipiell unmöglich. Genauso ist es mit den meisten magischen Modellen. Sie wollen für die ganze Welt gelten und sind darum ungenau und/oder haben endlose Unterscheidungen, denen niemand einen praktischen Unterschied zuordnen kann. Es geht also darum, dort, wo diese Modelle zu ungenau sind, um dem Verstehen aufzuhelfen, andere Sprachen zu wählen. Schaut ins Inhaltsverzeichnis, es hält einiges in der Richtung bereit.

Nochmal zu unsren Tafeln – woraus sind sie denn nun? »…eine Reproduktion dieser Tinte und dieses Papiers für immer – denn darin ist das geheime Wort, & nicht nur im Englischen«.

In diesem Sinne, ein schönes Fest des Liber Legis,

Knut Gierdahl

»Ein Fest für die drei Tage der Niederschrift von dem Buch des Gesetzes.«

Inhalt

Die Scharlachfrau und das Tier
Form und Kraft
von Cassandra
»Bevor wir der Fährte Babalons folgen, stellt sich die Frage: Was ist die scarlet-woman, die Scharlachfrau und was ist das Tier, der Prinz-Priester, der Prophet? Im Liber L vel Legis werden wir fündig.
Das Liber L vel Legis, eine von Crowley am 8., 9. und 10 April 1904 empfangene und von Aiwass gegebene Schrift, erzählt den Menschen von Menschen – den Menschen des Neuen Äons. In seinen 220 scheinbar widersprüchlich komponierten Versen vollzieht es einen irrigen Tanz für diejenigen, die es oberflächlich betrachten. Es fordert zum mit-tanzen auf.«
Ist Erkennen Handlung? Ist Handlung Erkennen?
(Sehr) kurze Überlegung zu einer nicht unbedeutenden Nebensache
von Alexander Graeff
»Wenn man nur die Überschrift liest, klingt das Thema dieses Artikels simpel und die Antwort ist sofort bei der Hand: auf beide Fragen »Ja«. Halten wir einen Moment inne. Beim zweiten Lesen fällt uns auf, daß es um das Verhältnis von Erkennen und Wollen geht, dessen Klärung eine Kardinalfrage abendländischer Philosophie war oder immer noch ist. Auf diesem Hintergrund wird das Thema brisant und ist die Antwort folgenreich auch und gerade für alle, die dem Willen eine besondere Bedeutung zusprechen.«
Das Sein zum Tode
zum Todesverständnis in Martin Heideggers »Sein und Zeit«
von Knut Gierdahl
»Das Hauptanliegen dieses Artikels ist es, Tod als Möglichkeit verständlich zu machen. Das klingt nach einem Paradox: Tod als Möglichkeit? Der Tod ist doch das, was alle daseinsmäßige Möglichkeit negiert, denn er ist das Ende. Und, möchten wir hinzufügen, er ist doch sehr wirklich – also kann er nicht ‚möglich‘ sein. – Soweit die normale Auffassung, Heidegger nennt sie das vulgäre Verständnis des Todes.
Wie wir über das Leben denken und wie wir Tod verstehen, das hängt sehr eng zusammen. Darum hat Heidegger sich dieses großen Themas angenommen, als er in seinem Hauptwerk »Sein und Zeit« die Frage neu aufwarf: Was ist der Mensch?«
Einführung in Weiße Magie
Susanne, die Weisse Hexe
»Magie und Hexerei - von diesen Begriffen geht eine Faszination aus, der sich kaum jemand völlig entziehen kann.In Märchen, Legenden und Sagen aus aller Welt ist die Magie noch lebendig. Dort wimmelt es von Helden, die mit Hilfe von Zauberkraft Drachen töten und dadurch die Herrschaft über sagenhafte Königreiche erlangen. Dort liest man von großen Zauberern, Magiern und Hexen, die wahre Wunder vollbringen können. Sie haben die Macht den Menschen ihre Träume zu erfüllen - oder sie in die tiefste Finsternis des Verderbens zu stürzen. Was ist dran an dem Mythos der Hexen?«
Der Tod und des Menschen Sein zum Ende
(eine meditatio mortis)
von Uwe Friese
»'Tod, Verbannung und alles andere, was furchtbar erscheint, halte dir täglich vor Augen, vor allem aber den Tod, und du wirst niemals schäbige Gedanken haben oder etwas maßlos begehren.'
Dieser Vers des Epiktet (um 50 n. Chr. – um 138 n. Chr.) aus seinem »Handbüchlein der stoischen Moral« soll zunächst als Einleitung für die folgenden Betrachtungen über den Tod dienen. Worum es Epiktet wohl ging, als er den Tod so deutlich herausstellte?«
Die Abenteuer von Phrast Ambix
X: Das Notenzepter schwingt!
von Dominik Irtenkauf
»Phrast fühlte sich unwohl. Er war aus seiner gewohnten Umgebung gerissen, in der Großstadt ausgesetzt worden. Er ließ den Blick über seine jugendliche Kleidung gleiten. Was nur sollte aus ihm werden?«